Freitag, 29. März 2019

Eine Begegnung mit einem wirklichen Vertreter des deutschen Volkes - Erhard Eppler


Bis heute habe ich gezögert, darüber zu schreiben; bis heute habe ich gewartet und darüber nachgedacht, was ich vor einer Woche erleben durfte. Nun will ich es wagen, darüber – wie immer – stammelnd zu schreiben:
Am vergangenen Freitag stellte der evangelische Theologe Paul Dieterich seine im Mai 2018 in zweiter Auflage erschienene umfangreiche Biographie Erhard Epplers[1] im Haller „Haus der Bildung“ vor.
Natürlich bin ich hingegangen.



Seitdem ich Erhard Epplers verhältnismäßig dünne Selbstbiographie „Links leben“ gelesen habe, interessiert mich dieser 1926 in Ulm geborene, in Schwäbisch Hall aufgewachsene und auf dem Haller Friedensberg wohnhafte SPD-Politiker noch mehr als früher, als ich ihn kurz nach 9/11 bereits einmal bei einem Vortrag mit anschließender Diskussion in unserem Ellwanger Gymnasium erleben durfte, wohin ihn Inge Barth-Grötzinger innerhalb ihrer Reihe „Erzählcafe“ eingeladen hatte.
Nun war der 92-jährige Patriarch von seinem Berg herabgestiegen und nahm neben dem 77-jährigen ehemaligen Dekan von Schwäbisch Hall und Prälat von Heilbronn, Paul Dieterich Platz. Auch diesen hervorragenden Theologen habe ich in meiner Funktion als Laienvorsitzender des Rechenberger Kirchengemeinderates (von 2001 – 2015) schon einmal persönlich kennenlernen dürfen.
In dem Raum sitzen etwa 60, meist ältere Menschen. Ich finde einen Platz in der zweiten Reihe zwischen dem ehemaligen Stadtrat Dr. Müller und Frau Colette Deutsch, der Witwe des Kunsthistorikers Wolfgang Deutsch, der insbesondere über Sankt Michael geforscht und veröffentlicht hat. Unmittelbar vor mir sitzen der SPD-Vorsitzende und Rechtsanwalt Nikolaos Sakellariou und der Redakteur des Haller Tagblatts Norbert Acker.
Eigentlich war der Abend als „Lesung“ angekündigt. Jedermann erwartete, dass Prälat Dieterich aus seinem in einer Miniauflage von nur 500 Exemplaren vom Nürtinger „Denkhaus-Verlag“ gedrucktem Buch vorlesen würde. Dann kam es aber ganz anders und der Abend wurde zu einem faszinierenden Dialog auf höchstem geistigem Niveau: Paul Dieterich, der für sein Buch 37 Tonbänder mit jeweils durchschnittlich zweistündigen Gesprächen, die er mit Erhard Eppler in den vergangenen Jahren führen konnte, ausgewertet hat, gab Erhard Eppler Stichwörter und stellte anhand der Biographie Fragen, beginnend mit der Mutter, auf die Erhard Eppler in leisem Ton und intellektuell brillant antwortete.
Das „Gespräch“ dauerte knapp zwei Stunden und es war vollkommen still im Raum; jedermann konzentrierte sich auf die Worte des feinsinnigen Menschen, der hier aus seinem Leben erzählte. Keine Spur von Hochmut war bei ihm zu erleben, sondern nur Bescheidenheit und Altersweisheit. Keine Polemik, keine Anklage. Nicht einmal die in das Dritte Reich verstrickten Menschen, die den 15-jährigen in die Waffen-SS holen wollten, erfuhren eine Abwertung. Sein Redestil war sachlich und ruhig und dabei immer von einer rhetorischen Brillanz, bei der der Zuhörer gespannt auf die Schlussformulierung wartete, in der es oft eine überraschende Wendung oder humorvolle Pointe gab.
Mir wurde klar, dass der Impuls, den dieser Politiker in sich trug, ein geistiger war, der Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg in eine ganz andere Richtung geführt hätte, als es dann geschah. 
Erhard Eppler hatte bereits als Politiker einen weiten Geist und er sah Entwicklungen beinahe hellsichtig voraus, für die jedoch die meisten anderen Politiker noch gar keinen Sinn hatten. Er war zum Beispiel 1952 bereit, auf die Stalin-Noten einzugehen, mit denen der Diktator das Angebot machte, die Wiedervereinigung der beiden Teile Deutschlands zuzulassen, wenn sich das wiedervereinigte Deutschland bereit erklärte, neutral zu bleiben, also nicht Mitglied des militärischen Nordatlantik-Paktes (NATO) zu werden.
Leider war die Mehrheit der Abgeordneten, die unter dem Bundeskanzler Konrad Adenauer eine Westbindung bevorzugten, weil sie in den USA den natürlichen Verbündeten sahen, mit dem sie sich gegen den Kommunismus der Sowjetunion zur Wehr setzen konnten, dagegen und schlug jene erste Chance zur deutschen Wiedervereinigung und zur damit verbundenen Neutralität Deutschlands hochmütig aus.  Das aber war genau der Beginn eines Weges, der zum „Kalten Krieg“ führte und in veränderter Form bis heute Mitteleuropa unter dem Einfluss der US-Imperiums in eine unglückselige Rolle gegenüber Russland geführt hat, insbesondere nach der 1990 tatsächlich mit Hilfe Michael Gorbatschows erfolgten Wiedervereinigung, als nämlich kurz darauf das westliche Versprechen an Russland gebrochen wurde, auf eine Osterweiterung der NATO zu verzichten.
Erhard Eppler hat also früh erkannt, dass die Rolle Deutschlands nur eine vermittelnde zwischen Ost und West sein kann.
Als der 21-jährige Student der Germanistik und Geschichte 1947 für zunächst zwei Semester zusammen mit elf weiteren ausgesuchten Studenten aus ganz Deutschland von Schweizer Demokraten in die Hauptstadt Bern eingeladen wurde, hörte er 1948 im Berner Münster auch den bekannten evangelischen Theologen Karl Barth (1886 – 1968)[2], der „über die Kirche in Ost und West“ sprach. Dieser Vortrag hat ihm „großen Eindruck“ gemacht. Paul Dieterich meint sogar, dass dieser Berner Vortrag „im Leben Epplers Weichen gestellt“ habe (S 104):
„Barth sieht, dass beide Mächte, Amerika und Russland, miteinander um die Macht kämpfen. Sie spielten sich als ‚Lehrer, Gönner, Beschützer, Wohltäter – oder sagen wir es deutlich: Herren‘ auf. (…) ‚Nicht mittun bei diesem Gegensatz‘, rät Barth. ‚Mit dem Evangelium im Herzen und auf den Lippen können wir zwischen jenen beiden streitenden Riesen nur mitten hindurch gehen mit der Bitte: Erlöse uns von dem Bösen‘. Barth plädiert für christliche Ernüchterung und dafür, nicht auf der einen Seite das Gute, auf der anderen Seite das Böse zu sehen, nicht Partei zu ergreifen für die eine oder andere Seite; der Weg der Gemeinde könne nur ein dritter, ihr eigener sein.“
Auch dem späteren Bundespräsidenten Gustav Heinemann (1899 – 1976)[3] begegnet Eppler damals in Bern zum ersten Mal. Später wird Erhard Eppler Mitglied in der durch Heinemann gegründeten „Gesamtdeutschen Volkspartei“ (GVP), einem leider ebenfalls gescheiterten Versuch, eine christliche Alternative zu den etablierten Parteien zu schaffen. Heinemann, der 1949 Innenminister im ersten Kabinett Adenauer gewesen war, hatte die CDU und sein Amt 1952 verlassen, als der Kanzler seinen Ministern Andeutungen über eine Wiederbewaffnung Westdeutschlands gemacht hatte. Auch die anthroposophische Historikerin Renate Riemek (1920 – 2003)[4] wurde wie Erhard Eppler Mitglied in der GVP.
Es kann eigentlich gar nicht anders sein, als dass sich die beiden Repräsentanten des wahren deutschen Volksgeistes, die unter Gustav Heinemann nach der zukünftigen Bestimmung Deutschlands suchten[5], damals getroffen haben: die Breslauerin Renate Riemek und der Ulmer Erhard Eppler. Aber diesen Teil der Geschichte verschweigt der evangelische Theologe in seiner umfangreichen Biographie, die sonst nur Bundeskanzlern in solcher Ausführlichkeit gewidmet werden, wie Erhard Eppler im Gespräch selbstironisch anmerkt. Außerdem bleibt selbstverständlich die Tatsache unerwähnt, dass die Stadt Bern im September 1910 das Forum bot für den Zyklus, den Rudolf Steiner über das Matthäus-Evangelium hielt.
Dafür erwähnt Paul Dieterich die starke Prägung Epplers durch den dänischen Philosophen Sören Kierkegaard (1815 – 1855), dessen Schriften der Student durch seinen Berner Lehrer und Hausvater Arnold Gilg (1887 – 1967)[6], einen „Altkatholiken“, der im Jahre 1925 an der Berner Universität eine Vorlesung über Kierkegaard gehalten hatte, die 1926 als Buch veröffentlicht wurde, kennen lernte.
In seiner vor drei Jahren (2016) erschienenen Autobiografie „Links leben“ betont Erhard Eppler selbst, wie wichtig ihm das „Neue Testament“ damals geworden ist. Paul Dieterich ergänzt: „Umso erstaunlicher, dass der 89-Jährige in Erinnerung an seine Lektüre des Neuen Testaments in Bern seine Stellung zu Jesus Christus thematisiert. Natürlich sei es bisher immer misslungen, aus den vier Evangelien so etwas wie eine Biographie Jesu abzuleiten. ‚Und doch trat aus diesen vier großen Predigten ein Mensch hervor, der mich faszinierte.‘“ (S 103)
Das erinnert mich unmittelbar an den Anfang des ersten Vortrages, den Rudolf Steiner am 1. September 1910 in Bern hielt:
„Es ist jetzt das dritte Mal, dass mir hier in der Schweiz die Möglichkeit geboten ist, von einer gewissen Seite her das größte Ereignis der Erd- und Menschheitsgeschichte zu besprechen. Das erste Mal war es, als in Basel gesprochen werden durfte über dieses Ereignis von jener Seite her, zu der das Johannes-Evangelium die Veranlassung bietet; das zweite Mal, als jene Charakteristik dieses Ereignisses gegeben werden durfte, zu welcher das Lukas-Evangelium die Unterlage bietet; und dieses Mal, also zum dritten Mal, soll der Impuls zu dieser Schilderung ausgehen vom Matthäus-Evangelium. Es ist von mir des öftern angedeutet worden, dass gerade darin etwas Bedeutungsvolles liegt, dass uns dieses Ereignis in vier, scheinbar in einer gewissen Weise sich unterscheidenden Urkunden aufbewahrt ist. Was gewissermaßen der heutigen äußeren materialistischen Gesinnung Veranlassung gibt, mit einer negativen, zersetzenden Kritik einzugreifen, das ist gerade das, was nach unserer anthroposophischen Überzeugung als bedeutungsvoll erscheint.“[7]
Rudolf Steiner hat, wenn er vom Christusereignis spricht, eine viel weitere Perspektive als die in ihren menschlichen Anschauungen und Widersprüchen gefangenen Theologen, wenn er es als „das größte Ereignis der Erd- und Menschheitsgeschichte“ bezeichnet.
Karl Barth war einer der führenden protestantischen Theologen des 20. Jahrhunderts, der als schweizerischer Dorfpfarrer das „Erschrecken“ durch den Ersten Weltkrieg erlebt hatte, das viele andere Theologen, so auch der evangelische Theologe Friedrich Rittelmeyer, der spätere Begründer der Christengemeinschaft, auch erleben mussten. Gerhard Wehr charakterisiert Karl Barth in seiner Rittelmeyer-Biographie[8] so:
„Wie Rittelmeyer, so hatte auch der knapp 15 Jahre jüngere Barth einst die Schule von Adolf von Harnack durchlaufen. Doch dessen theologische Position befremdete ihn mehr und mehr, zumal Harnack sowie andere gefeierte Theologen und Philosophen zu jenen 93 deutschen Intellektuellen gehörten, die zum Zeitpunkt des Kriegsausbruchs 1914 die Machtpolitik Kaiser Wilhelms II. als das Gebot der Stunde priesen und den Kampf ‚gegen eine Welt von Feinden‘ moralisch geradezu als von Gott geboten ansahen. (…) Epochemachend sollte die Römerbrief-Auslegung Barths werden. (…) Die in dieser Predigt zum Ausdruck kommende Botschaft lässt sich auf die knappe Formel bringen: Gott ist im Himmel, der Mensch auf der Erde. - Es gibt vom Menschen her keinen Weg zu Gott, nur den Weg Gottes zu den Menschen, nämlich durch Christus. Kierkegaard folgend spricht Barth vom ‚unendlichen qualitativen Unterschied‘ zwischen Zeit und Ewigkeit. Mithin sei alles religiöse Bemühen zum Scheitern verurteilt. Ja, ‚Religion ist Unglaube‘, ein Irrweg menschlicher Hybris. Religiöse Erfahrung ist wie jedes spirituelle Streben verpönt, weil es dem menschlichen Leistungswillen entstamme, mithin ‚unevangelisch‘ und antireformatorisch sei.“
Interessant ist noch folgende Bemerkung Gerhard Wehrs:
„Und wie Barth selbst über das dachte, was in Dornach – also in seiner relativen Nachbarschaft – vorging, verrät einer seiner Rundbriefe an die Gesinnungsgenossen. Da liest man unter dem 23. Januar 1923: ‚Von dem Brande des Goetheanums haben wir mit Genugtuung Kenntnis genommen.“
Anthroposophie ist demnach „Ketzerei“ und wird bis heute leider von den meisten Theologen der beiden Konfessionen abgelehnt.
Aber Gott hat einen langen Atem und er kann auch warten, bis selbst die Theologen der christlichen Konfessionen wieder zu ihm finden…
Für mich ist es ein Wink höherer Geistesmächte, dass der feinsinnige Geist und klarsichtige Politiker Erhard Eppler, der heute auf einem Berg über der Michaels-Stadt Schwäbisch Hall wohnt, der einst der „Galgenberg“ genannt wurde, und der auf seine eigene Initiative hin heute „Friedensberg“ heißt, in unmittelbarer Nachbarschaft eines Haller Unternehmerehepaars lebt, das zu den Mitbegründern der hiesigen Christengemeinschaft gehört.
Diese Signatur des Schicksals ist nicht die erste und wird nicht die letzte sein, die sein zukünftiges Schicksal in positiver Weise lenken wird.



