Gestern las ich im neuen Stern (Nr.
27 vom 30.06.2016) einen erschütternden Artikel („Kuh 2665 – die 100000-Liter-Maschine“)
über die Realität der Milchwirtschaft in konventionellen deutschen Bauernhöfen,
wie ich sie auch in meiner unmittelbaren Nähe Tag für Tag erlebe. Das hat mich
zu folgendem Gedicht angeregt:
Gestern (14. Juni 2016) war
Themenabend auf Arte. Es ging um Großbritannien und den möglichen Ausstieg des
Landes aus der EU. Am 23. Juni, also in acht Tagen, stimmen die Briten über den
„Brexit“ ab. Der Ausgang ist mehr als ungewiss. Ich kann die Enttäuschung
vieler Europäer über die „Fehlkonstruktion“ der Europäischen Union gut
nachvollziehen, obwohl ich im Prinzip für ein vereintes Europa bin.
Zu später Stunde zeigte der
Sender mit der Dokumentation „Sir Winston. Der Mann des Jahrhunderts“ (Winston
Churchill – Un geant dans le siecle) einen 90minütigen Film über den
mehrmaligen britischen Premierminister Winston Churchill (1874 – 1964).
Ich mochte diesen Mann noch nie.
Aber ich kannte auch nicht viel von ihm. Ich weiß nur, dass er (Hitler-)
Deutschland hasste und dass er es offenbar war, der die Bombardierungen
deutscher Städte befahl. Dieses Kapitel wurde in der Dokumentation allerdings
ausgeklammert. Immerhin wurde gesagt, dass die Bombardierung eines Vororts von
London durch die deutsche Luftwaffe zu Beginn des Krieges (den Großbritannien
und Frankreich dem Deutschen Reich am 3. September 1939 erklärt hatten[1]) eigentlich nicht
beabsichtigt war, sondern aufgrund eines Navigationsfehlers „versehentlich“ geschah.
Das war am 24. August 1940. Als Churchill daraufhin am nächsten Tag
wutentbrannt und gegen den Rat seiner Generäle Berlin – absichtlich –
bombardieren ließ, wurde Hitler seinerseits wütend und schlug erst jetzt mit
Bombardierungen Londons, Devons, Coventrys und anderer südenglischer Städte zurück.
Aber die Briten blieben trotz zehntausender Toter gelassen und sagten: „London
can take it“ (Das steckt London weg).
Die Kausalität dieser Ereignisse
wird in herkömmlichen Geschichtsdarstellungen verschleiert. Hier wird sie
einmal wahrheitsgetreu erzählt. Es wird fairerweise auch festgestellt, dass die
deutschen Messerschmids zu Beginn der „Battle of England“ im Juli und August
1940 zunächst nur „militärische Ziele“ in Südengland bombardierten und nicht,
wie die Alliierten am Ende des Krieges, als das Dritte Reich im Grunde schon
besiegt war, auch die Zivilbevölkerung treffen wollten.
In der französischen Dokumentation
von David Korn Brzoza wurde deutlich, wie stark die Deutschen nach dem
verlorenen Ersten Weltkrieg wieder waren und wie sie in den ersten Kriegsjahren
von Sieg zu Sieg „stürmten“. Hitlers Armee schien im Jahre 1940 „unbesiegbar“. Die
Welt hatte wieder Respekt vor Deutschland. In diesem Jahr wurde Winston
Churchill mit 65 Jahren zum ersten Mal zum britischen Premierminister gewählt.
Der Premierminister ist nun in seinem Element. „Er strotzt vor Energie. Die
Bulldogge ist zum Löwen geworden“, sagt der Kommentator des Films.
Churchill war der Architekt der
alliierten Allianz gegen Hitler-Deutschland. Er holte die Amerikaner mit
Roosevelt, die das Empire bereits seit Kriegseintritt mit Waffen und Munition versorgen,
und die Russen mit Stalin mit „ins Boot“, um dieses Deutschland nach fünf
mörderischen Jahren schließlich zu besiegen.
Sein Hass auf Deutschland, das ihm 1915 während des Ersten Weltkrieges
als Verbündeter des Osmanischen Reiches vor Gallipoli in den Dardanellen eine
vernichtende Niederlage beschert hatte, war grenzenlos. Er wollte Deutschland
„eine Lektion erteilen, die es und die Welt nicht mehr vergessen würde“, wie er
in einer Rede vor dem amerikanischem Kongress am 26. Dezember 1941, zwei Wochen
nach Pearl Harbour, formulierte. Diese
Drohung ist wahr geworden.
Im August 1942 reist Churchill
nach Moskau, um sich mit Stalin zu treffen. Auch ihn kann er überzeugen, eine „zweite
Front“, zunächst in Nordafrika (Operation „Torch“), zu eröffnen und die „Achsenmächte“
(Deutschland und Italien) dadurch „in die Zange zu nehmen“. Dadurch wird der
fähigste der deutschen Generäle, Feldmarschall Erwin Rommel, „gebunden“ und
kann nicht zur Ostfront wechseln, wo es vor Stalingrad zur ersten Niederlage
der sonst siegreichen deutschen Armeen kommt. Churchills Strategie geht auf.
Den jungen Churchill, der in der
Schule als faul und undiszipliniert auffiel, nennen seine Mitschüler nur „die
kleine Bulldogge“, was eigentlich sehr gut seinen Charakter beschreibt.
Bulldoggen sind Kampfhunde. Eine seiner Lehrerinnen soll gesagt haben: „Für
mich war er das boshafteste Kind der Welt.“ Das lässt tief blicken.
