Samstag, 1. Juli 2017

Nachdenken über Homosexualität - meine Meinung dazu

Gott sei Dank versteht Lena mich.
Allerdings hat das auch wieder einen Haken. Ich habe ja nichts gegen Homosexuelle, wie die meisten russischen Machos. Ich finde nur, dass jene ihre Eigenart nicht immer an die große Glocke hängen müssen. Ich möchte keine „Gay-Paraden“ am „Christopher-Street-Day“ sehen. Aber das tue ich auch nicht. Ich gehe nicht hin und wenn es mir in der Tagesschau aufgedrängt wird, höre und schaue ich nicht hin. Solche Bilder sind nicht nach meinem Geschmack. Ich mag nicht einmal die Wörter „schwul“ oder „Lesben“. Das verletzt mein Sprachempfinden. Jugendliche, die –  bei manchen Lehrern sogar im Unterricht –  in jedem zweiten Satz unwidersprochen Fäkalwörter oder Wörter aus dem Sexualbereich benutzen, sind natürlich abgestumpft, wenn sie in die Welt hinausgehen und bei ihrer hässlichen „Jugendsprache“ verharren.
Wir bekommen heute durch die Privatsender täglich solche ungenießbare Kost vorgesetzt.
Am Freitagabend sah ich auf 3SAT in der Reihe „die story“ eine Dokumentation über den Tourismus in der Türkei und in Frankreich nach den Terroranschlägen. In den beiden Ländern stehen die – absolut hässlichen – Hotelburgen zurzeit leer. Dafür boomt der „Tourismus“ auf Mallorca.
Ich sah in der Dokumentation eine Gruppe junger deutscher Männer, die sich um einen beleibteren Spanier drängten, der mit einer Gitarre in der Hand auf Deutsch den Refrain sang: „wir ficken die ganze Nacht“ – oder hieß es: den ganzen Tag? Die deutschen Ballermann-Touristen klatschten und johlten begeistert mit.
Warum verliere ich darüber überhaupt ein einziges Wort!?
Weil es mich verletzt!
Und weil ich meine Ohnmacht gegenüber so viel Dummheit spüre. Dabei sind für mich nicht die Menschen „dumm“, die aus gesundheitlichen Gründen nicht denken können, sondern diejenigen, die es könnten, es aber aus irgendwelchen Gründen – meistens aus Bequemlichkeit – nicht tun.
Wen oder was Homosexuelle lieben, ist ihre Privatsache. Sie dürfen alle Rechte haben, die andere Paare auch haben. Aber auch die Pflichten.
Wenn sie sich trennen, sollen auch die Versorgungsansprüche geteilt werden. Ich musste I. durch die Scheidung etwa 300 Euro und A. etwa 70 Euro von meiner Rente abgeben und bekomme mit 830 Euro Monatsrente statt 1200 heute nach zwei geschiedenen Ehen  nicht einmal die Grundsicherung.
Ich habe nichts gegen Homosexuelle, auch wenn mir das einige meiner Facebook-Freunde, die meine Posts gar nicht gründlich  gelesen haben, indirekt unterstellen.
Ich kenne nur einen homosexuellen Mann persönlich, und das ist ein sensibler, hochgebildeter Künstler. Ich meine meinen griechischen Freund Andre, den I. und ich auf der Uhlandshöhe in Stuttgart kennen lernten. Er studierte damals bei Else Klink Eurythmie. Im Sommer 1994 besuchte ich ihn in Athen. Er lud mich ein, an einem Strand in Piräus schwimmen zu gehen. Ich spürte schon seine Avancen, ging aber nicht darauf ein. Durch ihn erfuhr ich, dass auch Kaiser Hadrian einen Liebhaber hatte, nämlich den schönen Antinous, der als junger Mann zum Schmerz des Kaisers im Nil ertrank. Der Kaiser hat ihn daraufhin zum Gott erheben lassen.[1]
Andre war auch der Geliebte des Prinzen Hubertus von Löwenstein, wie dieser offen in seiner Autobiographie „Das Abenteuer der Freiheit“ erzählt. Ich hatte es bereits von Andre erfahren und mir deshalb die Biographie des Prinzen gekauft.
Die Grenze zwischen einer Männerfreundschaft, wie ich sie mehrmals erfahren und schätzen gelernt habe, und einer homoerotischen Beziehung ist für mich nicht übertretbar, für andere offensichtlich schon.
Es tut mir leid, wenn ich das nicht nachvollziehen kann. Es ist mir einfach total fremd.
Aber gut: wenn es erwachsene Menschen gibt, die diese Grenze zu überwinden vermögen und statt Freunde ein Paar werden wollen, das auch Sex miteinander hat, denn empfinde ich das als unappetitlich, aber natürlich durchaus als eine mögliche Lebensweise, die nicht, wie früher, unter Strafe gestellt werden sollte.
Absolut ekelhaft finde ich allerdings die Homo-Lokale in den Großstädten, in denen sich Männer ausschließlich zum Sex treffen. Aber auch die würde ich nicht verbieten.
Es hat noch nie etwas gebracht, Erscheinungen, die den Menschen im Grunde entmenschlichen, zu verbieten. Die das wollen, finden immer einen Weg. Der Drang ist einfach zu groß.
Jedermann weiß, dass Alkohol schädlich ist. Dennoch würde ich ihn nicht verbieten. In Ländern wie Russland zerstört der Alkohol Beziehungen, Ehen und Familien. Lena fordert Arbeitslager und Umerziehung für solche Menschen. So wie es wohl auch Hitler gewollt hatte.
Ich denke, wir müssen mit den Dekadenz-Erscheinungen unserer Gegenwart leben. Niemand ist gezwungen, diese gutzuheißen und sich daran aktiv zu beteiligen, solange es noch Alternativen gibt.
Dennoch leide ich unendlich daran und kann dazu nicht schweigen.
Aber durch das Leid klären sich auch die Begriffe. Jede wahre Erkenntnis ist dem Leid abgerungen.


[1] Wer sich ein bisschen auskennt, weiß, dass der Kaiser in einem späteren Leben ein enger Mitarbeiter und Schüler Rudolf Steiners gewesen ist: Ludwig Graf von Polzer-Hoditz (1869 – 1945)

"Was ist Wahrheit?"