[1] Erhard Eppler, Leben, Denken und Wirken, eine Biographie bis zum Wendejahr 1989, denkhaus-Verlag, Nürtingen
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Barth Leider ist der Film „Gottes fröhlicher Partisan“ von Peter Reichenbach (Deutschland 2017) nicht mehr verfügbar. Siehe auch: https://www.evangelische-aspekte.de/gottes-froehlicher-partisan/  https://www.medienzentralen.de/medium41791/Gottes-froehlicher-Partisan-Karl-Barth
[5] Eppler: „Das ist der Typ von Politiker, den wir jetzt brauchen.“ (Dieterich, S 103)
[7] GA 123, 1. Vortrag.
[8] Gerhard Wehr, Friedrich Rittelmeyer, Sein Leben, Religiöse Erneuerung als Brückenschlag, Verlag Urachhaus, Stuttgart, 1998, S 136f

Samstag, 9. März 2019

Zu Ravaglios Kritik an Prokofieff


Vorgestern und vorvorgestern erreichten mich zwei antiquarische Bücher von Friedrich Hiebel, die ich bestellt hatte. „Der Tod des Aristoteles“ und „Boethius, der römische Retter des Aristoteles“. Der im Jahre 1903 geborene Germanistikprofessor, der ab 1963 auch Vorstandsmitglied der Anthroposophischen Gesellschaft und ab 1966 Leiter der „Sektion für Schöne Wissenschaften“ am Goetheanum war, verarbeitet die Biographien der beiden großen Philosophen in zwei Romanen, die ich noch vor unserer Reise auf die Insel Samothrake lesen möchte.
Gestern nun las ich das erste Drittel des neuesten „Anthroblog“ von Lorenzo Ravaglio (vom 5.März 2019, aktualisiert am 9. März 2019) über „Anthroposophie im 21. Jahrhundert“, in dem er sich kritisch mit dem 1982 erschienenen ersten Buch von Sergej O. Prokofieff (1954 – 2014) auseinandersetzt, das ich auch mit zwiespältigem Interesse gelesen habe: „Rudolf Steiner und die Grundlegung der neuen Mysterien“.
Lorenzo Ravaglio, der sich ebenfalls erstaunlich gut im Werk Rudolf Steiners auskennt und in seinem Büchlein „Zanders Erzählungen“ dem Religionswissenschaftler Helmut Zander in seiner zweibändigen kritischen Untersuchung über „Anthroposophie in Deutschland“ einige Irrtümer und Fehler nachgewiesen hat, beginnt seinen Essay mit folgender Feststellung:
„Prokofieffs Buch über die Grundlegung der neuen Mysterien stellt den Höhepunkt der Ausgestaltung jenes spirituell-sozialen Mythos dar, dessen Ausgangspunkt und Gravitationszentrum bis heute Rudolf Steiner bildet“[1]
Neben diesem Einleitungssatz, der in kürzester Form das Leitmotiv des ganzen Essays anreißt, steht ein Foto des jungen Russen aus dem Jahr 1982, das ihn so traurig und ernst zeigt, wie später die Fotos des Vorstandsvorsitzenden, der 2013 – nach einer bitteren Auseinandersetzung mit Judith von Halle, die er nicht persönlich empfangen wollte – schwer erkrankt und am 26. Juli 2014 im Alter von nur 60 Jahren verstorben ist.
Dieser Neffe des Musikers gleichen Namens hat schon mit 28 Jahren ein Buch veröffentlicht, in dem er zeigt, wie sehr er sich in die Gesamtausgabe Rudolf Steiners eingelesen hat. Ich glaube durchaus, dass es sich dabei um ein inspiriertes Werk handelt, das aus seiner idealistischen Seele entsprungen ist. Wenn man es jedoch in der Übersetzung von Ursula Preuß[2] liest, so kommt es einem streckenweise gezwungen intellektuell vor. Die von seinen eigenen unmittelbaren Christuserfahrungen inspirierte (russische) Seele versucht, ihre Erlebnisse mit oder an Rudolf Steiner mit der Hilfe westlicher Intellektualität darzustellen. Er hatte nicht den „Mut“ – wie Wladimir Solofieff – die künstlerische Form zu wählen. Ich glaube, das ist seine ganze Tragik.