Sein Vater, Lord Randolf
Churchill, starb nach einem ausschweifenden Leben am 24 Januar 1895 mit 46
Jahren an Syphilis. Auch seine Mutter, eine Amerikanerin, amüsierte sich gern
und hatte sogar ein Verhältnis mit König Edward VII. Winston Churchill wird 90;
aber er stirbt am gleichen Jahrestag wie sein Vater, genau am 24. Januar 1964.
Er war allerdings die letzten Lebensjahre ein schwer kranker Mann, wie ich
einem Buch entnehme, das schon lange in meiner Bibliothek steht: Pierre
Accoce/Pierre Rentschnick, „Kranke machen Weltgeschichte“ (Ces malades qui nous
gouvernent), Editions Stock 1976, Econ-Verlag 1978, Moewig-Taschenbuch, 1981 (S
130 – 144).
In der Dokumentation erfahre ich,
dass es Churchill war, der bereits im Ersten Weltkrieg als Marineminister den
Flottenbau der Royal Navy forcierte (und zum Beispiel die gefürchtete „Dreadnought“
bauen ließ), der die Entwicklung der Royal Airforce (RAF) vorangetrieben hat,
der Panzer entwickelte, britische Radaranlagen installierte und schließlich
auch den britischen Geheimdienst MI6 ins Leben rief.
Es heißt in dem Film, dass Churchill
am 10. Mai 1940, dem Tag, an dem Hitler Belgien, Luxemburg und Holland angriff,
„seine Stunde gekommen“ sah, von der „er geträumt hatte“. „Er glaubt, nur für
diesen Augenblick gelebt zu haben“, sagt der Kommentator. Der Zweite Weltkrieg
ist für Churchill eine „persönliche Angelegenheit“ und „die Krönung seiner
Karriere“. Seine stärkste Waffe aber ist seine „Sprachgewalt, an der er seit
nunmehr vierzig Jahren feilt“. Dabei hat der Premier wie sein König Georg VI
einen Sprachfehler. Er lispelt. Darüber spricht der Film aber nicht.
Rudolf Steiner sagt einmal in
seinen Karma-Betrachtungen, dass Menschen, die in einem früheren Leben viel
gelogen haben, mit einem Sprachfehler in die nächste Inkarnation treten würden.
Das würde zu Winston Churchill passen.
Berühmt ist in diesem Zusammenhang
auch seine Rede an die britische Regierung und an das britische Volk, die in
dem Film im Originalton zu hören ist: Er habe dem britischen Volk nichts
anderes zu bieten, als „Blood (Blut), Toil (Mühsal), Tears (Tränen) and Sweat
(Schweiß)“. Der Höhepunkt seiner Rede beschwört dreimal den „Sieg um jeden Preis“ als einziges
Kriegsziel, und der Agnostiker Churchill schämt sich nicht, sogar Gott auf
Englands Seite in seinen Kampf gegen die „Schlimmsten Verbrecher der
Menschheitsgeschichte“ einzubeziehen. Churchill wird in einer Wochenschau nach
dem D-Day (06.05.1944) „The Architect of Victory“ genannt. Bekannt ist auch das
zur Ikone geronnene Bild Churchills, das ihn zeigt, wie er mit Daumen und
Zeigefinger das „V“ macht, das Victory-Zeichen. Manche haben sich schon
gefragt, ob das nicht vielmehr eher ein okkultes „Satanssymbol“ ist.
Winston Churchill, der seit
frühen Jahren unter Depressionen leidet, braucht die Herausforderungen durch
den Krieg und durch den Feind, um „glücklich“ zu sein. Das gibt seinem Leben
einen Sinn. Als er 1945 abgewählt wird, fällt er zurück in seine Depressionen. Der
Mann isst gerne gut, raucht unzählige Havanna-Zigarren und liebt den Whisky. Am
Tag nach seiner Kongress-Rede in Washington hat er eine Herz-Attacke. Er zwingt
seinen Arzt, Lord Maron, die „Schwäche“ geheim zu halten, um das eben
beschworene Bündnis mit den USA nicht zu gefährden.
Auch der engste Berater von
Präsident Roosevelt, Harry Hopkins, der den Kontakt zwischen den beiden
Staatsmännern hergestellt hatte, war ein kranker Mann. Ihm wurde bereits 1939
ein Teil des Magens entfernt, weil er Krebs hatte. Der in erster Ehe mit der
Jüdin Ethel Gross verheiratete Hopkins starb bereits am 29. Januar 1946 mit 55
Jahren.
Der Kettenraucher Franklin Delano
Roosevelt (FDR) war ihm am 12. April 1945, noch vor dem Ende des Zweiten
Weltkrieges, mit 63 Jahren vorausgegangen.
Zwei Monate zuvor, am 11. Februar
1945, hatte der amerikanische Präsident zusammen mit dem britischen
Premierminister und dem sowjetischen Diktator Josef Stalin im Rokoko-Palast von
Jalta auf der Krim den Vertrag unterzeichnet, der die Nachkriegsgeschichte
Europas bis 1989 bestimmen sollte. Die ganze Welt wurde in „Einflusssphären“
aufgeteilt, in den Ostblock und in den Westblock. Das Britische Empire war
bedeutungslos geworden. Nun gab es nur noch zwei Supermächte auf dem Planeten,
die sich die Welt teilten.
Es war der Brite Winston
Churchill, der die Grenze zwischen den beiden Blöcken, die mitten durch das
geteilte Deutschland und dessen ehemalige Hauptstadt ging, zum ersten Mal im
März 1946 in einer Rede an der Universität von Fulton/Missouri als „Iron
Curtain“ (Eiserner Vorhang) bezeichnete, der von „Stettin in the Baltic“ bis
nach „Triest in the Adriatic“ die kommunistische von der „freien“ Welt trennen
würde.