„Was ist Wahrheit?“
Wieder werde ich durch diese Diskussion um den gestrigen Bundestagsbeschluss mit dieser Frage konfrontiert.
Aber wie sehr ich auch darüber nachdenke: ich komme zu keinem anderen Ergebnis als gestern. Sogar im Gespräch mit meinem besten Freund G., das wir zum Schluss vertagen mussten, weil wir uns gegenseitig „angegriffen“ beziehungsweise missverstanden fühlten, kam ich nicht zu einer neuen Sichtweise. Das tut mir weh, aber ich kann es einfach nicht mit meinem Denken vereinbaren, dass nicht sauber mit Begriffen umgegangen wird. Leider ist darunter, wie ich feststellen musste, auch mein lieber Freund, der ein durchaus rationaler Mensch ist.
Für mich ist der Begriff Ehe so klar definiert wie in der Mathematik eins plus eins zwei ist.
Meine Definition für Ehe, die ich für die allgemeingültige halte, versucht, den Inhalt dieses Wortes in einem Satz auszudrücken: „Ehe ist die Verbindung von Mann und Frau mit dem grundsätzlichen Ziel oder der grundsätzlichen Möglichkeit, Vater und Mutter zu werden.“ Ich finde keine andere Definition. Auch G. konnte mir keine andere nennen.
Man kann, wenn man will, noch zwischen der „Ehe vor dem Standesamt“ und „der Ehe vor Gott“, sprich zwischen weltlicher und kirchlicher Trauung als symbolisch-rechtlichen Akten unterscheiden. Ich habe beides erlebt. Aber immer stimmt die Definition, wie sie auch in Artikel 6 des Grundgesetzes gemeint ist.
Es ist ja selbstverständlich, dass der Inhalt des Wortes „Ehe“ im tiefsten Sinne ein Ideal ist, das kaum von einem Menschen wirklich einmal gelebt werden kann. Aber das ist das Wesen von Idealen. Sie sind wie Leuchttürme, die uns Orientierung in den Stürmen des Lebens auf unruhiger See geben.

Ich habe I. am 15. Juni 1979 standesamtlich und am 17. Juni 1979 kirchlich geheiratet. Der tiefere Grund war, dass unser erstes Kind unterwegs war. Am 17. Juli 2007 habe ich mich nach 28 Jahren und einem Monat von I.– gegen ihren Willen – scheiden lassen. Am 18. November 2009 habe ich A. standesamtlich – und ganz bewusst nicht kirchlich – geheiratet. Am 29. Juli 2016 hat sie sich – gegen meinen Willen – nach nur knapp sieben Jahren von mir scheiden lassen. Für diese standesamtliche Ehe habe ich mich nur deshalb entschieden, weil ich A. vor den "bösen Zungen" auf dem Dorf beschützen wollte. Und, weil ich sie liebe.
Es gibt Begriffe, die kann und will ich nicht definieren. Darüber war ich mir mit G. einig: dazu gehört zum Beispiel das Wort „Liebe“. Auch da kann man sich natürlich dem Inhalt nähern, indem man zwischen erotischer Liebe (Eros), Nächstenliebe (Caritas) und Gottesliebe (Agape) unterscheidet. Aber Liebe ist unendlich viel größer als der Verstand und ein Mensch kann sie auch nicht mit der Vernunft erfassen.
Durch die heute übliche „Liberalität“, die mit dem Schlagwort „anything goes“ umschrieben werden kann, werden alle Kategorien des abendländischen Denkens (seit Aristoteles) umgeworfen. Jeder kann seine eigene Wahrheit „erfinden“. Wenn er eine Mehrheit findet, die ihm zustimmt, kann sogar über diese „Wahrheit“ abgestimmt werden, wie es gestern im Bundestag geschehen ist. Dadurch wird sie „sanktioniert“, aber nicht "wahr".
Das war vor 68 Jahren noch anders, als die Väter und Mütter des Grundgesetzes in einer Villa bei Frankfurt zusammenkamen, und über eine zu schaffende Verfassung für die zu gründende Bundesrepublik berieten.
Im Grunde war Helmut Kohl, der heute im Dom von Speyer mit einem Requiem „verabschiedet“ wurde, soweit ich sehe, der erste hochrangige deutsche Politiker, der einen dieser wichtigen Begriffe „in Misskredit“ gebracht hat. Ich meine nicht den Begriff „Ehe“, sondern den Begriff „Ehre“, der noch viel schwieriger zu „definieren“ ist als das Wort „Ehe“.
Er hat sich auf sein „Ehrenwort“ berufen, um die Helfer in der kriminellen CDU-Spendenaffäre zu schützen. Darf man mit dem Begriff „Ehrenwort“ die Wahrheit vertuschen? Darf man durch ein „Ehrenwort“ unehrenhafte Handlungen decken? Geht das?
Ich meine klar und deutlich: nein! Das geht nicht!
Deshalb halte ich Helmut Kohl nicht für einen großen Politiker, auch wenn er das mit seinen 1,93 m rein äußerlich schon war. 
Trotzdem habe ich mir heute die Trauerfeier im Speyrer Dom via Fernsehen (Erstes Programm) angeschaut. Ich wollte ihm dadurch, obwohl ich mit seiner Politik überhaupt nicht einverstanden war und bin, dennoch „die letzte Ehre“ erweisen.
Wenn ich aber die Herren Prälaten vor dem Altar unter dem romanischen Kreuz sehe und höre, so frage ich mich, was wohl Christus gesagt hätte, wenn er dabei gewesen wäre. Ich glaube kaum, dass er so „schöne“ Worte gefunden hätte. Ich bin sogar überzeugt, dass er die Feierlichkeit durch wahre Worte gestört hätte, von der Polizei ergriffen und aus dem Dom geworfen worden wäre – mit anschließender Verurteilung.
Warum geht mir das alles so nah?