Manche hielten den jungen Mann, der Ende der 70er Jahre durch die Straßen von Moskau ging und die Menschen ansprach, die er für geeignet hielt, in der Metropole der Sowjetunion einen – damals noch verbotenen – „Zweig“ zu gründen, der dann auch zustande kam und jahrelang im Untergrund wirken musste, für die Reinkarnation Rudolf Steiners. Das deutet Ravaglio in einer Fußnote auch an, indem er zunächst vorbereitend schreibt:
„Steiners ‚eigener Lebensgang‘ muss als ‚Urbild des modernen Einweihungsweges‘ betrachtet werden (PR, 19). Wer diesen Einweihungsweg, den Steiner wohlgemerkt in persona verkörpert (und nicht nur in unterschiedlicher Form schriftlich sowie mündlich geschildert hat), verstehen und womöglich beschreiten will, muss ‚die Schleier von den verborgenen Schichten seines Lebens‘ ‚lüften‘.“
Rudolf Steiner werde, so Ravaglio, durch Sergej Prokofieff zum „Welterlöser“ stilisiert, der von Christi Schüler zum Lehrer geworden sei. Er vermochte ab dem Zeitpunkt seiner persönlichen Begegnung mit dem Christus „als persönlicher Zeuge und Diener Christi“ Seelen „zu jener heiligen Pforte zu führen, durch die sich der vom Christus gesandte Heilige Geist ausgießt“ (PR, 20)
Immer mehr wird Rudolf Steiner unter der Feder Prokofieffs jener „Übermensch“, von dem schon Nietzsche und Solowieff sprachen, der mit nahezu übermenschlicher Anstrengung seine (mehrfache) Erdenmission zu erfüllen sucht.
Ich kann Prokofieff trotz aller Kritik gut verstehen: Er sieht in Rudolf Steiner die außergewöhnliche Individualität, die er tatsächlich war. Aber in all seinen späteren Werken und Vorträgen trägt Prokofieff leider dazu bei, Rudolf Steiner, den er mit Recht verehrt, zu einem unnahbaren Heiligen zu erheben. Er folgt dabei dem verhängnisvollen Beispiel der Kirche, die aus Christus, seinen Jüngern und seinen Nachfolgern unnahbare Wesen gemacht hat, die weit über dem Menschen stehen und zu denen man nur noch durch fromme Verehrung und Gebet Zugang finden kann. Dass sie in Wirklichkeit alle auch Menschen mit ihren Fehlern und mit ihren Schwächen waren, wird dabei ausgeblendet. Dabei muss man nur an den Apostel Petrus denken, der seinen Herrn dreimal verleugnet hat, oder an Judas, der seinen Herrn im besten Glauben verraten hat, weil er meinte, Jesus sei so unverwundbar, dass er seine Feinde ohne Problem besiegen könne.
All diese Projektionen beruhen auf Missverständnissen.
Durch solche Missverständnisse, die durch Prokofieff tüchtig befördert wurden, erwartet die Mehrheit der Anthroposophenschaft die Reinkarnation Rudolf Steiners als eines genialen Geistes, der in der Öffentlichkeit wirkt.
Vielleicht ist er jedoch genau das Gegenteil. So wie der große Eingeweihte Manu als „tumber Narr“ Parzival wiedergeboren wurde, der vergaß, die richtige Frage zu stellen und deshalb fünfeinhalb Jahre durch halb Europa irren musste, bis er seine Mission, den bisherigen Gralskönig zu erlösen, vollenden konnte, so wird auch Rudolf Steiner, wenn er wiederkommt, kaum als „Genie“ in der Öffentlichkeit auftreten und „Vorträge“ halten.
Er wird nur jenen als der, welcher er ist, erscheinen, die ihn innerlich als solchen wahrnehmen. Und das wird mit Sicherheit nur ein kleines Häuflein sein.



[2] Ursula Preuß war Lehrerin an der Stuttgarter Waldorfschule am Kräherwald. Ich habe bei ihr Ende 1979, während meiner Ausbildung zum Waldorflehrer, ein Praktikum gemacht.

Donnerstag, 7. März 2019

Im Netz des Antichristen


Unter dem Eindruck der Lektüre von Solowjews „Kurzer Erzählung vom Antichrist“ – zunächst in der Ausgabe von Ludolf Müller im Erich Wewel Verlag, München aus dem Jahre 1968 (3. Auflage 1977, am 3. 9.1979 in Stuttgart gekauft) – wird mir bewusst, dass ich auch mein ganzes Schreiben „sub specie antichristi venturi“ stelle.
Wenn es im neuen Testament an vielen Stellen heißt, seid wachsam, denn ihr wisset nicht, wann der Dieb kommt, so ist mir klar, wer der Dieb sein wird. In der Offenbarung des Johannes (Kapitel 13) wird er „der Antichrist“ genannt:
„Und ich sah ein Tier aus dem Meer steigen, das hatte zehn Hörner und sieben Häupter und auf seinen Hörnern zehn Kronen und auf seinen Häuptern lästerliche Namen. Und das Tier, das ich sah, war gleich einem Panther und seine Füße wie Bärenfüße und sein Rachen wie eines Löwen Rachen. Und der Drache gab ihm seine Kraft und seinen Thron und seine Macht. Und ich sah seiner Häupter eines, als wäre es tödlich wund, und seine tödliche Wunde ward heil. Und die ganze Erde verwunderte sich des Tieres, und sie beteten den Drachen an, weil er dem Tier die Macht gab, und beteten das Tier an und sprachen: wer ist dem Tier gleich, und wer kann wider es streiten? Und es ward ihm gegeben ein Maul, zu reden große Dinge und Lästerungen, und ward ihm gegeben, dass es mit ihm währte zweiundvierzig Monate lang. Und es tat sein Maul auf zur Lästerung gegen Gott, zu lästern seinen Namen und sein Haus und die im Himmel wohnen. Und ihm ward gegeben zu streiten wider die Heiligen und sie zu überwinden; und ihm ward gegeben Macht über alle Geschlechter und Völker und Sprachen und Nationen. Und alle, die auf Erden wohnen, beten es an, deren Namen nicht geschrieben sind von Anfang der Welt in dem Lebensbuch des Lammes, das erwürget ist. Hat jemand Ohren, der höre! Wenn jemand andere ins Gefängnis führt, der wird selber in das Gefängnis gehen; wenn jemand mit dem Schwert tötet, der muss mit dem Schwert getötet werden. Hier ist Geduld und Glaube der Heiligen!
Und ich sah ein zweites Tier aufsteigen von der Erde, das hatte zwei Hörner gleichwie ein Lamm und redete wie ein Drache. Und es übt alle Macht des ersten Tieres vor ihm, und es macht, dass die Erde und die darauf wohnen, anbeten das erste Tier, dessen tödliche Wunde heil geworden war. Und es tut große Zeichen, dass es auch macht Feuer vom Himmel fallen auf die Erde vor den Menschen; und verführt, die auf Erden wohnen, durch die Zeichen, die ihm gegeben sind, zu tun vor dem Tier; und sagt denen , die auf Erden wohnen, dass sie ein Bild machen sollen dem Tier, das die Wunde vom Schwert hatte und lebendig geworden war. Und es ward ihm gegeben, dass es dem Bilde des Tieres Geist gab, damit des Tieres Bild redete und machte, dass alle, welche nicht des Tieres Bild anbeteten, getötet würden. Und es macht, dass sie allesamt, die Kleinen und Großen, die Reichen und Armen, die Freien und Knechte, sich ein Malzeichen geben an ihre rechte Hand oder an ihre Stirn, dass niemand kaufen oder verkaufen kann, er habe denn dieses Malzeichen, nämlich den Namen des Tieres oder die Zahl seines Namens. Hier ist Weisheit! Wer Verstand hat, der überlege die Zahl des Tieres; denn es ist eines Menschen Zahl, und seine Zahl ist sechshundertsechsundsechzig.“
Es sind in diesem 13. Kapitel aus der „Apokalypse“ so viele rätselhafte Bilder enthalten, dass Generationen von Interpreten in den vergangenen 2000 Jahren versucht haben, sie zu entschlüsseln. Auch heute gibt es überall auf der Welt „Weltuntergangspropheten“, welche die Bilder wörtlich nehmen und auf unsere Zeit übertragen. Viele davon habe ich kennen gelernt, aber nicht wirklich ernst genommen.
Anders geht es mir mit der „Kurzen Erzählung vom Antichrist“, die Wladimir Solowjew am 26. Februar 1900 in der Duma in Sankt Petersburg vorgelesen und am nächsten Tag (Rudolf Steiners 39. Tauftag) in der Zeitschrift „Knishki Nedeli“ veröffentlicht hat.
Ich will und kann hier den Inhalt nicht zusammenfassen. Aber mir erscheint vieles, was dort geschildert ist, auf die erste Hälfte des 21. Jahrhunderts zuzutreffen. Vieles aber konnte Wladimir Solowjew noch nicht voraussehen: Die Entwicklung der Technik ist seitdem so weit fortgeschritten, dass es auch seine Vorstellungskraft übertraf. Inzwischen „hängen“ weltweit Millionen von „Usern“ an ihren Mobil-Telefonen und beten sie geradezu an. Wissenschaftler auf aller Welt arbeiten an „autonom“ fahrenden Autos und an der „künstlichen Intelligenz“. Es ist heutzutage durchaus vorstellbar, dass Menschen an der Hand oder am Kopf Chips eingebaut haben, mit denen sie bargeldlos bezahlen können. Die deutsche Sprache jedenfalls ist dieser Möglichkeit schon vorausgeeilt, wenn sie die „Smart-Phones“ die „kleinen intelligenten Telefone“ in den Händen „Handys“ nennt.
Die Entwicklung der technischen Möglichkeiten schritt in den vergangenen ca. 33 Jahren rasant voran – seitdem die Firma IBM 1985/86 Millionen von Personalcomputern auf den Markt „werfen“ konnte, welche die Firma erst sechs Jahre (1980/81) zuvor entwickelt hatte.
Es ist von zwei Tieren die Rede, einem zehnhörnigen aus dem Meer und einem zweihörnigen von der Erde.
Auch Solowjew redet von zwei Herrschern, dem Weltmonarchen und seinem Ratgeber Apollonius, der Feuer vom Himmel regnen lassen und die Menschen mit allerlei Zauberkünsten blenden kann.
Was ist das Internet und all seine Möglichkeiten anderes als zauberartiges Blendwerk, das in sich zusammenfällt, sobald man sich seiner eigenen Sinne wieder bedient und zum Beispiel am Morgen, statt im Computer ein Fenster zu öffnen, ein reales Fenster öffnet und auf den Gesang der Vögel lauscht!?
Millionen von Menschen tummeln sich heute stundenlang im Netz und merken nicht, dass sie das „Tier“ (oder den Drachen) anbeten. Der Ausdruck „worldwide web“ (www) basiert auf dem hebräischen Buchstaben „Waw“, der, wie alle hebräischen Buchstaben, gleichzeitig einen Zahlenwert hat. Der Zahlenwert des „Waw“ ist 6.
So huldigen wir der Zahl des Tieres, der 666, jedes Mal, wenn wir den beiden Tieren ins „Netz“ gehen.