Aber seine Depressionen („the
black dog“) holten Churchill nach dem Sieg über Nazi-Deutschland und vor allem
nach der verlorenen Parlaments-Wahl am 25. Juli 1945 wieder ein. Er möchte „sterben
wie Roosevelt“. Sein Leben empfindet er „als Hölle“. In seiner Ehe ist er „nur
noch gereizt“. Seine Frau Clementine schreibt in einem Brief an ihre Tochter
Mary: „Anstatt uns gegenseitig zu stützen, streiten wir ständig. Er ist so
unglücklich.“
Der beginnende Zerfall des „Empires“
trägt zu seiner schlechten Stimmung bei. Er kann nicht ertragen, dass die nun
regierende Labourpartei 1948 der Unabhängigkeit Indiens zustimmt.
Nachdem er 1951 noch einmal zum
Premierminister gewählt worden ist, dankt Winston Churchill am 4. April 1955
endgültig ab. Später resigniert er auch im Leben und sagt: „Ich habe so viel
getan, um letztendlich nichts zu tun.“ Auch muss er erleben, wie seine Familie
zerfällt. Das bedrückt ihn sehr: Sein ältester Sohn Randolph, ein „Schürzenjäger“,
trinkt zu viel und macht beim Spiel Schulden, auch seine Tochter Sarah „macht
mehr durch Alkoholexzesse von sich reden als durch Schauspielerei“, seine
zweite Tochter Diana „hat sich während einer sehr tiefen Depression das Leben
genommen“. „Nur die jüngste Tochter Mary scheint ihr Leben zu meistern und
kümmert sich um ihre Eltern“.
Dass dieser Staatsmann von
manchen heute noch verehrt wird und als ein Genie in die Geschichte eingegangen
ist, verwundert mich. Aber ich verstehe es jetzt besser.
[1]
Im Film heißt es allerdings verschleiernd dazu: „Als Hitler sechs Monate später
Polen überfällt, treten Frankreich und England in den Krieg ein“ (Minute 40).
Das ist die übliche Halbwahrheit, mit der die Geschichte „verdreht wird“.
Frankreich und England sind nicht in einen schon begonnenen Krieg eingetreten,
sondern haben den Krieg „erklärt“. Der „Überfall“ Polens durch Hitler war ihnen
der willkommene Anlass. Diese Kriegserklärung wird auch in dem tendenziösen
Film über den britischen König Georg VI., „The King’s Speech“ aus dem Jahre
2010 thematisiert, den ich erst vor ein paar Wochen (am 06. Mai) zum ersten Mal
sah (bei einem Themenabend auf 3SAT („Adel verpflichtet“).
Ich glaube nicht an Zufälle
(eigentlich habe ich noch nie daran geglaubt).
Gestern hatte ich den Versuch
einer Antwort auf die Frage, ob mein Denken „antisemitisch“ sei, weil ich für die
Argumente mancher sogenannter „Antisemiten“ ein gewisses Verständnis aufbringe
und mich zumindest auf sie einlasse, ohne sie von vorneherein mit einem „Schlagwort“
abzustempeln, wie es heute unter den politisch Korrekten üblich ist, zu denen
ich mich NICHT zähle, in meinen „Kommentaren zum Zeitgeschehen veröffentlicht, als
ich „zufällig“ in den scheinbar unendlichen Weiten des Internets auf einen Film
von Joachim Schröder mit dem Titel „Germany made in USA“ stoße.
Ich weiß nicht, ob das auch nur
so ein „antisemitisches Machwerk“ ist, wie es von den „Konsens-Deutschen“ schnell
abgetan wird. Bei einer ersten Nachforschung werden mir aber die wesentlichen
Fakten, die der Film aufzeigt, bestätigt. Es geht um die „Umerziehung“ (Reeducation)
der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg.
Diese Umerziehung wurde
offensichtlich vom amerikanischen Geheimdienst CIA koordiniert. Der
Hauptverantwortliche war damals ein gewisser Frank Wiesner. Die Aktion firmierte
unter dem Code-Name „Pocketbook“ (Taschenbuch).
Es wurden damals mit Geldern der
CIA die Amerika-Häuser in den nach der Zerstörung wiederaufgebauten deutschen
Hauptstädten eingerichtet, in denen sich die Deutschen „unzensierte“ Bücher
ausleihen und Vorträge über das neue demokratische Vorbild USA anhören konnten.
Es wurden deutsche Intellektuelle gefördert, die in der von der CIA
finanzierten Monatszeitschrift „Der Monat“ publizieren durften. Es wurden
Gewerkschaftsfunktionäre finanziell unterstützt, damit sie sich klar gegenüber
dem Kommunismus absetzten. Es wurde mit dem RIAS Berlin ein amerikanischer
Sender in Deutschland installiert, der den „freien“ Westen gegen den kommunistischen
Osten verteidigen sollte. Und es wurden schließlich sogar deutsche Politiker wie
Konrad Adenauer und später auch Willy Brand „umworben“.
Die größte Angst der Amerikaner
war offenbar, dass das Nachkriegsdeutschland (wie Österreich oder die Schweiz)
neutral werden würde. Die Bundesrepublik sollte fest in das „nordatlantische
Verteidigungsbündnis“, die von den USA dominierte NATO, eingebunden werden. Auch
wollten jene Kreise verhindern, dass sich West- und Ostdeutschland
wiedervereinigten.