Ich fühle mich als ein Mensch, der sich – eigenständig und mit viel Mühe – aus der christlich-abendländischen Tradition heraus ein Weltbild errungen hat und danach zu leben versucht. Solange diese Tradition noch trägt, glaube ich an sie. Aber ich leide darunter, wenn die wahren und ewigen Werte dieser Tradition leichtsinnig preisgegeben werden zugunsten von ganz anderen Werten, die im Augenblick „en vogue“ sind: Relativismus (statt Wahrheitssuche und echte Toleranz), Hedonismus (statt Leidensfähigkeit) und Narzissmus (statt wahres Interesse am anderen). 

Freitag, 30. Juni 2017

this is the end, my beautyful friend!

Ich weiß gar nicht, wieso mich das so traurig, ja sogar wütend macht: heute hat der Deutsche Bundestag für einen Gesetzesentwurf gestimmt, der homosexuellen Paaren gestattet, einander standesamtlich zu heiraten. Seit 2001 gibt es die gesetzliche Möglichkeit der „eingetragenen Partnerschaften“. Warum können sich die Betroffenen nicht damit begnügen? Wieso müssen sie jetzt auch noch den Begriff „Ehe“ missbrauchen?
Für mich ist das ein weiteres Zeichen von Dekadenz. Wir befinden uns tatsächlich im freien „Kulturverfall“. Ich bin gewiss ein toleranter Mensch. Jeder soll nach seiner Facon glücklich werden. Aber warum muss deshalb ein aus christlicher Tradition spirituell begründeter Begriff und die damit verbundene Gemeinschaft pervertiert werden!? Welche Kräfte stehen dahinter?
Die Politiker sind offenbar nicht mehr ganz bei Troste.
Ich habe immer weniger Respekt vor ihnen und vor ihrer Politik. Ich kann nicht einen einzigen deutschen „Staatsmann“ mit Charakter und Rückgrat mehr erkennen. Es sind für mich im Grunde alles nützliche Idioten, die irgendwelche undurchsichtigen Vorgaben erfüllen.
Das begann vor über 40 Jahren mit dem „Abtreibungsparagraphen“ (1976), mit dem das Recht auf Leben ausgehebelt wurde, ging weiter mit dem Paragraphen gegen „Volksverhetzung“ (1994), durch den die Freiheit abweichender Meinungen unterhöhlt wurde und findet jetzt einen gewissen Abschluss in dem geplanten neuen Gesetz zur „Ehe für alle“.
Interessant ist, dass diese Tendenz vom Westen ausgeht. Alle westeuropäischen Nationen haben die „Ehe für alle“ bereits legalisiert. Nur die osteuropäischen Länder stemmen sich – mit Recht – noch dagegen. Dass Deutschland durch eine unvorsichtige Äußerung der Kanzlerin nun auch eingeknickt ist, halte nicht nur ich für einen nicht wieder gut zumachenden historischen Fehler.
Was will man noch alles an Grund- und Menschenrechten preisgeben: Nach dem Schutz des ungeborenen Lebens, nach der Meinungsfreiheit nun auch noch den Schutz der Familie und der Ehe?!

Der Himmel über Berlin weint. In den vergangenen 24 Stunden hat es in Berlin doppelt so viel geregnet, wie sonst im ganzen Monat Juni. Diese kleine Sintflut verstehe ich als eine unmittelbare Reaktion der geistigen Welt auf den Unsinn, den unsere gottverlassenen Staatslenker in jenem Kuppelbau beschlossen haben, über dem geschrieben steht: „Dem deutschen Volke“.
Was dort heute beschlossen wurde, kann ich nicht mehr mittragen und ich werde bei der bevorstehenden Bundestagswahl am 24. September 2017 mit Sicherheit keine der Parteien wählen, die heute „dafür“ gestimmt haben, insbesondere nicht die Parteien, die ich bisher immer gewählt habe: die „Grünen“ und die „SPD“.
Die CDU kam bei mir noch nie in Frage. Ich glaube schon lange nicht mehr an das „C“ in ihrem Namen. Auch wenn Herr Kohl morgen durch ein Requiem im Dom zu Speyer „geehrt“ werden soll, so halte ich ihn und seine gesamte Mannschaft für „Verräter“ an den grundlegenden christlichen Werten: Das Verhalten Kohls gegenüber seinen Mitmenschen und in der Spendenaffäre spricht Bände und spottet jeder tieferen christlichen Einstellung.

Die Schleuse, die „sein Mädchen“, die protestantische Pfarrerstochter, nun „geöffnet“ hat, wird das Ende des Hauptvertreters des christlichen Abendlandes, für den ich Deutschland in der Mitte Europas bis heute noch zu halten wagte, besiegeln. 

Samstag, 17. Juni 2017

Ist die "Kohl-Ära" schon zu Ende? - Anmerkungen zum Tod des Altkanzlers Helmut Kohl am 16. Juni 2017