Donnerstag, 28. Februar 2019

Die "Wahrheit" des Michael Cohen - Gedanken zur "Jüdischen Weltverschwörung"


Mein französischer Freund Claude erzählte mir am Dienstag am Telefon, dass er zurzeit ein in Frankreich erschienenes Buch lese, in dem nachgewiesen werde, dass „Zionisten“ hinter dem allgemeinen Kulturzerfall Europas stehen würden, ja dass dieser ganz gezielt betrieben werde. Wer genau diese „Zionisten“ sind, konnte er mir nicht sagen. Er erwähnte die Musik der Rolling Stones und der Beatles, in der destruktive Botschaften (Claude sagte: „satanistische“[1] Botschaften) enthalten seien, die von der weltweiten Jugend unbewusst aufgenommen worden seien und zum Niedergang der westlichen Kultur massiv beigetragen hätten.
Das Thema interessierte mich, weil ich mich persönlich betroffen fühle. Ich habe all diese Songs in meiner Jugend gehört und unzählige Hollywood-Produktionen angeschaut. Ich kann also mit Fug und Recht behaupten, dass mich diese Medienerlebnisse geprägt haben.
Allerdings habe ich immer versucht, darüber zu reflektieren und denke bis heute über alles, was ich sehe und höre nach. Deshalb kann mir niemand vorwerfen, dass ich einer billigen „Verschwörungstheorie“ anhängen würde, wie es schon geschehen ist.  Natürlich ist für einen weniger bewanderten Leser meiner Blog-Beiträge der Schritt vom „Medienkritiker“ zum „Anhänger einer jüdischen Weltverschwörung“ nicht sehr groß.
Je mehr ich mich jedoch mit meinen bescheidenen Möglichkeiten mit den Aktivitäten ganz bestimmter Netzwerke beschäftige, die Claude und andere wohl der Einfachheit halber unter dem Namen „Zionisten“ zusammenfassen, desto öfters stoße ich auf Zusammenhänge, die nicht gleich offenbar sind, sondern sich in der Regel „hinter den Kulissen“ abspielen. 
Es bedürfte einer ausführlichen Studie, diese Aktivitäten im Einzelnen nachzuweisen. Eine dieser Studien, Amerika betreffend, habe ich bereits vor über zehn Jahren gelesen: ich meine das umfangreiche, wissenschaftlich sauber gearbeitete Werk der amerikanischen Politik-Professoren John J. Mearsheimer und Stephen M. Walt, das 2007 unter dem Titel „Die Israel-Lobby – Wie die amerikanische Außenpolitik beeinflusst wird“ im Campus-Verlag auf Deutsch erschienen ist. In dem Buch werden folgende einflussreiche jüdische Lobby-Organisationen aufgeführt: ZOA (Zionist Organization of America), AIPAC (American Israel Public Affairs Committee), WINEP (Washington Institute for Near East Policy), ADL (Anti-Defamation-League), IPF (Israel Policy Forum), JINSA (Jewish Institute for National Security Affairs), MEF (Middle EAST Forum) und das AEI (American Enterprise Institute mit der Brooking Institution)
Wer sich, wie ich, die Mühe macht, den Aktivitäten dieser einflussreichen Netzwerke nachzugehen, kann nicht mehr leugnen, dass es innerhalb des „Auserwählten Volkes“ äußerst mächtige Kreise gibt, die im Hintergrund Ziele verfolgen, die nicht gerade „sehr christlich“ sind. Die bösartigste dieser Gruppen ist wohl die besonders mächtige Chabad-Lubawitsch-Sekte, der zum Beispiel auch Präsident Trumps Tochter und Schwiegersohn Jared Kushner angehören.
Im Grundlagenwerk der Sekte, „Likutai Amarin“ (auch „Tanya“ genannt)[2], wird behauptet, dass alle nichtjüdischen Babys als „kleine Dämonen“ gelten, nicht besser als Würmer, ja nicht einmal lebende Wesen, sondern bereits „tot“ sind. Wörtlich heißt es dort:
„Indessen sind die ‚kelipot‘ (bösen Kräfte) in zwei Stufen unterteilt, eine tiefere und eine höhere. Die tiefere Stufe besteht aus drei ‚kelipot‘, die allesamt unrein und böse sind und absolut nichts Gutes enthalten. Aus ihnen rühren und stammen die Seelen von allen Völkern dieser Welt, so auch ihre Körper.“
In dem Buch werden nur die „Juden“ als „Menschen“ bezeichnet.
Ich will mich nicht tiefer in diese „satanischen Verse“ einlassen, aber sie zeigen schlaglichtartig, wie rassistisch und inhuman das Menschenbild dieser orthodoxen chassidischen Sekte ist. Leider ist es unter den Kreisen einflussreicher Juden weit verbreitet.
Anlass für meine Wiederaufnahme dieses Themas ist ein ganzseitiger Beitrag in unserer Tageszeitung heute (Haller Tagblatt vom 28.Februar 2019) mit der Überschrift „Ich bin hier, um die Wahrheit über Herrn Trump zu erzählen“. Der diese Worte gesprochen hat, ist der bereits wegen Meineids zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilte ehemalige Anwalt des amerikanischen Präsidenten, der Jude Michael Cohen. Er nennt seinen ehemaligen Arbeitgeber einen „Hochstapler, Betrüger und Rassisten“.
Was auch immer an seinen Geschichten stimmen mag, es ist in meinen Augen eine unappetitliche Schlammschlacht. Ich bin kein „Trump-Anhänger“, aber ich finde es im tiefsten Sinne unmoralisch, wenn ein langjähriger Anwalt und Anhänger Trumps nun aus irgendwelchen undurchsichtigen Gründen wieder einmal die Seiten wechselt. Dieses Changieren zwischen den Parteien – Cohen war lange Zeit Anhänger der Demokraten und ist dann zu den Republikanern übergewechselt – ist einfach bezeichnend für seinen Charakter. Noch bezeichnender aber sind seine Geschäfte: Er hat sich praktisch das Monopol auf alle Taxi-Unternehmen New Yorks erkauft, seinen Reichtum vor allem, ähnlich wie sein langjähriges Vorbild Trump,  mit dubiosen Immobiliengeschäften „erwirtschaftet“, und er ist mit einer mit russischen Mafia-Kreisen verbundenen ukrainischen Jüdin verheiratet[3]. All das macht aus diesem Mann nicht gerade einen Vertrauensträger.
Der Bericht von der Kongress-Sitzung, der heute auch auf der zweiten Seite der Bildzeitung prominent „gepostet“ wurde, scheint mir eine gezielte PR-Kampagne zu sein, um dem Präsidenten, der sich im Augenblick in Hanoi um den Frieden mit Nordkorea bemüht, „ans Bein zu pinkeln“.
Dass auch Herr Trump nicht unbedingt als „lupenreiner Demokrat“ bezeichnet werden kann, ist allgemeiner Konsens; ebenso, dass er im Begriff ist, sein Land zu spalten. Dabei erscheint es mir besonders symptomatisch, dass sich die liberalen Juden (etwa von Hollywood) bei jeder Gelegenheit gegen ihren „unliebsamen“ Präsidenten aussprechen und dass zum Beispiel ein Milliardär wie der jüdische Börsenspekulant George Soros einen „Womens March“ gegen Donald Trump organisiert, dass im Gegensatz dazu aber die rechten Nationalisten Israels den 35. Präsidenten der USA bei jeder Gelegenheit feiern, ja ihm sogar bereits vor der Wahl in einer großen Versammlung innerhalb der AJPAC offen gehuldigt haben. 
Die jüdische Welt scheint gespalten zu sein. In Wirklichkeit aber steht wieder einmal das beliebte Prinzip des „Divide et Impera“ dahinter, das bereits 1917 bei der Aufspaltung der Welt in zwei Blöcke, den jüdisch-kommunistischen Ost- und den jüdisch-kapitalistischen Westblock, zum Ziel geführt hat.
Dies näher auszuführen ist hier nicht der Platz, aber jeder, der die Dokumente studiert, kann wissen, dass einige der reichsten jüdischen Bankhäuser die russische Revolution und insbesondere den kriminellen jüdischen Revolutionär Leo Trotzki (Lew Bronstin) massiv finanziell unterstützt haben.
Ich verwundere mich nur über die „Verwendung“ des Begriffes „Wahrheit“, der hier von einem Meineidigen schamlos in den Mund genommen wird.
Dieser Umgang mit der Sprache tut mir besonders weh. Er erinnert mich an das Motto der von interessierten Kreisen, die von der generellen Dummheit der Menschheit ausgehen, geförderten Theorie der „Flat Earth“: „Celebrate Truth!“ (Feiere die Wahrheit). Bei dieser unsinnigen Theorie handelt es sich um eine von dem Juden Sunstein, einst Berater Barak Obamas, initiierte und gepushte „Psycho-Operation“, die bis jetzt von Erfolg gekrönt ist: Die Flat-Earth-Theorie hat inzwischen Millionen von Anhängern, die sich nur auf Informationen aus den sozialen Medien verlassen und keinerlei Hintergrundwissen in Mathematik und Astrophysik zu haben scheinen. Mithilfe dieser „Würmer“ versucht Sunstein erfolgreich, im Namen der „Wahrheit“ bestimmte „Verschwörungstheorien“ zu diskreditieren. Wer also an eine Gruppe von Juden glaubt, die den Gang der Welt in ihrem Sinne lenken will, der wird in die Nähe der Spinner von der Theorie der flachen Erde gerückt, denn er hängt einer ähnlich absurden „Theorie der Jüdischen Weltverschwörung“ an. Es gibt kein besseres Stigma, um die „verdeckten Aktionen“ der „Zionisten“ abzuschirmen.  Dem kommt nur das andere gleich: das Dogma vom „Antisemitismus“.
Wer die Augen offen hat und die Wahrheit wirklich liebt, der versteht nun, was da mit uns „Würmern“ gespielt wird.
Ab und zu wird die Wahrheit auch von Anhängern des „auserwählten Volkes“ ausgesprochen, so zum Beispiel bereits 1979 von dem israelfreundlichen Baptisten Jerry Falwell (1933 – 2007)[4]:
„Entgegen der rosigen und entschieden unrealistischen Erwartungen unserer Regierung (wegen des Camp-David-Abkommens unter dem Baptisten Jimmy Carter zwischen Israel und Ägypten), wird dieser Vertrag nicht von Dauer sein… Sie und ich wissen, dass es keinen echten Frieden im Mittleren Osten geben wird bis zu dem Tag, an dem unser Herr Jesus sich auf den Thron Davids in Jerusalem niederlässt. Dieser Tag kommt. Und ganz sicher werden Sie und ich ihn erleben. Doch bis dahin wird es keinen Frieden auf dieser Erde geben – bis der Friedensfürst, unser Retter, zurückkehrt.“
Ergänzend dazu führte der Rabbi Moshe Yess (1945 – 2011)[5] von der Chabat-Sekte – früher selbst Musiker und Promoter von  Psychedelic-Rock-Bands wie Jefferson Airplane und Crosby, Stills, Nash and Young, den Helden meiner Jugend, – im Jahre 2002 aus:
„Es ist sicher, dass Gott seine Prophetien erfüllen wird. Das wird nicht nur eine jüdische Privatveranstaltung sein. Die ganze Menschheit hat in der anstehenden entscheidenden Erlösung ihre Rolle zu spielen. Wir haben allen Anschein nach ein dauerhaftes Großreinemachen auf unserem Planeten zu erwarten. Hinaus mit den Schlechten (…), herein mit den Guten.“[6]
Im Hintergrund solcher Aussagen steht natürlich ein okkultes Wissen, von dem die meisten Menschen keine Ahnung haben, weil es immer noch ein „Geheimwissen“ ist.
Aber schon der russische Philosoph und Mariologe Wladimir Solowjow, der über okkultes Wissen verfügte und im Jahre 1900 kurz vor seinem Tod die „Kurze Erzählung vom Antichrist“ veröffentlichte, sagte voraus, dass in Jerusalem nicht der leibliche Messias, sondern „der Antichrist“ auf den „Thron Davids“ steigen werde.