Das alles war nicht ganz neu für mich,
weil ich mich immer wieder mit den „verdeckten Aktionen“ der CIA in der ganzen
Welt beschäftigt habe. Das muss man tun, wenn man wirklich etwas von der Geschichte der Nachkriegszeit verstehen möchte. Auch der "neue" Blick auf die Geschichte Deutschlands, wie man ihn in den historischen Standardwerken,
zum Beispiel in der mehrbändigen „Deutschen Geschichte“ aus dem Propylen-Verlag,
hier vor allem in den letzten Bänden, vorfindet, ist offensichtlich vom „United
States Information Service“ der CIA gelenkt worden.
Was mich nun besonders verwundert
hat und was ich bisher noch nicht wusste, ist, dass in diesen Zusammenhängen auch
einige Angehörige der jüdischen Gemeinschaft eine wichtige Rolle spielten. Neben
den Reuther-Brüdern (Victor und Walter), die sich besonders um die deutschen
Gewerkschaften und die SPD-Politiker kümmerten, waren das vor allem Marvin J. Larsky
und Jay Lovestone.
Über all diese Akteure kann man auf
Wikipedia viel Interessantes erfahren, besonders über den letztgenannten,
seitdem Ted Morgan im Jahre 1999 über ihn unter dem Titel „A Covert Life“ eine
Biographie veröffentlicht hat.
Ich will hier nicht weiter auf
Einzelheiten eingehen und auch nicht eine neue „Verschwörungstheorie“
aufstellen. Aber wenn ich feststellen muss, welchen Einfluss in den Fünfziger
und Sechziger Jahren ausgerechnet Juden auf die „Gestaltung“ Deutschlands hatten,
dann wundert es mich nicht mehr, wenn es heute immer mehr Menschen gibt, die
von einer „jüdischen Weltverschwörung“ sprechen. Ich gehöre nicht dazu, aber
ich habe für diese Ansicht ein gewisses Verständnis.
Allerdings bleibe ich nicht dabei
stehen, sondern versuche als Anthroposoph, die tieferen, geistigen Hintergründe
für solche „Konstellationen“ herauszufinden.
Kennst Du das Land, wo die Kanonen blühn?
Du kennst es nicht? Du wirst es kennenlernen!
Dort stehn die Prokuristen stolz und kühn
in den Büros, als wären es Kasernen.
Dort wachsen unterm Schlips Gefreitenknöpfe.
Und unsichtbare Helme trägt man dort.
Gesichter hat man dort, doch keine Köpfe.
Und wer zu Bett geht, pflanzt sich auch schon fort!
Wenn dort ein Vorgesetzter etwas will
- und es ist sein Beruf etwas zu wollen -
steht der Verstand erst stramm und zweitens still.
Die Augen rechts! Und mit dem Rückgrat rollen!
Die Kinder kommen dort mit kleinen Sporen
und mit gezognem Scheitel auf die Welt.
Dort wird man nicht als Zivilist geboren.
Dort wird befördert, wer die Schnauze hält.
Kennst Du das Land? Es könnte glücklich sein.
Es könnte glücklich sein und glücklich machen.
Dort gibt es Äcker, Kohle, Stahl und Stein
und Fleiß und Kraft und andre schöne Sachen.
Selbst Geist und Güte gibt's dort dann und wann!
Und wahres Heldentum. Doch nicht bei vielen.
Dort steckt ein Kind in jedem zweiten Mann.
Das will mit Bleisoldaten spielen.
Dort reift die Freiheit nicht. Dort bleibt sie grün.
Was man auch baut - es werden stets Kasernen.
Kennst Du das Land, wo die Kanonen blühn?
Du kennst es nicht? Du wirst es kennenlernen!
1928
Erich Kästner (1899 – 1974), der deutsche Schriftsteller, der
besonders durch seine Kinderbücher und seine humoristischen Gedichte bekannt geworden ist, hat im Jahre 1928, also
während der Weimarer Republik, ein eher untypisches Antikriegsgedicht mit dem
Titel „Kennst du das Land, wo die Kanonen blühen?“ verfasst, das ich in
folgendem Aufsatz interpretieren werde.
Das Gedicht besteht aus sieben Strophen mit jeweils vier
Versen.
Die Schlüsselwörter in der ersten und in der letzten Strophe
sind die gleichen: „Kanonen“ (I,1 und VII, 3) und „Kasernen“ (I,4 und VII,2).
In der ersten Strophe erinnern die Büros in diesem Land, das im ganzen Gedicht
nicht genannt wird, also anonym bleibt, an Kasernen und die Prokuristen, „stolz
und kühn“ (I,3), die gewöhnlich eher sitzen, hier aber „stehn“ (I,3), an
militärische Befehlshaber, ja an Generäle. In der letzten Strophe wird
behauptet, dass alles, „was man“ in
diesem Land „auch baut“ (VII,2) also nicht nur die Büros, „stets Kasernen (…) werden“
(VII, 2). Es ist also eine deutliche Steigerung von der Aussage in der ersten bis
zur Aussage in der letzten Strophe. Damit ist auch schon das Thema des Gedichts
ausgesprochen. Es geht um Militär und Militarismus.
Die mittlere, also die vierte Strophe, die das Gedicht inhaltlich
deutlich in zwei Teile gliedert, handelt von den „Kindern“ (IV,1), die in
diesem Land geboren werden. Auch dabei wird wieder das Militärische betont,
denn die Kinder werden nicht als „Zivilisten“ (IV,3) geboren, sondern kommen
„mit kleinen Sporen (…) auf die Welt“ (IV, 1+2), also als Mitglieder der
berittenen Einheit, der Kavallerie. Das ist natürlich übertrieben und nur im
metaphorischen Sinne gemeint. Die „gezognen
Scheitel“, die sie ebenfalls mitbringen, wenn sie auf die Welt kommen, erinnern
fatal an den Ausdruck „gezogne Säbel“. Das Gedicht will sagen, schon die Babys
in diesem Land seien geborene Militaristen.