Der 17. Juni war früher deutscher National-Feiertag. Heute erinnert sich kaum noch einer daran, denn er wurde nach der „Wende“ ersetzt durch den 3. Oktober. Dass der sechste deutsche Bundeskanzler, der von 1982 bis 1998 sechzehn Jahre lang die „Ära Kohl“ geprägt hat und als „Kanzler der Einheit“ in die Geschichtsbücher eingehen wird, diesen 17. Juni nicht mehr erleben durfte, weil er just einen Tag vorher, also gestern, mit 87 Jahren gestorben ist, erscheint mir wie eine Ironie des Schicksals.
Ich konnte den Machtmenschen Helmut Kohl nie wirklich leiden. Er hat aus der Wiedervereinigung eine Vereinnahmung gemacht. Er ist dafür verantwortlich, dass viele Ostdeutsche auf die deutschen Politiker bis heute nicht gut zu sprechen sind und dass sich in der ehemaligen DDR PEGIDA, AfD und mancherorts auch die NPD ausbreiten konnten. Ich habe sogar ein gewisses Verständnis dafür, dass einige Ossis Merkel und Co. als „Volksverräter“ bezeichnen, nachdem die Parole der Montagsdemonstranten vor dem Mauerfall „Wir sind das Volk“ in die Parole „Wir sind ein Volk“ umgewandelt worden war.
Die Wiedervereinigung war nicht das Werk von Helmut Kohl, sondern von den friedlichen Montagsdemonstranten in Leipzig (Nikolaikirche) und andernorts. Und es ist vor allem das Werk von Michael Gorbatschow. Kohls Leistung war lediglich, dass er rechtzeitig die Chance ergriffen hat, auf den ins Rollen gekommenen Zug aufzuspringen. Angela Merkel sagt in ihrem Nachruf deshalb mit Recht: Er war ein „Glücksfall für die Deutschen“, wenn man Glück als kurzfristige Gunst des Augenblicks definiert. Das „Wohl“ des deutschen Volkes ist etwas anderes, etwas, für das sich unsere Politiker bei der Amtseinführung langfristig einzusetzen versprechen. Hat sich Helmut Kohl in den 16 Jahren seiner Regierungszeit wirklich für das „Wohl des deutschen Volkes“ eingesetzt? Ich bezweifle es.
Schon seine Erhebung zum Nachfolger des 1982 durch ein Misstrauensvotum gestürzten Kanzlers Helmut Schmied fußte auf einer Art Verrat. Die Mitglieder des kleineren Koalitionspartners der damaligen sozialliberalen Regierung entpuppten sich unter dem Vorsitz des ebenfalls kürzlich verstorbenen Hans-Dietrich Genscher als „Wendehälse“, lange bevor dieses Wort in die deutsche Sprache eingeführt wurde.
Wie die westdeutschen Politiker mit den ostdeutschen Politikern (Honecker, Krenz, Lothar de Maiziere, Eppelmann) und den ehemaligen DDR-Bürgern umgegangen sind, zeugt von einer maßlosen Überheblichkeit. Es gab dort zum Beispiel runde Tische und Menschen wie Rudolf Bahro, die eine alternative Gesellschaft in der DDR aufbauen wollten. Aber mit dem Instrument der DM wurden alle alternativen Entwürfe nach gängiger materialistisch-kapitalistischer Methode erstickt und die Ossis in den Westen gelockt.
Es heißt, die Cleveren waren sofort da, haben Arbeit gefunden, neue Autos gekauft und die Pornokultur, nach der sie dort alle angeblich so süchtig waren, in den Osten importiert. Nur die „Dummen“ seien geblieben und das sind heute die „Rechtspopulisten“ von PEGIDA und AfD.

Ich weine dem alten Herrn keine Träne nach. Er mag nun seine Worte und Taten vor dem höchsten Richter verantworten und sein Karma für das nächste Leben vorbereiten. Dass „Kohls Mädchen“ heute Bundeskanzlerin von Deutschland und – wie ich neulich las – die „mächtigste Frau der Welt“ ist, beeindruckt mich nicht. Die ehemalige Ostdeutsche macht im Prinzip dort weiter, wo Kohl 1989 begonnen hat. Dadurch verlängert sie die Kohl-Ära lediglich bis zum heutigen Tag.
Die reale Chance, die 1989 bestand, ist vertan und es wird wohl noch einige Zeit dauern, bis wieder so eine Chance kommt, unsere Gesellschaft in friedlicher Weise zu verändern.
Wenn ich all die Nachrufe, von den Grünen (Cem Özdemir: „großer Europäer“) über die SPD (Sigmar Gabriel: „großer deutscher Politiker“, Martin Schulz: „großer Europäer und Staatsmann“) bis zu den Linken (Gregor Gysi: „Er wollte ein europäisches Deutschland, kein deutsches Europa“), in den Zeitungen lese, dann kann ich nur an die Redensart denken, die auch jetzt wieder zutrifft:

„Es wird nie so viel gelogen wie vor der Wahl, nach der Jagd und während der Beerdigung.“

Donnerstag, 15. Juni 2017

"Erdogan-Zeit" oder "Merkel-Zeit"?

Als ich gestern Mittag bei F. fertig war, fuhr ich mit meinem neuen Auto noch zum Autohaus Rettenmeyer, um es zu waschen und zu saugen (nun ist es wieder wie neu). Anschließend ging ich zum Döner-Imbiss „Bosporus“ in Randenweiler, um für sechs Euro einen Lachmacum zu essen und einen Ayran zu trinken, wie ich es immer wieder tue, seitdem ich dieses orientalische „Gericht“  bei meinem Umzug am 4. Dezember mit Herrn B. aus Syrien kennen gelernt hatte.
Der junge Türke, der mich dann immer bedient, beginnt bisweilen ein Gespräch mit mir. Gestern fiel mir auf, dass die Wanduhr in dem Imbiss um drei Stunden nachging. Ich fragte den Türken im Spaß, ob das „Erdogan-Zeit“ sei. Er überlegte kurz und antwortete dann: "Nein, „Merkel-Zeit!" Kurz darauf wollte ich wissen: „Glauben Sie, dass Präsident Erdogan Spaß mag?“ und ich bekam postwendend zur Antwort: „Spaß schon, aber keine Beleidigungen!“
Ich musste unwillkürlich an jenes unsägliche Schmähgedicht von Jan Böhmermann denken und verstand, was er meinte. Dann ergänzte er noch und positionierte sich eindeutig, indem er sagte: „ich bin Erdogan-Fan!“
Diese kurze Aussprache gab mir zu denken. Was wissen wir schon über Staatschefs wie Erdogan (Türkei), Orban (Ungarn) und Putin (Russische Föderation)?
Und wieso erlauben wir uns, über sie trotzdem zu urteilen?
Vielleicht, weil wir durch das Fernsehen und die Zeitungen ständig einseitig „informiert“ werden.
Der aktuellste Fall ist der Abbruch der ungenehmigten Demonstrationen in Moskau und anderen russischen Städten, organisiert von dem „Putin Gegner“ Nawalny.
Was wissen wir schon von diesem Mann und seinen Anhängern? Gar nichts!
Und trotzdem regt sich unsere Presse seit drei Tagen auf, dass über 700 Demonstranten, darunter auch Nawalny selbst, festgenommen worden seien. 
Meine russische Freundin Lena erinnerte mich daran, dass die Polizei selbstverständlich und mit Recht eingreife, wenn in Deutschland eine angemeldete Demonstration von „Neonazis“ ihre genehmigte Route verlässt.
Warum darf die Polizei in einem ähnlichen Fall, wie geschehen, am 25. Jahrestag der Gründung der russischen Föderation nicht eingreifen? Soll sie die (vermutlich bezahlten) Demonstranten auf den Festplatz lassen, damit sie dort „Unruhe“ stiften, das heißt ein Chaos erzeugen? Hat die Regierung - oft als "Regime" diffamiert - nicht das Recht, hier einzugreifen?
Was sind das für Demonstranten, die für die Privat-Universität eines Ungarn-stämmigen US-Milliardärs in Budapest „kämpfen“, die von der ungarischen Regierung wegen staatsgefährdender Intentionen geschlossen werden soll? Ist es nicht das Recht einer demokratisch gewählten Regierung, Institute oder NGOs zu verbieten, die nachweislich staatsfeindliche Propaganda verbreiten?
Ich muss mich immer wieder wundern über unsere Informationspolitik. Immer werden eindeutig die Guten auf der einen Seite verortet und die Bösen auf der anderen Seite. Aber: die Wahrheit ist nicht schwarz-weiß, auch wenn das Volk (Demos) gerne einfache Antworten auf komplexe Sachverhalte haben möchte.