[1] Was logisch erscheint, wenn man die Botschaften von Songs wie „Sympathy for the Devil“ von den Stones, „Helter Skelter“ von den Beatles oder „Hotel California“ von den Eagles genauer analysiert. Siehe: https://en.wikipedia.org/wiki/Helter_Skelter_(song)
[6] Die Zitate von Falwell und Rabbi Yess entnehme ich dem aufschlussreichen Buch „Erst Manhattan – Dann Berlin. Messianisten-Netzwerke treiben zum Weltende“ von Wolfgang Eggert, Chronos-Medien, München, 2005. Der Titel des Buches bezieht sich auf einen Song des von mir sehr verehrten Sänger-Songschreibers Leonard Cohen.

Sonntag, 17. Februar 2019

Natürliches und künstliches Licht - ein Seminar mit Raphael Kleimann


Irgendwie bin ich verwirrt.
Wieder einmal habe ich das Gefühl, dass ich noch unendlich viel lernen kann, ja, dass ich bisher in bestimmten Bereichen einfach ahnungslos war. Ich spreche von der Qualität des künstlichen Lichtes, auf die ich erst am Donnerstagabend durch den Vortrag von Raphael Kleimann aufmerksam wurde, nachdem ich mir bisher keine Gedanken darüber gemacht hatte.
Ich hatte mich eigentlich erst eine Stunde vor der Veranstaltung spontan für den Vortrag entschlossen, nachdem ich zuvor eher dazu geneigt war, ins Kino zu gehen, um mir den Film „Astrid“ über die Jugend von Astrid Lindgren anzuschauen. Da dieser Film aber am Sonntag noch einmal – vielleicht sogar zum letzten Mal – in unserem Haller Filmkunststudio „Convino“ (mit Wein) gezeigt wird, habe ich mich doch für den Vortrag entschieden.
Weder der Name des Vortragenden noch das Thema waren mir bekannt. Entscheidend war schließlich das Wort „Lichtmess“ in der Vorankündigung.
Da ich selbst seit Jahrzehnten den Jahreslauf und die kirchlichen Festtage intensiv miterlebe, ja eigentlich soweit ich denken kann, es schon immer getan habe, so hatte ich meinen Bezugspunkt. Ich war einigermaßen erstaunt, wie voll der neue Gemeinderaum im Erdgeschoss der neuen Kirche der Christengemeinschaft an diesem Abend war. Und dann begann der Vortrag mit physikalischen Untersuchungen des natürlichen und des künstlichen Lichtes anhand von zahlreichen Spektralanalysen, die Raphael Kleimann mit Hilfe eines Beamers an die Ostwand des Gemeinderaumes projiziert hat. Schließlich zündete er sogar noch vier Kerzen an dieser Ostwand an, damit wir den Unterschied wahrnehmen konnten (ich hatte dafür mein Feuerzeug geliehen und eben, wo ich diese Zeilen schreibe, merke ich, dass ich es nicht zurückbekommen habe).
Die wissenschaftlichen Versuche, die Raphael Kleimann präsentierte, zeigten mir, dass es tatsächlich qualitative Unterschiede zwischen den verschiedenen künstlichen Lichtformen gibt, die man aus einer Spektralanalyse ablesen kann.
Ich bin kein Naturwissenschaftler, aber ich verstehe die Bilder, die er einem Laienpublikum zeigt, weitgehend. Zum Teil habe ich auch in meinem Geographie-Unterricht über das Spektrum von Infrarot bis Ultraviolett gesprochen, wenn ich den Unterschied zwischen Absorption durch dunkle und Reflexion durch helle Flächen erklärte, der maßgeblich für das Wettergeschehen und das Klima ist: Dunkle Flächen strahlen Wärme aus und lassen die über dem Boden oder dem Wasser erwärmte Luft aufsteigen, was zu einem Tiefdruckgebiet führt, während weiße Flächen, wie sie großflächig über den Polen zu finden sind, die Sonneneinstrahlung reflektieren, so dass sich keine Wärme bilden kann. Über solchen Flächen fällt kalte Luft in einem fixen Hochdruckgebiet ab. Die Windsysteme und der Luftkreislauf der Erde sind also maßgeblich von der Einstrahlung des Sonnenlichtes abhängig. Über den Tropischen Regenwäldern entstehen täglich neue Zyklonen (Tiefdruckgebiete), über den Polen ausgedehnte Antizyklonen (Hochdruckgebiete). Das bringt das globale Windsystem in Gang, das allerdings in den mittleren Breiten noch einmal variiert wird von dem subtropischen Azoren-Hoch und dem über der Nordsee und dem Golfstrom sich bildenden „Island-Tief“. Die Luft auf der Erdoberfläche bewegt sich immer vom Hoch zum Tief. Durch die Erdrotation wird sie auf der Nordhalbkugel nach links, auf der Südhalbkugel nach rechts abgelenkt (Koriolis-Kraft). So viel Vorwissen brachte ich mit.
Nun ging es Raphael Kleimann aber nicht nur um physikalische Vorgänge, die unsere Körper betreffen, sondern, wie ich immer mehr bemerkte, um die Lebenskräfte, um das, was in der Anthroposophie der Ätherleib genannt wird.
Diese Lebenskräfte machen nicht nur aus der Erde einen lebendigen Organismus, wie er zum Beispiel in überbordender Form in den Urwäldern der Tropen zu erleben ist – so hat die Erde einen Wärme- und einen Kältepol – sondern auch aus dem Menschen. Der Wärmepol entspricht beim Menschen dem Metabolismus in den immer energiereichen Stoffwechselprozessen im Bauchbereich und der eher kühle Kältepol den Sinnesorganen im Kopf.
Natürlich findet auch im Gehirn Stoffwechsel statt, aber er ist dort – im Vergleich zum Bauch – auf ein Minimum reduziert.
Das Gehirn ist geradezu dafür prädestiniert, durch eine möglichst geringe Stoffwechseltätigkeit Bewusstsein zu schaffen. Dazu gehört das Wachleben des Menschen, man könnte auch sagen, das Tagesleben.
Durch das künstliche Licht wird dieses Tagesleben über das „natürliche“ Maß hinaus verlängert. Wir Menschen des 21. Jahrhunderts gehen in der Regel nicht mehr „mit den Hühnern“ ins Bett. Wir haben uns vom natürlichen Tagesrhythmus (und vom Jahresrhythmus) „emanzipiert“. Dass Bewusstsein einerseits mit Licht zu tun hat, leuchtet ein. Dass es aber andererseits auch mit Absterbe-Prozessen zusammenhängt, das wird einem erst deutlich, wenn man irgendwann vor Müdigkeit einschläft. Der Schlaf, der in der nächtlichen Dunkelheit stattfindet, regeneriert die Lebenskräfte im Gehirn und sorgt dafür, dass der Mensch, wenn er gut geschlafen hat, am nächsten Morgen wieder frisch und voller Energie an seine Tätigkeiten gehen kann. Ohne Schlaf würde der Mensch nach einigen Tagen sterben.
Da beim gesunden Menschen die Lebenskräfte in der Regel unbewusst wirken, bemerken wir sie nicht. Derjenige aber, der unter Schlafstörungen leidet und am nächsten Morgen nicht erfrischt aufwacht, erlebt sie als Mangel durchaus. Nun ist es eine erwiesene Tatsache, dass in den westlichen Industrieländern, in denen die Nacht durch künstliches Licht „zum Tag gemacht“ wird, immer mehr Menschen unter Schlafstörungen leiden.
Hier setzt Raphael Kleimann an, denn er hat verstanden, dass es das künstliche Licht ist, das unseren Schlaf und damit die Regeneration unserer Lebenskräfte beeinträchtigt. Der Gewinn, den uns das künstliche Licht durch höhere Wachheit beschert, wird durch einen hohen Preis bezahlt: wir verlieren Lebenskräfte, die gleichzeitig Gesundheitskräfte sind.
Der russische Wissenschaftler Kontratief (bzw. seine Nachfolger) hat das exakt vorausgesehen. Er spricht im Zusammenhang mit der Wirtschaft von fünf langen Wellen, die die Menschheit seit der Industriellen Revolution durchlaufen hat: Eisenbahn, Automobil, Chemie, Elektrizität, Informationstechnologie. Wir befinden uns jetzt am Anfang der sechsten langen Welle, welche vor allem die Gesundheitsindustrie als Wirtschaftszweig betrifft. Er nennt sie die „salutogenetische“ lange Welle.
Den Inhalt von Raphael Kleimanns Vortrag habe ich am vergangenen Freitagmorgen mit meinen laienhaften Worten zusammenzufassen versucht. Diese Zusammenfassung habe ich auf meiner Facebookseite unter der Rubrik „Gedanken zum Tag“ veröffentlicht. Ich war erstaunt über die Resonanz und die vielen Kommentare. Ich entdeckte, dass auch der Vortragende selbst einen Account auf Facebook hatte und machte ihm ein „Freundschaftsangebot“. Heute stellte ich erstaunt fest, dass Raphael meinen Beitrag sogar auf seiner Seite geteilt hat.
Raphael hatte bei seinem Vortrag versäumt, auf das Seminar hinzuweisen, das er am Wochenende in der Praxis von Nicole Rotzek in Wüstenrot-Neuhütten halten würde. Davon erfuhr ich jedoch auf der Homepage der „International Light Association“, die ich im Internet gefunden hatte. Zumindest den Samstag wollte ich mir freihalten und das Seminar zur Vertiefung der angerissenen Fragen besuchen.
Erstaunt stellte ich fest, dass Raphael am Samstagmorgen auch in der Menschenweihehandlung war. Er saß genau vor mir, während ich einen freien Platz links neben Nicole Rotzek fand.
In dieser Handlung erlebte ich zum ersten Mal, dass eine der sieben Kerzen während des Heiligen Geschehens erlöschte.