Natürlich werden die Kinder in Wirklichkeit auch in diesem
Land nicht mit Sporen an den Füßen geboren. Aber es ist eben ein Bild, genauso
wie die „unsichtbaren Helme“ (II,2) und die „Gefreitenknöpfe“ die „unterm
Schlips (…) wachsen“ (II,1) in der zweiten Strophe. Die Menschen, die in diesem
Land leben, sind offenbar vom „Scheitel“ (IV,1) bis zu den Füßen (IV,1) auf
Militär geeicht. Denkende „Köpfe“ (II,3) haben diese Menschen offenbar nicht,
wie die zweite Strophe weiter unterstellt, sondern nur „Gesichter“ (II,3).
Dieser Gedanke wird in der dritten Strophe wiederum
gesteigert, indem gesagt wird, dass die „Vorgesetzten“ in diesem Land es am
liebsten hätten, wenn „der Verstand“ der Untergebenen „erst stramm und zweitens
still“ (III,3) stünde. Am besten wäre es, wenn sie sich nicht einmal dagegen
wehren würden, sondern wie beim Militär die Befehle „Augen rechts“ (III,4) und
„Schnauze“ halten (IV,4) ohne
Widerspruch befolgen würden. Dass dazu kein „Rückgrat“ benötigt wird, kann man
ebenfalls der dritten Strophe (III,4) entnehmen. Der aufrechte Gang ist in
diesem Land nicht gefragt.
Dabei hat dieses Land alles, um seine Bewohner „glücklich zu
machen“ (V,3), wie es in der fünften Strophe heißt, die den zweiten Teil des
Gedichtes einleitet, der nach dem negativen nun auch ein positives Bild von dem
Land zeichnet. „Dort“ gibt es nämlich „Äcker, Kohle, Stahl und Stein/ und Fleiß
und Kraft und andre schöne Sachen“ (V,3 + 4).
Also nicht nur materielle Güter und die bürgerliche Tugend
des „Fleißes“ gibt es, sondern neben der „Kraft“ auch noch „Geist“ und „Güte“
(VI,1), wie uns die nächste Strophe beteuert. Allerdings nur „dann und wann“
(VI,1) und „nicht bei vielen“ (VI,2), wie das Gedicht gleich einschränkend
anmerkt. Das Gedicht verweist sogar auf das „wahre Heldentum“ (VI,2), das aber
nichts mit Militarismus zu tun hat. Das falsche Heldentum zieht das Gedicht ins
Lächerlich-Kindische, wenn es davon spricht, dass die Männer dieses Landes am
liebsten wie Kinder „mit Bleisoldaten spielen“ wollen.
Dadurch greift das Gedicht das zentrale Motiv der vierten
Strophe wieder auf und kehrt es um. In der Mitte des Gedichtes ist von den
Kindern die Rede, die schon als Soldaten geboren werden, in der sechsten
Strophe von den Erwachsenen, die wie Kinder werden, die mit Bleisoldaten
spielen.
Aber auch hier wird einschränkend konstatiert, dass dies in
jenem Land ja „nur“ bei „jedem zweiten Mann“ (VI, 3) der Fall ist. Das ist
aber, wenn man genau rechnet, genau die Hälfte aller Männer. Mit dieser
versteckten Ironie relativiert Erich Kästner in seiner bekannten Weise den
Inhalt der zweiten Hälfte (fünfte und sechste Strophe) seines Gedichtes, welche
die positiven Aspekte jenes Landes andeutet. Der streng symmetrische Aufbau des
Gedichtes bekommt dadurch „Schlagseite“. Die „Militaristen“ sind in dem Land
offensichtlich in der Mehrheit gegenüber den wenigen „Pazifisten“. Deshalb kann
in diesem Land auch nicht „die Freiheit“ reifen (VII,1), wie in der letzten
Strophe resignierend festgestellt wird.
Das Gedicht ist also streng gegliedert in einen Rahmen (erste
und siebte Strophe), in eine Mittelachse (vierte Strophe) und in zwei
antithetische Teile, die jeweils aus zwei Strophen bestehen (Strophen zwei und
drei und Strophen fünf und sechs). Die formale Strenge des Gedichts drückt sich
auch aus in dem konsequenten Kreuzreim nach dem Schema abab mit abwechselnd
männlichen und weiblichen Kadenzen.
Die Form des Gedichtes entspricht also dem Inhalt und damit
gleichzeitig dem Wesen des Militärs, wo es auf Ordnung und Perfektion ankommt.
Dieses Ordnungsschema wird in der mittleren Strophe geschickt angedeutet, wo
von dem „gezognem Scheitel“ (IV,2) die Rede ist, mit dem die Kinder dieses
Landes geboren würden. Das ist natürlich eine ironische Übertreibung, weil die
meisten Kinder in Wirklichkeit haarlos, geschweige denn mit „gezognem Scheitel“
auf die Welt kommen. Aber dieses Bild des „Scheitels“ ist ein Bild der Ordnung.
Hiermit wird angezeigt, dass das zunächst wild wachsende Haar durch die
ordnungsliebenden Eltern gebändigt wird. Es dürfte kein Zufall sein, dass der
Autor die Metaphern des „Wachsens“ (II,2), „Blühens“ (I,1 und VI, 3) und
„Reifens“ (VII,3), die er aus der Natur entlehnt, durchgängig in seinem ganzen
Gedicht verwendet. Auch der Ausdruck, „bleibt grün“ (VII,1), der in der letzten
Strophe vorkommt, gehört in diesen Bildzusammenhang.
Eine gewisse Verfremdung entsteht dadurch, dass er den Begriff
des „Blühens“ schon im Titel des Gedichtes mit „Kanonen“ in Verbindung bringt.