Andererseits: die Wahrheit ist auch wieder ganz einfach: die Mehrheit muss auch in einer Demokratie nicht unbedingt recht haben. Im Gegenteil: gerade, wenn etwas mit Bestimmtheit und überall ständig von den „Meinungsmachern“ wiederholt wird, dann sollte man die wirklichen Hintergründe etwas gründlicher erforschen oder zumindest die „veröffentlichte Meinung“ nicht ungeprüft als Wahrheit übernehmen und einfach nachplappern.

Donnerstag, 8. Juni 2017

"Zensierte Stimmen" zum Sechstagekrieg

Heute Vormittag sehe ich mir eine Sendung zum Sechstagekrieg an, der am Dienstag, den 06.06.2017 auf Arte gezeigt wurde, die ich aber verpasst hatte: „Zensierte Stimmen“ von Mor Loushy aus dem Jahre 2015. Wenige Tage nach dem Krieg war der damals noch nicht so bekannte israelische Schriftsteller Amoz Oz mit Abraham Shapira in verschiedene israelische Kibuzze gereist und hatte Soldaten, die am Sechstagekrieg teilnehmen mussten, interviewt. Die Tonbandaufnahmen hat Israel 50 Jahre unter Verschluss gehalten. Nun sind sie veröffentlicht worden. Ich habe einige Stellen verschriftlicht und auf Facebook gepostet:

  1. (Der gefangene Syrer) "rollte auf dem Boden, schrie und heulte. Frage: hast du ihn ausgelacht, oder tat er dir leid? Antwort: Ich fühlte nichts als Verachtung" (Minute 32,20)
  2.  "auf dem Schlachtfeld fühlte ich mich nur stumpf. Ich wusste, dass ich den Befehlen folgen musste. Ich war so damit beschäftigt, ich hatte die..., ich konnte nicht denken...ich wusste, dass ich einfach reagieren musste. Da waren Leute auf den Dächern: Zivilisten. Soll ich sie töten oder nicht? Ich dachte nicht darüber nach. Töte einfach! Töte jeden, den du siehst!" (ab Minute 34,48)
  3. "Einige Male nahmen wir ein paar Typen gefangen, stellten sie in Reihe auf und töteten sie einfach ... weil es junge Kerle waren. Ihre Ausweise sagten, dass sie bewaffnet seien. Von heute aus betrachtet, scheint es so, als hättest du sie ermordet. Aber realistisch gesehen, ist im Krieg jeder Zivilist, jeder Mensch dein Feind" (ab Minute 35,35)
  4. Mein erster Kommentar: Dieses Film- und Tonband-Dokument zeigt, wozu junge Männer fähig sind, die in den Krieg ziehen müssen und nach dem Motto handeln: "Befehl ist Befehl!" Mein Vater war 21, als der Zweite Weltkrieg ausbrach.
  5.  Ab Minute 36,31: "Ich fange mit mir an. Ich bin Kommandant einer Fallschirmkompagnie. Ich gebe dir ein Beispiel aus den letzten Tagen des Krieges: Eigentlich war bereits Waffenstillstand. Tausende feindliche Soldaten irrten aber immer noch herum. Wir hatten den Befehl, die Spuren zu den Dünen zu verfolgen und zu töten ..., die Soldaten zu töten, die dort noch immer umherirrten. Wir trafen auf eine Gruppe von 15 bewaffneten Arabern. Sie hatten sich versteckt, und versuchten nicht einmal, sich zu verteidigen.(Pause) Keiner von uns (er nennt vier Namen) ist ein Mörder. Im Krieg wurden wir alle zu Mördern."
  6. Mein zweiter Kommentar: Ich denke, wenn ich das höre, an den Film von Wolfgang Staudte aus dem Jahr 1946: "Die Mörder sind unter uns", in dem deutsche Soldaten, die im Zweiten Weltkrieg den Befehlen ihrer Kommandanten gehorchen mussten, als "Mörder" bezeichnet wurden. Auch ich meine, dass jeder, der einen Menschen tötet, ob im Krieg oder nicht, ein Mörder ist.[1]
  7. "Der Befehl hieß: kein Erbarmen! (...) Tötet so viele wie möglich!" (ab Minute 38,10)
  8. "Freunde, Schulkameraden, die ich als gute Menschen kannte, Einer von ihnen trifft auf einen verwundeten Feind. Er hilft ihm nicht, sondern zückt seine "Uzi, um ihm den Rest zu geben." (ab Minute 40.04)
  9. "Zeitungen und Radio erzählten ständig: 'Fallschirmjäger weinen an der Klagemauer.' Also, ich will den Mythos ja nicht zerstören, aber es war nicht so beeindruckend, wie sie in der Zeitung behaupteten. Erst als wir in die Altstadt kamen, erinnerte ich mich, dass es überhaupt eine Altstadt gab. Ich hatte es völlig vergessen. Ich konnte mich nicht einmal an eine Altstadt erinnern, die Klagemauer, und das alles. Nichts. Erst, als wir den Tempelberg erreichten, erinnerte ich mich an die Klagemauer.(...) Ich war überhaupt nicht aufgeregt. Eine hohe Wand. Und diese Leute, die davor standen und weinten, ekelten mich an. Das ist vermutlich sehr subjektiv, aber ich fand es sehr unpassend. Mit uns kam der Oberrabbiner mit seiner ganzen Entourage. Und sie begannen, ins Widderhorn zu blasen. Es klang wie das Grunzen eines Schweines. Ein furchtbarer Ton. Und sie begannen uns zu schubsen. Es wurde noch gekämpft und geschossen! Aber sie machten sich bereits Platz und fingen an zu rufen und zu beten. Ich verspürte nur Abscheu.(...) Ich dachte an den Glauben, religiöse Unterdrückung und das alles. Ich hatte nicht den Effekt der 2000 Jahre, wie vielleicht bei Napoleon, als er seinen Soldaten die Pyramiden zeigte. Du musst wissen: das Judentum heiligt keine Orte. Das gilt auch für den Tempelberg. Der ist nicht heilig. So etwas gibt es nicht. All das hat nichts mit Judentum zu tun." (Ab Minute 42,32)
Ich schaue den Film nicht weiter an. Ich weiß jetzt, dass die „Opfer“ nicht im Geringsten anders „ticken“ als die „Täter“, was jeder mit gesundem Menschenverstand schon lange weiß. Aber die israelischen Soldaten werden 50 Jahre lang als Helden gefeiert, die deutschen Soldaten unmittelbar nach dem Krieg und bis heute wie Kriegsverbrecher (siehe der sogenannte „Wehrmachtsskandal“ in deutschen Bundeswehrkasernen) behandelt.
Gut, es gibt einen kleinen, aber wichtigen Unterschied: Israel hat den Sechstagekrieg gewonnen, Deutschland hat den Zweiten Weltkrieg (Gott sei Dank) verloren.
Ich bin als Kriegsdienstverweigerer prinzipiell gegen jeden Krieg.
Es gibt für mich keinen guten Krieg, zumindest nicht seit den Kriegen der Neuzeit (die Kriege des Altertums und des Mittelalters will ich hier nicht beurteilen, weil sie einen ganz anderen Charakter haben). Der moderne Krieg ist für mich „Steinzeitdenken plus Supertechnik“.
Ich empfinde nur Verachtung und Abscheu gegen all diese Kriege, insbesondere für den amerikanischen Drohnenkrieg, über den gerade ein aufschlussreicher Film von Sonja Kennebeck, produziert von Wim Wenders und Errol Morris, in den Kinos läuft.[2]