Der Altar des Weiheraumes, der, abweichend von anderen Kirchen, nach Süden und nicht nach Osten ausgerichtet ist, wurde also zunächst nur von sechs Kerzen beleuchtet. Bald kam aber das Sonnenlicht hinzu, das durch die vier Fenster an der Ostwand herein leuchtete. Es sollte ein strahlender Vorfrühlingstag werden.
In der anschließenden Betrachtung ging es um die Christophorus-Legende, die uns Frau Kristalli erzählte.
Anschließend erfuhr ich, dass Nicole und Raphael das Seminar ausfallen lassen wollten, weil sich zu wenig Teilnehmer angemeldet hatten. Weil aber schließlich doch noch ein kleines Grüppchen von sechs Menschen zusammenkam, war Raphael bereit, das Seminar, das eigentlich auf zwei Tage ausgelegt war, an einem Nachmittag durchzuführen. So lernte ich den Seminarraum der Heilpraktikerin Nicole Rotzek in Wüstenrot-Neuhütten kennen, der sich in einer umgewidmeten Kirche der dort sehr aktiven Methodisten-Gemeinde befindet.
In der Mitte des sehr schön gestalteten Raumes stehen noch zwei Säulen, die den Raum in zwei Hälften unterteilen. Ich musste gleich an die beiden Säulen vor dem Salomonischen Tempel, Joakim und Boas, denken.
In diesem säkularisierten Sakralraum fühlte ich mich sofort wohl.
Raphael Kleimann ging noch einmal auf einige eher technische Fragen zum künstlichen Licht ein und dabei erfuhr ich, dass die warmen Glühbirnen eher einen luziferischen, die Leuchtstoffröhren und Energiesparlampen eher einen ahrimanischen, die LEDs aber einen soratischen Charakter haben.
Das nahm ich einfach einmal so auf, ohne weitere Fragen zu stellen. Es leuchtete mir aber ein und so ließ ich es in meinen Gedanken stehen.
Anschließend fuhren wir hinaus zu einer sehr ländlich geprägten Hochebene, auf der einige Bäume mit Misteln wuchsen und machten zu siebt Wahrnehmungsübungen zum Tageslicht.
Ein wunderbarer blauer, aber sehr transparenter Himmel wölbte sich über uns, während der zunehmende Mond im Osten aufstieg und die Nachmittagssonne im Südwesten starkes, ja geradezu blendendes Vorfrühlingslicht ausstrahlte.
Wir hörten allerlei Vögel, aber konnten noch nicht den Duft der Erde riechen, in der die Sonnenwärme um diese Zeit das Leben wach zu küssen beginnt.
Neben einem Schilffeld, deren mannshohe Pflanzen noch winterlich hellbraun und welk aussahen und ähnlich wie die Gräser auf den Wiesen noch keinen Hauch von Grün zeigten, sahen wir die Spuren von Wildschweinen, die sich im Schilffeld verstecken und unmittelbar vor ihrer „Haustür“ nach leckeren Wurzeln wühlen.
Ich stellte mit Erstaunen fest, wie lange ich mich nicht mehr den Eindrücken der Natur hingegeben hatte.
Diese gemeinsamen Wahrnehmungsübungen und den darauffolgenden Austausch in der kleinen Gemeinschaft erlebte ich als sehr heilsam. Für diese seltene Gelegenheit bin ich Raphael Kleimann unendlich dankbar.
Nach den Licht- und Himmelsbeobachtungen wandten wir uns einer Weide zu, die in einem Talschluss stand, aus dem das Wasser einer Quelle hervorsprudelte, das ein Bächlein bildete, dessen Namen ich leider nicht erfuhr. Auch die Flurnamen, nach denen ich fragte, konnte mir niemand nennen, so dass ich auf einer topographischen Karte 1: 50.000 nachschauen muss.
Wichtig war aber die Lage der wunderbar kosmisch-runden Mistel, die sich – weil wir am Talhang standen – ungefähr in unserer Augenhöhe befand.
Wir versuchten nun, den Unterschied der Wachstumsgeste der Weide unterhalb und oberhalb der Mistel zu erleben und kamen zu erstaunlichen Ergebnissen: Erst oberhalb der Mistel begann die Weide sich zu verzweigen. Obwohl wir an der an manchen Ästen fehlenden Rinde bemerkten, dass hier auch Absterbe-Prozesse stattfinden, erlebten wir doch an den in den azurblauen Himmel ragenden neuen Trieben, die im Sonnenlicht goldgelb glänzten, eine Art Lebensfreude, ja sogar einen Jubel, als wollten sie singen: „Wir preisen das Licht!“
Unterhalb der Mistel hob sich ein vitaler, kräftiger Stamm aus dem Talboden. Hier sah ich auf einer Gefühls-Ebene den Willenspol, während die Zweige in der Höhe und im Licht für mich eher den Wahrnehmungspol bildeten.
Die Mistel mit ihren durchlässigen grünen Blättern – sie trug als einzige Pflanze in dieser Gegend ein kräftiges Dunkelgrün durch den ganzen Winter hindurch und stand unmittelbar vor der Blüte – erschien wie ein Herz oder wie ein Nabel, wie ein anderer Teilnehmer meinte.
Die Weide mit der Mistel war der höchste Baum in diesem Talschluss. Er hatte – auf einer Ich-Ebene betrachtet – die meisten Ichkräfte. Rechts oberhalb von ihr stand eine etwas kleinere Weide, die die größere mit einigen zarten Zweigen fast berührte. Ihr Stamm wuchs zunächst so, dass er sich von dem Stamm der größeren Weide entfernte, aber die Krone neigte sich dann wieder ihrem Partner zu.
Die beiden kamen mir vor wie Frau und Mann, die zwischen sich jedoch – wie es Khalil Gibran in seinem Gedicht über die Ehe so schön beschreibt – „Platz lassen“, so dass wir wie durch ein Tor die Streifen der Landschaft erblicken konnten: unten das noch zaghafte Grün der Wiesen, darüber das welke Hellbraun des Schilffeldes und darüber das helle Blau der Himmels über dem Horizont.
Wenn man die beiden Weiden als Mann und Frau sieht, wie ich es getan habe, dann sitzt die Mistel bei der „männlichen“ Weide genau dort, wo sich beim Mann das Geschlecht befindet. Nun erlebten wir die Doppelqualität der Mistel: einerseits die mondenartige runde Kopfform, die weit in die Vergangenheit (bis zum „alten Mond“) zurückreicht und oberhalb ihres Standortes alles Leben aus dem Wirtsbaum heraussaugt, so dass dieser im Sterbeprozess eine neue „Bewusstseinsebene“ erreicht, und andererseits die Zukunftsdimension der Mistel, wenn sie in der Lage sein wird, durch die von Raphael Kleimann und seiner norwegischen Frau Marianne seit etwa 1999 entwickelten Essenzen in ihrer Vitalität geschädigten Menschen neues Leben zu „zeugen“.
Zurück in den Seminarräumen erzählt uns Raphael von der Entwicklung dieser Essenzen. Er geht dabei auf den nordisch-germanischen Mythos von der Götterdämmerung ein, die Loki ausgelöst hat, als er dem blinden Hödur einen Pfeil auf den Bogen legte, der aus dem „Holz“ einer Mistel hergestellt worden war, ihm die Hand führt und so den Pfeil auf den Lichtgott Balder abschießt. Dadurch müssen alle Asen sterben. Nur der geheimnisvolle schweigsame Widar überlebt. Er sammelt die Lederreste des „Schuhmachers“ Odin und näht sich daraus einen Schuh, mit dem er in den Rachen des Fenriswolfes treten kann und den Widersacher besiegt, bevor er ihn als letzten der Asen-Götter verschlingen kann.
Durch irgendeine Inspiration kam Raphael Kleimann darauf, die Blüten der Mistel zu sammeln und nicht, wie die Forscher des Iscador-Institutes in Arlesheim, den Saft der Mistelbeere. Mit den aus den Blüten gewonnenen Essenzen experimentierten Raphael und seine Frau Marianne, indem sie die Fläschchen dem Morgenlicht und dem Abendlicht der Sonne aussetzten und sie dabei dynamisch schüttelten.
Die deutlichsten Ergebnisse bekamen sie erstaunlicherweise in der Karwoche des Jahres 2004. Weil sie mit hellsichtigen Menschen und echten Geistesforschern zusammenarbeiteten, fanden sie die besonderen Qualitäten der so hergestellten Essenzen bestätigt. Der Erfolg ihrer seitdem durchgeführten Therapien stellte sich nach und nach auch ein. Dabei ist es nicht einmal mehr nötig, die Essenzen oral einzunehmen.
Die passive Behandlung des „Patienten“ durch Medikamente, so sagt Raphael, werde immer weniger wirksam. Heute müsse der Client aktiv an seiner Gesundung mitarbeiten und dazu werden zwölf von insgesamt 59 Essenzen von Mistelblüten unterschiedlicher Bäume und Standorte so aufgestellt, dass sie einen Kreis bilden, der die Lebenskräfte des betreffenden Menschen harmonisieren, wenn er eines der Fläschchen, das individuell auf ihn „zugeschnitten“ ist, bewusst in der Hand hält. Zu den zwölf repräsentativen Essenzen gibt es zwölf Kunstdrucke mit entsprechenden Bildern, die man zusätzlich meditieren kann.
Beeindruckt von so vielen neuen Einsichten in eine heilsame Methode fahre ich gegen 18.00 Uhr von der Höhe des Mainhardter Waldes zurück hinunter auf die Haller Ebene in meine Heimatstadt.
Es war, als kehrte ich aus der Zukunft in die Gegenwart zurück.
Im Fernsehen sah ich mir dann noch die Preisverleihung der an diesem Abend zu Ende gehenden 69. Berlinale an. Welch ein krasser Gegensatz: in „Wüstenrot“ die Wahrnehmung des Lichtes in der Natur durch ein Häuflein von sieben offenen Menschen, in Berlin die Versammlung hunderter Menschen in einem nur von künstlichem Licht erleuchteten Kinopalast, die sich am „Glamour“ der Filmschaffenden und der „Stars“ ergötzten.