Das passt doch gar nicht, will man als Leser sofort einwenden. Erich Kästner
bezieht sich dabei auf ein in Deutschland seiner Zeit sehr bekanntes
Goethe-Gedicht, das die Sehnsucht der Deutschen nach dem südlichen Italien
thematisiert: „Mignons Lied“ aus „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ beginnt mit der
Zeile „Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn?“ Dieses Gedicht dient Kästner
gleichsam als Blaupause für sein eigenes Gedicht. Mit diesem Gedicht im
Hintergrund stellt er gleichsam die Frage: Was ist aus dem Land geworden, in
dem einmal solch berühmte Gedichte das Bildungsbürgertum erfreuten. Wieso hat
sich die Kulturnation des 18. Jahrhunderts in das militaristisch geprägte Land
der Gegenwart verwandelt?
Natürlich meint Kästner mit dem Land, das er im Gedicht nur
mit dem Adverb „dort“ näher bezeichnet, Deutschland, ja das Deutschland der
Zwanziger Jahre, das bereits absehbar auf die Barbarei des Dritten Reiches
zusteuert. Italien, das Land, auf welches das Goethe-Gedicht anspielt, ist zu
dieser Zeit schon ein faschistisches Land (seit 1925). Die zweimal gestellte
Frage, „Du kennst es nicht?“ ist in Wirklichkeit gar keine Frage, sondern eine
Aufforderung, genau hinzuschauen. Wenn der Leser das anhand des Gedichtes tut,
dann wird er das Land schon kennenlernen.
So klingt der letzte Satz gleichsam wie eine Aufforderung,
die einen drohenden Unterton hat: Schau nur hin, wo sich in diesem Land überall
Anzeichen des wachsenden Militarismus zeigen, dann wirst Du schon merken,
welches das Land ist, in dem die „Kanonen blühn“.
Es ist gut, dass Kästner das Land nicht mit Namen nennt,
sondern die Frage offen lässt. Dadurch bleibt das Gedicht auch heute noch
aktuell, denn es kann jedes Land gemeint sein, in dem Militarismus herrscht. Die
Aufforderung, das Land kennenzulernen, „in dem die Kanonen blühn“, ist auch
heute noch notwendig. Leider aber verschließen auch in der Gegenwart immer noch
allzu viele Menschen die Augen vor den warnenden Signalen. Diese gibt es zum
Beispiel in den Beziehungen zwischen Amerika und Russland, so, dass der
russische Ministerpräsident bei der letzten Münchner Sicherheitskonferenz (am 13.02.2016)
schon vor einem „neuen kalten Krieg“ warnte, der schnell zu einem heißen werden
kann, wenn die NATO in den einstigen Staaten des Warschauer Paktes, also an der
unmittelbaren Grenze zu Russland, immer öfters Manöver durchführt und die
militärischen „Muskeln spielen“ lässt.
Wenn jetzt Teile des deutschen
Volkes gegen die bisherige Politik protestieren und angesichts der von ihnen
befürchteten „Überfremdung“ Deutschlands durch knapp zwei Millionen vorwiegend muslimischer Flüchtlinge
zu einem neuen Nationalstolz finden möchten, dann ist das nur ein Symptom
dafür, dass das Volk ein Gespür dafür hat, dass es in wesentlichen Fragen von
den Politikern, den Historikern und vor allem von den Medien „an der Nase
herumgeführt“ wurde und wird. Immer mehr Menschen sind misstrauisch geworden,
was die offizielle Politik und das gängige Narrativ der deutschen Befindlichkeit
anbelangt. All diese Menschen, die in Deutschland einer neuen Partei wie der AfD
oder in Österreich der FPÖ nahestehen oder sie aus welchen Gründen auch immer
gewählt haben, als Rechtspopulisten oder gar als „Rechtsextreme“ zu bezeichnen,
greift zu kurz. Das sind Schlagwörter, die die Wirklichkeit unzutreffend
beschreiben. Aber es scheint die derzeit in den Medien gängige „Sprachregelung“
zu sein, indem man ständig von den „rechtspopulistischen“ Parteien AfD und FPÖ
sprechen hört.
Wenn die AfD Ende April auf ihrem
Parteitag in Stuttgart demokratisch darüber abgestimmt hat, dass der Islam
ihrer Meinung nach nicht zu Deutschland gehöre, dann ist das weder
verfassungsfeindlich, noch rassistisch.
Es ist eine legitime Meinung. Wenn der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime,
Aiman Mayzeck (geboren 1969 in Aachen), der sich am vergangenen Montag (23.05.2016,
67. Jahrestag der Veröffentlichung des Grundgesetzes) in einem Berliner Hotel
zu einem Gespräch mit Frauke Petry getroffen hat, die AfD in die Nähe des
Dritten Reichs und der Nationalsozialisten rückt und davon spricht, dass er
sich durch diese Partei an die „dunkelste Seite unserer (sic!) Geschichte“ erinnert fühlt, dann kann ich mich nur
noch wundern, wie weit es im freiheitlichsten Land der Welt, der Bundesrepublik
Deutschland, gekommen ist.