[2] This documentary follows the dramatic journey of three whistleblowers who are determined to break the silence around one of the most controversial current affairs issues of our time: the secret U.S. drone war. At the center of the film are three U.S. military veterans. Plagued by guilt over participating in the killing of faceless people in foreign countries, they decide to speak out publicly, despite the possible consequences.

Dienstag, 6. Juni 2017

Israels Sechstagekrieg - in größeren Zusammenhängen gesehen

Eben stelle ich fest, dass gestern vor 50 Jahren der „Sechstagekrieg“ begonnen hat. Er dauerte vom 5. bis zum 10. Juni 1967. 
Dieser Krieg ist unter anderem der Ursprung für den Hass der Palästinenser und anderer Araber auf Israel, den gewisse jüdische Organisationen zur Zeit besonders beklagen. Damals hat Israel zum Beispiel auch die syrischen Golan-Höhen besetzt, die es bis heute nicht zurückgegeben hat. 
Israel muss sich nicht wundern, wenn in den sozialen Netzwerken, insbesondere von arabischer Seite, sogenannte „antisemitische“ Posts verbreitet werden. Irgendwie müssen die gedemütigten Araber ihren Gefühlen ja Luft machen. Das als „antisemitisch“ zu brandmarken, ist die beliebte Methode der jüdischen Organisationen, die schon vor hundert Jahren über den angeblichen „Antisemitismus“ der Deutschen klagten. Damals waren es die Deutschen, heute sind es die Araber.
Was den deutschen Antisemitismus anbelangt, so möchte ich hier einige Stellen aus dem Werk „Die Deutschen in ihrem Jahrhundert“ von Christian Graf von Krockow (Rowohlt-Taschenbuch, Reinbeck bei Hamburg 1994) zitieren.
Der im Jahre 1927 geborene Autor war von 1961 bis 1968 Professor für Politikwissenschaft und danach Honorarprofessor an der Universität Göttingen.
Er zitiert im achten Kapitel („Das Heilsverbrechen“) den Stuttgarter Historiker Eberhard Jäckel, den ich selbst noch gehört habe: „Nichts schien nach 1945 selbstverständlicher, als die nationalsozialistische Judenverfolgung auf einen besonders ausgeprägten Antisemitismus zurückzuführen. Die Historiker suchten nach Belegen und fanden sie. Inzwischen haben neuere und auch vergleichende Forschungen das Bild relativiert. Gewiss gab es in der wirtschaftlichen Depression nach der Reichsgründung, besonders zwischen 1878 und 1887, antisemitische Bewegungen und Parteien. Doch erfuhren sie zwischen 1903 und 1914 einen Niedergang und waren am Vorabend des Esten Weltkrieges fast verschwunden. Der Grundsatz der gesetzlichen Gleichberechtigung der Juden war trotz mancher gesellschaftlicher Diskriminierung zu keiner Zeit ernsthaft gefährdet. In Deutschland gab es keine Pogrome wie in Russland, keine Affäre wie die um Dreyfus in Frankreich, und auch der österreichische Antisemitismus schien ausgeprägter als der deutsche. – Der amerikanische Historiker George L. Mosse hat 1975 diesen Befund einmal mit einer zugespitzten Hypothese zu verdeutlichen versucht. Wenn man, so sagte er, Leuten im Jahre 1914 erzählt hätte, dass innerhalb einer Generation die meisten europäischen Juden ermordet sein würden, wäre ihre Antwort wahrscheinlich gewesen: Die Franzosen sind zu jedem Verbrechen fähig. Man könnte sich auch vorstellen, dass die Leute die Russen, die Polen oder die Österreicher verdächtigt hätten. Die Deutschen wären ihnen wohl zuletzt eingefallen.“
Dass es in der deutschen Gesellschaft zu einem Umschwung kam, hat seine tieferen Gründe. Und die hängen mit dem Entschluss des US-amerikanischen Präsidenten zusammen, in den Ersten Weltkrieg einzugreifen.
Das war am 6. April 1917, also vor genau 100 Jahre. Im neuesten Heft „ZEIT-Geschichte“ („1917 – Revolution in Russland, Kriegseintritt der USA – ein Jahr, das die Welt verändert“) lese ich im ersten Beitrag mit dem Titel „Der globale Moment“ von Jörn Leonard (Professor für neuere und neueste Geschichte an der Universität Freiburg und Autor des schon erwähnten Buches „Die Büchse der Pandora. Geschichte des ersten Weltkrieges“): „Silvester 1916 hoffte der Heidelberger Geschichtsprofessor Karl Hampe auf Frieden. Nach Verdun und den anderen verlustreichen Schlachten des Jahres und angesichts der erkennbaren Erschöpfung aller Kriegsparteien fiel es schwer, sich für 1917 etwas anderes vorzustellen: ‚Man hält doch, auch wenn man, wie ich die Friedensaussichten sehr gering einschätzt, für sehr wahrscheinlich, dass das kommende Jahr uns den Frieden zuführen wird.‘ Das sollte in gewisser Weise zutreffen – und auch wieder nicht. Denn 1917 zeichnete sich tatsächlich ein Ende des Krieges im Osten ab. Doch der Krieg war damit noch lange nicht beendet, im Gegenteil: Erst durch den Eintritt der USA wurde aus dem europäischen Konflikt endgültig ein Weltkrieg.“