Mittwoch, 6. Februar 2019

Wiederholt sich Weimar?


Ich habe Lena zur Arbeit nach Uttenhofen gebracht und auf dem Rückweg ein Interview mit dem ehemaligen Verfassungsrichter und Autor Udo di Fabio (geboren 1954)[1] zur Weimarer Verfassung auf SWR2 gehört.
Heute vor 100 Jahren trat in Weimar die verfassungsgebende Nationalversammlung der neuen Republik zusammen – in Weimar und nicht in Berlin, weil die Hauptstadt des Deutschen Reiches durch sozialistische Aufstände seit der sogenannten „Novemberrevolution“ unsicher war. Am 19. Januar hatten die Deutschen zum ersten Mal in allgemeiner, gleicher, unmittelbarer und geheimer Wahl die Abgeordneten der verfassungsgebenden Nationalversammlung gewählt. Zum ersten Mal durften neben Männern ab dem vollendeten 20. Lebensjahr auch Frauen wählen.
Der jüdische Verfassungsrechtler Hugo Preuß (1860 – 1925) war der Hauptideengeber der Weimarer Verfassung. Er schuf unter anderem den Paragraphen 48, der Adolf Hitler in der „Notverordnung“ nach dem Reichstagsbrand am 27. Februar 1933 die Außerkraftsetzung der Grund- und Menschenrechte ermöglichte. Er kritisierte den Versailler Friedensvertrag und demissionierte am 20. Juni 1919, so dass es zu der absurden Situation kam, dass seine Unterschrift unter der Weimarer Verfassung, die doch auf ihn zurückging, fehlte.
Hugo Preuss, der aus dem sozialdemokratischen Lager kam, wollte der neuen Republik eine föderalistische Struktur geben. So entwarf er die Einteilung der Weimarer Republik in 14 voneinander unabhängige Freistaaten:

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/b/bc/Deutsches_Reich_Preuss.svg/1024px-Deutsches_Reich_Preuss.svg.png 

Interessant ist, dass in diesem Entwurf auch die Provinz Schlesien als Freistaat mit der Hauptstadt Breslau enthalten ist, die ja nach dem Zweiten Weltkrieg Polen zugeschlagen wurde.
Westpreußen und Posen waren bereits durch den Versailler Vertrag aus Deutschland herausgerissen worden, was dann zu dem Konflikt führte, der am 1. September 1939 zu dem von Hitler-Deutschland veranlassten „Überfall“ auf das neu gebildete feindschaftliche Staatsgebilde Polen, das dem Dritten Reich die Zufahrt zu der deutschen Hansestadt Danzig und nach Ostpreußen streitig machte, führte, woraufhin England unter dem stotternden König Georg IV. Deutschland am 3. September den Krieg erklärte.[2] Dieses Datum steht für den Beginn des Zweiten Weltkrieges, der eine sechsjährige Friedens- und Aufbauzeit (1933 – 1939) beendete und in eine ebenso lange Kriegszeit (1939 – 1945) mündete. In der Regel wird jedoch der „Überfall“ auf den polnischen Sender Gleiwitz am 1. September als Beginn des Zweiten Weltkriegs verzeichnet, was sachlich falsch, aber offensichtlich ideologisch gewollt ist.[3]
Außerdem sieht man auf der Karte der Weimarer Republik, wie sehr Deutschland in der Potsdamer Konferenz der Siegermächte im Jahre 1945 seiner Ostgebiete „beraubt“ wurde: Nicht nur Schlesien und Preußen gingen verloren und wurden Polen zugeschlagen; die Freistaaten Thüringen, Brandenburg und Obersachsen wurden unter sowjetische Herrschaft gestellt. 1949 entstand aus dieser „Sowjetischen Besatzungszone“ (SBZ) die Deutsche Demokratische Republik (DDR), ein sozialistischer Staat, der 1961 durch eine Mauer von der „kapitalistischen“ Bundesrepublik (BRD) abgetrennt wurde und am 9. November 1989 durch die Öffnung der Mauer nach und nach große Teile seines Volkes verlor.
Dieses mitteleuropäische Land hat also im 20. Jahrhundert fünfmal seine Staatsform gewechselt: Bis 1918 war es eine Monarchie, von 1919 bis 1933 eine Republik, von 1933 bis 1945 eine Diktatur, von 1945 bis 1949 ein besetztes Land, es bestand von 1949 bis 1990 aus zwei völlig unterschiedliche Staaten (die demokratische BRD und die sozialistische DDR) und ist seit 1990 die wiedervereinigte Bundesrepublik.
Dass Deutschland bis heute aus zwei deutschen „Völkern“ besteht, die im 20. Jahrhundert auf 40 Jahre vollkommen unterschiedlicher Geschichte und Kultur zurückblicken, ist leider eine Tatsache. Wenn die „Wessis“ zum Beispiel – wie vor einigen Wochen in Aachen geschehen – den 1963 von Konrad Adenauer und General de Gaule unterzeichneten deutsch-französischen Freundschaftsvertrag (Elysee-Vertrag) erneuerten, so setzt man stillschweigend voraus, dass auch die 13 Millionen Ostdeutschen diese Tatsache feiern sollten, obwohl sie damals eher Freundschaft mit der Sowjetunion als mit Frankreich pflegten.
Bis in Einzelheiten wirkt bis heute der vor knapp hundert Jahren einseitig dem deutschen Volk aufgezwungene Frieden nach, der den Anfang der Zerschlagung dieses mitteleuropäischen Staates machte, die nach dem Zweiten Weltkrieg weiterging.
Immerhin hat ein glückliches Schicksal dazu geführt, dass 1990 durch ein politisches Versehen eine friedliche Widervereinigung der beiden Hälften gelang und dass die Bundesrepublik heute als führende Wirtschaftsmacht in Europa wieder anerkannt ist. Dass von den inzwischen 83 Millionen Einwohnern 18 Millionen einen Migrationshintergrund haben und gar keine Deutschen im eigentlichen Sinne sind, sehen insbesondere nationalistisch gesinnte Menschen in Ostdeutschland als Versuch, Deutschland durch „Umvolkung“ zu ruinieren.
Die deutsche „Willkommenskultur“ steht dabei – das sei in Klammern angemerkt – in klarem Widerspruch zu der Politik Israels, die strikt auf die Reinhaltung der jüdischen Rasse in ihrem eigenen Staat achtet.
Ich erwähne dies hier, weil ich mein Land und meine Sprache liebe und immer öfters auch von deutschen Jugendlichen Sätze höre, die nicht mehr dem Deutsch entsprechen, das ich unterrichte.
Die vielen Ausländer dagegen, die in allen deutschen Städten schon durch ihr Auftreten auffallen, sprechen unter sich überhaupt kein Deutsch, auch wenn sie Deutschkurse gemacht haben. Wenn ich ihnen in der Stadt begegne, dann fällt mir immer wieder ihr lautstarkes Reden auf, egal, ob es mit ihren Begleitern oder am Handy ist. Dann merke ich, dass dieses Verhalten nichts mit den deutschen Tugenden von Zurückhaltung und Unauffälligkeit zu tun hat.
Diese tägliche Erfahrung mag manche dazu verführen, zu glauben, dass die Deutschen in wenigen Jahrzehnten in ihrem eigenen Land nichts mehr zu sagen haben. Das ist eine nicht ganz unrealistische Drohkulisse, gegen die sich besonders in den neuen Bundesländern die einst sozialistischen (also linken) Bürger massiv wehren und deshalb von den Medien in die rechte Ecke gerückt werden.
So wird das politisch wiedervereinigte Deutschland geistig erneut gespalten.
Das aller Bedrohlichste aber ist, dass immer mehr Stimmen laut werden, die wieder einen starken politischen Führer verlangen, weil sie die Demokratie für gescheitert ansehen. Dieser Zwiespalt, der tatsächlich in gewisser Weise an die Wirren am Ende der Weimarer Republik erinnert, wird uns in den nächsten Jahren vermutlich noch intensiv beschäftigen…



[1] „Die Weimarer Verfassung. Aufbruch und Scheitern. Eine verfassungshistorische Analyse“ H.C. Beck, München 2018
[2] Siehe hierzu den aufschlussreichen Film „The King’s Speech“ (2010) von Tom Hooper. https://de.wikipedia.org/wiki/The_King%E2%80%99s_Speech
[3] Siehe hierzu die gründliche historische Untersuchung „1939 – Der Krieg, der viele Väter hatte“, Lau-Verlag, Reinbeck, 8. Auflage 2015, von Gerd Schultze Rhonhof.