Ich habe die Meinung des
ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff, die er 2010 zum Tag der Deutschen
Einheit in einer Rede geäußert hat, dass der „Islam inzwischen zu Deutschland
gehöre“ im Gegensatz zu unserer Bundeskanzlerin (im Januar 2015) nie
übernommen. Ich habe nichts dagegen, dass die hier lebenden und arbeitenden
Muslime inzwischen zu Deutschland gehören, aber der Islam als Religion und als
Gesellschaftsform ist nach allem, was ich bisher darüber erfahren habe, nicht
kompatibel mit dem Christentum und unserem Grundgesetz. Der Islam als Religion
ist für mich wie jede andere Religion Privatsache und darf die öffentliche
Ordnung nicht tangieren. Wegen mir dürfen die gläubigen Muslims Moscheen und
Minarette bauen, aber den Ruf des Muezzins in unseren Städten lehne ich
entschieden ab, zumal dann, wenn er aus einem Lautsprecher kommt. Außerdem
lehne ich die Behandlung der Frauen in manchen muslimischen Familien ab, wenn
sie sich auf den Koran stützt. Deswegen bin ich kein Menschenfeind und auch
kein intoleranter Mensch. Ich finde durchaus, dass wir Bürger das Recht haben,
unsere abendländisch-christliche Kultur zu verteidigen. Solch eine Äußerung des
ehemaligen Bundespräsidenten am Tag der Deutschen Einheit ist dabei kontraproduktiv.
Und wenn immer mehr Politiker und Journalisten diese Meinung übernehmen und bei
jeder Gelegenheit äußern, dann wird diese Meinung noch lange nicht „Gesetz“.
Sie bleibt in einer pluralistischen Gesellschaft eine Meinung unter anderen.
Ich bin anderer Meinung. Die AfD ist anderer Meinung. Wieso ist sie deswegen
„rechtspopulistisch“? Solche in den Medien verbreiteten (Vor-) Urteile sind es,
die viele Bürger dieses Landes erzürnen.
Die Gemütsseele
Ich weiß, dass viele Menschen,
auch in Deutschland, vor allem noch aus ihrer Gemütsseele heraus sprechen und
handeln. Vielleicht ist das der Grund, warum man Menschen, die ihren Gefühlen
in Pegida-Demonstrationen, im Fußballstadium oder beim Oktoberfest freien Lauf
lassen, nicht ganz ernst nehmen kann. Diese Menschen artikulieren ihre Wut,
geben ihrer Freude über “ihren“ Verein Ausdruck oder feiern ihre
„Gemütlichkeit“.
Ich denke, dass viele Anhänger
der AfD zu dieser Gruppe von Menschen zu rechnen sind. Diese Menschen sind
manipulierbar. Vielleicht ist das die Erklärung, warum man diese Partei als
„populistisch“ bezeichnet. Auch die NSDAP hat an die Gefühle des Volkes
appelliert, ja hat Teile des Volkes sogar „aufgehetzt“, zum Beispiel gegen die
Juden. Das ist inakzeptabel und widerspricht einem humanistisch-christlichen
Menschenbild. Wenn extremer Nationalismus ein Kennzeichen „rechter“ Parteien
ist, dann bin ich nicht „rechts“. Ich lehne jede Form von Nationalismus ab. Was
ist aber mit dem Nationalstolz? Der Stolz, die „superbia“, ist in der
christlichen Tradition die größte „Sünde“. Ich bin froh, dass die Deutschen
diesen Nationalstolz abgelegt haben und durch das Desaster des Zweiten
Weltkrieges und seine Verstrickung in ihn mehrheitlich „demütig“ geworden ist.
Die Verstandesseele
Begriffe wie Nationalismus,
Populismus, Rassismus oder Faschismus, die heute in den Medien inflationär
gebraucht werden, müssen scheinbar gar nicht mehr hinterfragt werden. Jeder scheint
verstanden zu haben, was damit gemeint ist. Die Verstandesseele gibt sich mit
solchen Schlagwörtern zunächst zufrieden, wenn sie nur immer wieder in den
Medien in ein bestimmtes Licht gerückt werden. Wie schnell ist man dann dabei,
mit bestimmten Gruppen in unserer Gesellschaft nicht mehr sprechen zu wollen,
wie kürzlich nach dem abgebrochenen Gespräch der Vorsitzende des Zentralrats
der Muslime und die Vorsitzende der AfD, oder im Augenblick die Katholiken in
Leipzig, die keine Reden von AfD-Funktionären auf dem 100. Kirchentag haben
wollen, obwohl jeder „über“ diese neue Partei und ihre Erfolge bei den drei
zurückliegenden Landtagswahlen spricht.
Die Verstandesseele im besten
Sinn des Wortes definiert sauber, hinterfragt und diskutiert gerne. Aber in
unserem Land scheint die Verstandesseele degeneriert zu sein. Nur sehr wenige
unterziehen sich der Mühe, Inhalte zu überprüfen. Von Peer-Gruppen oder
Mainstream-Medien vorgegebene Meinungen einfach zu übernehmen und
„nachzuplappern“ ist viel bequemer, als Fakten zu recherchieren und von
mehreren Seiten zu beleuchten, ohne sich vorschnell festzulegen.
Der Satz „Der Islam gehört zu
Deutschland“, der heute kolportiert wird, wird aus dem Zusammenhang gerissen
und ideologisch missbraucht. Christian Wulff hatte das Wörtchen „inzwischen“
hinzugefügt und wollte dadurch andeuten, dass inzwischen so viele Muslime in Deutschland leben, dass wir
Deutschen sie nicht mehr ignorieren können. Und damit hat er recht. Wir Deutschen
sind gut beraten, wenn wir uns mit dieser Religion beschäftigen, um unsere
muslimischen Mitmenschen besser zu verstehen. Aber auch die Muslime sind gut
beraten, wenn sie sich, wie in den Integrationskursen gefordert und
praktiziert, mit der europäischen Kultur auseinandersetzen. Diese Beschäftigung
kann für beide Seiten bereichernd sein. Es muss nicht zu einem „Kampf der
Kulturen“ dabei kommen, sondern es kann im besten Fall ein „Austausch zwischen den Kulturen“
stattfinden. Jede Kultur entwickelt sich weiter, keine Kultur kann es sich
leisten „stillzustehen“. „Stillstand ist Rückschritt“. Das gilt sowohl für die
orientalische Kultur, die seit 1500 Jahren vom Islam geprägt ist, als auch für
die abendländische Kultur, deren Wurzeln in Jerusalem, Athen und Rom zu suchen
sind. Der Islam muss sich weiterentwickeln. Und auch das Christentum muss sich
weiterentwickeln.