Wenn man also wissen will, wieso es nicht zu einem Frieden kam, obwohl einiges dafür sprach, dann muss man die wahren Gründe für den Eintritt der USA in den Krieg untersuchen.
Da gelangt man zum Jahre 1916, als die ursprünglich deutschfreundliche Stimmung in Amerika mit Hilfe von Gräuelpropaganda umschlug, von gewissen Leuten und Medien ganz bewusst gesteuert, zum Beispiel durch Propaganda-Filme aus Hollywood wie „The Kaiser – the Beast of Berlin“ oder „Heart of Humanity“ (beide 1917)[1] aus den Universal-Studios des ehemals deutschen Juden Carl Lämmle.[2]
Das alles kann man heute nachlesen, wenn man Geschichte ohne Scheuklappen anschaut. Und dann kommt man auf einen interessanten Zusammenhang:
Es waren jüdische Organisationen, die den amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson über den Bankier Bernard Baruch, der im Wesentlichen Wilsons Wahlkampf finanziert hatte, überredeten, den Briten zu helfen, und von ihnen dafür in einem Geheim-Gespräch im Londoner Haus von Sir Mark Sykes am 7. Und 8. Februar 1917 die „Fixierung des Palästina-Abkommens“ verlangten, das die Briten ihnen dann in der sogenannten „Balfour-Declaration“ (2. November 1917) gewährten, nachdem die USA in den Krieg eingetreten waren.
Das (geheime) „Sykes-Picot-Abkommen“, das alle Araber im Gegensatz zu den Europäern kennen, war nur der Vorläufer und teilte den Nahen und Mittleren Osten durch eine „Linie im Sand“ in zwei Einflusssphären: Die französische (Syrien, der kurdische Teil der Türkei und der kurdische Teil des Irak mit der Hauptstadt Mossul und der Libanon) und die englische (Irak, Jordanien und Palästina).[3]
Wer ein wenig von historischen Rhythmen versteht, von denen  Rudolf Steiner gerade im Jahr 1917 sprach[4], wird verstehen, in welchem tieferen Zusammenhang der Sechstagekrieg steht.
Graf Krockow fährt fort:
„Aber haben nicht der Krieg und besonders die Niederlage von 1918, zum ‚Novemberverbrechen‘ erklärt und als Dolchstoß gedeutet, die entscheidende Wende eingeleitet? In der Tat gab es im Ersten Weltkrieg eine judenfeindliche Agitation – obwohl von den positiven Zeichen überlagert -, und zum Repertoire fast jeder Hetze wider die Republik gehörte, sie als ‚verjudet‘ hinzustellen; als symbolische Akte wurden von 1923 bis 1932 125 Friedhofsschändungen und 48 Anschläge auf Synagogen registriert.
Solche Zahlen kann man freilich, je nach dem Standpunkt, gegensätzlich auslegen, und neuere Untersuchungen haben das Bild von den Weimarer Verhältnissen relativiert. Die nationalsozialistische Bewegung, in die der radikale Antisemitismus ‚völkischer‘ Prediger und Gruppen eingegangen war, blieb bis zum Ausbruch der Weltwirtschaftskrise von einer Massenbasis weit entfernt. Der Historiker Felix Gilbert – 1905 in eine der führenden jüdischen Familien Berlins hineingeboren, 1933 erst nach England, dann in die Vereinigten Staaten emigriert, also gewiss kein Kronzeuge der Beschwichtigung – hat im Rückblick gesagt:
‚Es gab eine Welle des Antisemitismus in den frühen zwanziger Jahren, in der Zeit der Ermordung Rathenaus, und dann natürlich in den Jahren, bevor die Nationalsozialisten an die Macht kamen. Sicherlich gab es im katholischen Bayern einen unverhohlenen Antisemitismus, und auch der verdeckte Antisemitismus in akademischen Kreisen war nicht zu leugnen. Ich bezweifle aber, dass der Antisemitismus  während der zwanziger Jahre sehr an Stärke gewann und gewalttätiger wurde. (…) Für den Mord an Rathenau hat man in erster Linie den Antisemitismus verantwortlich gemacht; meiner Ansicht nach ist diese Interpretation von dem geprägt, was zehn Jahre später in Deutschland geschah. Zur Zeit des Mordes sahen wir im Antisemitismus nicht das entscheidende Motiv.‘
Krockow weiter:
„Dass seit 1933 der Antisemitismus in der Masse der Bevölkerung drastisch zugenommen hat, lässt sich kaum feststellen. Der Boykott jüdischer Geschäfte vom 1. April 1933 war kein Erfolg und wurde nie wiederholt. Noch weniger taugt die ‚Reichskristallnacht‘ zum Beleg, von der Erich Kästner als Augenzeuge berichtet:
‚Als ich am 10. November 1938, morgens gegen drei Uhr, in einem Taxi den Berliner Tauentzien hinauffuhr, hörte ich zu beiden Seiten der Straße Glas klirren. Es klang, als würden Dutzende von Waggons voller Glas umgekippt. Ich blickte aus dem Taxi und sah, links wie rechts, vor etwa jedem fünften Haus einen Mann stehend, der mächtig ausholend, mit einer langen Eisenstange ein Schaufenster einschlug. War das besorgt, so schritt er gemessen zum nächsten Laden und widmete sich, mit gelassener Kraft, dessen noch intakten Scheiben. – Außer diesen Männern, die schwarze Breeches, Reitstiefel und Ziviljacketts trugen, war weit und breit kein Mensch zu entdecken. Das Taxi fuhr in den Kurfürstendamm ein. Auch hier standen in regelmäßigen Abständen Männer und schlugen mit langen Stangen ‚jüdische‘ Schaufenster ein. Jeder schien etwa fünf bis zehn Häuser als Pensum zu haben. Glaskaskaden stürzten berstend aufs Pflaster. Es klang, als bestünde die ganze Stadt nur aus krachendem Glas. Es war eine Fahrt wie quer durch den Traum eines Wahnsinnigen. – Zwischen Uhland- und Knesebeckstraße ließ ich halten, öffnete die Wagentür und setzte gerade den rechten Fuß auf die Erde, als sich ein Mann vom nächsten Baum löste und leise und energisch zu mir sagte: ‚Nicht aussteigen! Auf der Stelle weiterfahren!‘ Es war ein Mann in Hut und Mantel. ‚Na hören Sie mal‘, begann ich, ‚ich werde doch wohl noch…‘ ‚Nein‘, unterbrach er drohend. ‚Aussteigen ist verboten! Machen Sie, dass Sie sofort weiterkommen!‘ Er stieß mich in den Wagen zurück, gab dem Chauffeur einen Wink, schlug die Tür zu, und der Chauffeur gehorchte. Weiter ging es durch die gespenstische ‚Nacht der Scherben‘. An der Wilmersdorfer Straße ließ ich wieder halten. Wieder kam ein Mann in Zivil leise auf uns zu. ‚Polizei! Weiterfahren! Wird’s bald!‘ – Am Nachmittag stand in den Blättern, dass die kochende Volksseele, infolge der behördlichen Geduld mit den jüdischen Geschäften, spontan zur Selbsthilfe gegriffen habe.‘
Der sogenannte „deutsche Antisemitismus“ wird in dieser Schilderung eines unverdächtigen Augenzeugen ebenfalls als Propaganda entlarvt.
Bis heute wird er dem deutschen Volk insgesamt vorgeworfen.
Und nun auch noch den Muslimen insgesamt.
Dabei soll nicht geleugnet werden, dass es einige „gesteuerte“ Gestalten gab und gibt, die wie heute die „Terroristen“ von Paris, Nizza, Berlin und London, mit ganz bestimmten Zwecken agieren und dabei merkwürdigerweise immer ihre Ausweise hinterlassen oder unter Beobachtung der Geheimdienste standen. Diese Leute werden im Französischen "agents provocateurs" genannt, was die Sache genau trifft.
Inzwischen sollte bekannt sein, dass „Anlässe“ in der Regel von interessierten Kreisen im Hintergrund „inszeniert“ werden, so wie es offenbar in der „Reichkristallnacht“ der Fall war.
Auch der Sechstagekrieg hat eine Vorgeschichte. Er war angeblich ein Präventivkrieg, um Ägypten und Jordanien, die mit ihren Armeen auf die Grenzen des Staates Israel zumarschiert waren, zu „entwaffnen“. In Wirklichkeit ging es aber um „Wasser“.
Wie man Wikipedia entnehmen kann, begann Israel bereits 1964 Wasser aus dem Jordan für seinen National Water Carrier[5] abzuleiten.
„Im Jahr darauf begannen die arabischen Staaten mit der Umsetzung des Headwater Diversion Plans, dem zufolge der Banyas-Strom und der Hasban[6] hätten umgeleitet werden sollen, mit der Folge, dass Israel von diesen essenziellen Wasserquellen abgeschnitten worden wäre. Diese Maßnahme hätte 11% des gesamten Wasserhaushaltes Israels betroffen. Die israelische Armee griff das Kanalprojekt im März, Mai und August 1965 an und setzte damit gegenseitige gewaltsame Grenzkonflikte in Gang, welche direkt mit den Ereignissen im Zusammenhang stehen, die zum Sechstagekrieg führten.“ (Wikipedia)[7]
Zuerst nahmen die israelischen Kolonisatoren das Land, dann das Wasser.
Es ging lediglich um 11%.
Das Ziel des Sechstagekrieges waren vermutlich von vorneherein die syrischen Golanhöhen mit dem Zugang zum Jordan und den anderen Quellflüssen, aus denen die Israelis heute den Großteil ihres Trinkwassers beziehen, wobei man bedenken muss, dass ein Israeli ungefähr das Zehnfache an Wasser verbraucht wie ein „schmutziger“ Palästinenser.
Geschichtliche Wahrheit ist mühsam zu entschlüsseln. Das wissen die Akteure und deshalb agieren sie weitgehend ungehindert.

Und alle, die sich die Mühe machen, die Wahrheit herauszufinden, werden mit schönen Schlagwörtern stigmatisiert. Dazu gehört auch der beliebte „Antisemitismus-Vorwurf“.




[3] Siehe James Barr, A line in the Sand – Britain, France and the Struggle that shaped the Middle East, Simon & Schuster, UK, 2011
[4] „Die spirituellen Hintergründe der äußeren Welt – Der Sturz der Geister der Finsternis“ (GA 177), neunter Vortrag, Dornach 14. Oktober 1917
[6] Banyas und Hasban sind zwei von drei Quellflüssen des Jordan