Sonntag, 3. Februar 2019

Eindrücke vom 4. Hohenloher Bauerntag in Wolpertshausen an Mariä Lichtmess 2019


Gestern fand in der Europahalle von Wolpertshausen unter dem Motto „Unsere Bauern – Unser Land“ der vierte Hohenloher Bauerntag[1] statt. 
Rudolf Bühler lädt seit dem Jahre 2015 die Bauern der "Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft“ (BESH) und alle interessierten Freunde sowie die Bürger der Umgebung zu einem kostenlosen „Bauernschmaus“ und zu  Vorträgen von kompetenten Rednern aus Politik und Wissenschaft nach Wolpertshausen ein. Zwei Säle der Europahalle sind dabei mit über tausend Gästen gut gefüllt.
Ich war an Lichtmess 2017 zum zweiten „Hohenloher Bauerntag“ mit Lena zum ersten Mal, 2018 mit Lena, Olga und Michael beim dritten Bauerntag zum zweiten und dieses Jahr beim vierten ohne Begleitung zum dritten Mal dabei. 
Der Saal, in dem die „Prominenten“ aus der Region saßen, war, als ich gegen 11.45 Uhr eintraf, schon wieder sehr voll. Dennoch fand ich einen leeren Platz ganz vorne in der ersten Reihe, etwas zehn Plätze vor der Bühne.
Rudolf Bühler, der Gründer und Vorstand der BESH, begrüßte mich in einer Pause auf dem Flur persönlich und ich hatte spontan den Impuls, ihn zu umarmen. Ich halte diesen Mann für einen Glücksfall für die Landwirtschaft nicht nur in der bäuerlichen Region Hohenlohe, sondern Deutschland- ja sogar weltweit. Er setzt sich für allgemeine Bauernrechte und gegen das sogenannte „Landgrapping“ ein und hat zusammen mit Fachleuten aus vielen Nationen eine „Charta“ erarbeitet und bei der UNO eingereicht, die vor kurzem unterzeichnet wurde (USA hat dagegen gestimmt, Deutschland hat sich der Stimme enthalten).
Schon während meines Geographie-Studiums hatte ich erkannt, dass nur die Urproduktion, zu der die Landwirtschaft maßgeblich gehört, volkswirtschaftliche „Werte“ erzeugt, ohne Ressourcen zu verbrauchen oder Folgekosten zu generieren, wenn sie ökologisch betrieben wird (leider ist es bei der industrialisierten konventionellen Landwirtschaft heute anders). Ich hatte damals eine umfangreiche Seminararbeit zu dem Thema verfasst, die ich auf Anregung von Frau Gisela von Kanal ausgearbeitet und an die Zeitschrift „Scheidewege“ geschickt hatte. Zu einer Veröffentlichung ist es dann aber nach einigem Hin und Her doch nicht gekommen, vermutlich, weil ich „keinen Namen“ oder akademischen Titel hatte.
Auch Frau Christina, die rumänische Ehefrau von Rudolf Bühler und Leiterin des Regionalmarktes, begrüßte mich persönlich auf dem Flur und nannte mich netterweise „Professor“, weil ich bereits einige ihrer Mitarbeiter in meinen Sprachkursen unterrichtet hatte. Sie sagte, dass sie etliche neue Mitarbeiter hätte, die gerne Deutsch lernen wollten, und bat mich, sie anzuschreiben.
Ich freute mich auch, "meinen" ehemaligen Dekan, Herrn Dr. Winfried Dalferth[2], unter den Prominenten zu sehen und wir begrüßten uns herzlich.
Nicht gekommen waren die regionalen Vertreter des Bauernverbandes.
Die Andacht, mit welcher der Hohenloher Bauerntag traditionell eingeleitet wird, hielt diesmal Pfarrer Georg Eberhardt aus dem Büro des baden-württembergischen Landesbischofs Otfried July.[3]
Als Redner waren die Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch vom baden-württembergischen Landwirtschaftsministerium, Professor Dr. Hubert Weiger vom BUND, Rezzo Schlauch und der Bundestagsabgeordnete Harald Ebner (Bündnis 90/die Grünen) eingeladen. Ich konnte mich dieses Mal ganz auf die Vorträge konzentrieren. Alle wurden von Profikameraleuten aufgezeichnet.
Besonders beeindruckt hat mich wieder der Vortrag von Rezzo Schlauch, dem ehemaligen Grünen-Politiker, der wie Joschka Fischer aus Hohenlohe stammt. Er erzählte, dass beim eben zu Ende gegangenen Gipfeltreffen der Wirtschaftsführer in Davos dieses Jahr nachdenkliche Töne angeschlagen wurden. Etliche Redner hatten sich gefragt, ob die Globalisierung nicht mit dafür verantwortlich sei, dass in vielen europäischen Ländern als Gegenreaktion nationalistische Bewegungen erstarken. Anders war es, so berichtet er, auf der ebenfalls vor kurzem zu Ende gegangenen „Grünen Woche“ in Berlin, wo er beim Deutschen Bauernverband kein Anzeichen des Umdenkens erleben konnte. Rudolf Bühler war mit einigen Bauern der BESH unter den etwa 35.000 Demonstranten, die seit mehreren Jahren unter dem Motto „Wir haben es satt“ für eine „Agrarwende“ eintreten.
Das einzige Hoffnungszeichen sei bei all den Jahresanfangsevents der „Hohenloher Bauerntag“ an Lichtmess, bei dem man Aufbruchsstimmung erleben könne, sagte Hubert Weiger, der selbst aus einer Familie von Forstleuten stammt und sich schon deshalb seit Gründung des BUNDs für nachhaltige Landbewirtschaftung einsetzt.
Das dramatische Insekten- und Vogelsterben der letzten 30 Jahre, zu dem die chemische Agrarindustrie maßgeblich beigetragen hat, hätte viele Menschen aufgeweckt. Das „Bienensterben“ stehe symbolisch für die Vergiftung unserer Landschaften mit den Erzeugnissen der großen Chemiekonzerne.
Man könne jedoch nicht die Bauern, welche diese Gifte einsetzen, allein dafür verantwortlich machen. An den bedrohlichen Eingriffen in die Natur als unserer Lebensgrundlage seien vier Gruppen von Menschen beteiligt: Die Hersteller der giftigen „Pflanzenschutzmittel“, die Politik, die sie zulässt, die Bauern, die sie verwenden und last, but not least, wir Verbraucher, wenn wir immer nur „billig“ einkaufen wollen.
Eine ökologisch verträgliche Landwirtschaft hat ihren Preis.
Wenn die Verbraucher heute – statistisch gesehen – nur noch 14 % ihres Einkommens für Lebensmittel ausgeben, wesentlich weniger als zum Beispiel für Unterhaltungselektronik, dann muss sich niemand wundern, dass im Laufe der letzten 35 Jahre die Natur so sehr geschädigt wurde, dass heute unter dem Symbol „Bienensterben“ die Alarmglocken läuten.
Rudolf Bühler war schon damals (1984) einer der Pioniere einer nachhaltigen, ökologischen Landwirtschaft, indem er sich für die vom Aussterben bedrohte Rasse des „Schwäbisch-Hällischen Landschweins“ einsetzte und 1986 die BESH gründete.
Heute ist die „Bäuerliche“ ein funktionierendes Vorzeigemodell nachhaltigen und ökonomisch erfolgreichen Wirtschaftens.
Beim letzten Bauerntag hat meine russische Freundin Lena einen interessanten älteren Mann, den Malteserritter Michael Braun, kennengelernt, an dessen ansonsten voll besetztem Tisch wir weit vorne bei der Bühne tatsächlich noch freie Plätze gefunden hatten. Es kam nach der Begegnung zu einer Einladung zu einem Fest auf dem „Rittergut“ in Elpershofen, wo der Herr Baron – so will ich ihn einmal betiteln – einen Gedichtabend mit kulinarischen Spezialitäten für vorwiegend regionale Künstler als Gästen gab. Auf diesem Fest lernte ich auch die Künstlerin Sonja Streng, die Mutter von Wildis Streng kennen. Damit schloss sich wieder einmal ein Schicksalskreis. Wildis, die „blutjunge“ Autorin von inzwischen sechs „Hohenlohe-Krimis“, hatten wir beim 60. Geburtstag einer Kollegin kennengelernt. Ihr Bekannter Klaus Klawitter, der sie vor zwei Jahren bei einem Krimidinner im „Mohrenköpfle“, dem „Gasthaus“ bei der BESH-Regionalvermarkter-Halle in Wolpertshausen, mit seinen Hohenloher Mundartliedern musikalisch begleitete, spielte beim diesjährigen Bauerntag zwei seiner Songs.

Auch dieses Jahr habe ich wieder eine schöne Begegnung auf dem Bauerntag gehabt. Das sind zwar ganz persönliche Dinge, aber für mich doch auch sehr wichtig, weil ich jede Begegnung mit Menschen für Schicksalsangelegenheiten halte, die – auch wenn sie vielleicht nur einmalig sein sollten – einfach immer wieder wunderbar sind.
Ich sagte schon, dass ich dieses Mal wieder einen freien Platz ziemlich weit vorne fand. Ich kam sehr schnell mit dem Mann zu meiner Linken ins Gespräch. Schon an seinen Gesichtszügen sah ich, dass er eine interessante Persönlichkeit sein musste. Ich fragte ihn, ob er auch Bauer sei. Er verneinte, aber erklärte mir, dass er einst Bauer war, dann aber eine Umschulung gemacht hätte.
Mein Interesse trieb mich, weiter zu fragen. Es stellte sich heraus, dass mein Nachbar 86 Jahre alt ist (1933 geboren), aus einem Ort namens Mulfingen an der Jagst (Standort der Firma EBM Papst, wo einige meiner osteuropäischen Deutsch-Schüler arbeiten) stammt, wo er jetzt auch wieder wohnt, mit 38 Jahren „vom Blitz getroffen" wurde, und sich vom Bauern zum Pastor (Hirten) „umschulen“ ließ. Anschließend war er 23 Jahre lang Pfarrer in einer Gemeinde im österreichischen Kärnten. Jetzt ist er schon seit vielen Jahren pensioniert.
Als ich  im Gespräch erwähnte, dass meine Eltern aus Breslau stammen, verband er gleich zwei große evangelische Theologen mit der Stadt, Dietrich Bonhoeffer (1906 – 1945) und Jochen Klepper (1903 – 1942)[4]. Von letzterem hatte ich schon öfters gehört. Dieser evangelische Theologe und Schriftsteller war mit einer Jüdin verheiratet und hat sich zusammen mit ihr und ihrer Tochter am 11. Dezember 1942 in Berlin das Leben genommen, weil ihm die Zwangsscheidung und seiner Frau und der Tochter die Deportation drohte. Seine Tagebücher aus der Zeit des Nationalsozialismus sind wie ein Gegenstück zu den Tagebüchern des jüdischen Philologen Victor Klemperer (1881 – 1960).
Irgendwann fragte ich meinen Sitznachbarn auch nach dem Namen. Als er „Leidig“ sagte, stutzte ich einen Moment, denn der Name kam mir irgendwie bekannt vor, aber ich verband zunächst nichts mit ihm. Als er dann sagte, dass sein Sohn ebenfalls Pfarrer sei, und zwar in Schwäbisch Hall, fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Es handelte sich um Pfarrer Christian Leidig, den Nachfolger von Ingeborg Brehmer an der Kreuzäckerkirche, also „meiner“ Gemeinde, der erst am 23. September 2018 in sein Amt „eingesetzt“ worden war. Dieser junge Pfarrer hat in Sankt Petersburg studiert und dort seine russische Frau getroffen.
Pfarrer Leidig Junior kam schließlich auch mit seiner Tochter kurz an den Tisch seines Vaters, so dass wir uns begrüßen konnten.