Ein Karl Martel oder ein Prinz
Eugen mussten die Streiter des Propheten Mohamed noch mit dem Schwert abwehren.
Heute werden ihre Nachkommen „willkommen“ geheißen, denn sie sind selbst vor
den „Schwertern“ geflohen, die ihre Länder verwüsten. Es ist eine ganz andere
Situation. Deutschland hat aus seiner Geschichte gelernt: Während des Dritten
Reiches konnten politische Flüchtlinge in anderen Ländern nur schwer Asyl
erlangen. Heute dürfen politisch Verfolgte anderer Länder in Deutschland Asyl beantragen.
Das ist so lange in Ordnung, solange unser Recht nicht von Menschen ausgenützt
wird, die nur hierher kommen, um auf Kosten der deutschen Steuerzahler „besser“
leben zu können. Dafür wurde das Asylrecht nicht geschaffen. Aber auch die
Aufgabe, die wirklich Asylberechtigten von den Asylbetrügern zu unterscheiden,
ist eine Aufgabe, die die Verstandesseele der Behördenvertreter extrem fordert.
Viele sind damit überfordert. Auch hier gibt es keine „bequeme Lösung“.
Dass immer mehr Menschen in
Europa den Politikern misstrauen und ihnen die Bewältigung des Problems nicht
zutrauen, ist verständlich. Dass aber auf der anderen Seite eine Welle der
Hilfsbereitschaft bei tausenden Ehrenamtlichen durch unser Volk geht, darf
dabei auch nicht vergessen werden. Die Welt ist nicht „schwarz-weiß“, wie es
unser sezierender Verstand manchmal so gerne hätte.
Die Bewusstseinsseele
Ich denke, die meisten Menschen
handeln immer noch vorwiegend aus ihren Gefühlen heraus, manche sogar von ihren
Empfindungen her. Empfindungen sind „Gefühle“ wie Hunger oder Lust. Wenn ich in
einem Supermarkt bin und die Menschen beobachte, so erlebe ich all diese „Wünsche“,
die auch noch durch die Werbung und die vielen Angebote herausgelockt werden. Die
Verkaufspsychologen „steuern“ die Konsumenten geschickt durch das Labyrinth der
„schönen neuen Warenwelt“ und führen sie schließlich an die Kasse, wo sie ihre
Wünsche teuer bezahlen müssen. Dass sie in Wirklichkeit betrogen wurden und nur
wertlosen „Müll“ eingekauft haben, der ihre Gesundheit und ihr Gewissen
ruiniert, merken die in einem Trancemodus agierenden Käufer nicht.
Jeder Mensch hat neben seiner
Empfindungsseele auch eine Gemüts- und eine Verstandesseele. Diese exakte „Einteilung“
der Seele entnehme ich der „Theosophie“ (Berlin 1904) von Rudolf Steiner. Die
Menschen können, wie beschrieben, aus der Empfindungsseele heraus handeln, aber
auch aus der Gemütsseele heraus, wenn sie zum Beispiel ihren Gefühlen (nach
Vivian Dittmar: Angst, Wut, Freude, Scham und Trauer) Ausdruck verleihen wollen.
Sicher gibt es auch Menschen, die aus dem Verstand heraus handeln und das tun,
wozu sie ihre Einsicht geführt hat. Das ist aber leider noch die Minderheit.
Bei den meisten Menschen herrscht aber ein unbewusstes Konglomerat aus allen
drei Seelenebenen vor.
Die höchste Stufe erreicht
derjenige, der aus der Bewusstseinsseele heraus zum Handeln gelangt. Das ist
der, der sich über seine Empfindungen, Gefühle und Einsichten Rechenschaft
ablegen kann, der also bewusst mit ihnen umgehen kann. Das sind die wenigsten.
Plato nannte sie die „Philosophen“, die „Liebhaber der Weisheit“ und er meinte („Politeia
– der Staat“), diese sollten eigentlich den Staat regieren. Philosophen sind
immer in der Minderheit. Aber sie „wissen“ in der Regel, was „richtig und
falsch“ (Logik), was „gut und böse“ (Ethik) und was „schön und hässlich“ (Ästhetik)
ist.
Um diese Einsichten zu erlangen,
reicht der Verstand nicht aus. Hierzu ist die Vernunft nötig, die höchste
Fähigkeit des Menschen. Was ist der Unterschied? Mit dem Verstand kann ich
einzelne Ereignisse, Informationen, Wörter verstehen. Mit der Vernunft kann ich
dagegen größere Zusammenhänge begreifen. Das ist das Dilemma unserer Zeit:
jeder Mensch hat heute Zugang zu der Fülle des menschlichen Wissens. Wir können
durch das Internet alle Informationen bekommen, die wir wollen. Durch unsere
Schulbildung sind wir auch in der Lage, das meiste zu verstehen. Aber auch wenn
wir meinen, etwas verstanden zu haben, fehlt uns noch das geistige Band, das
uns aufzeigt, wie alles miteinander zusammenhängt. Erst mit dem Blick der
Bewusstseinsseele wird die Welt bunt, mit dem Blick der Verstandesseele bleibt
sie schwarz, rot oder grün und mit dem Blick der Gemütsseele braun.