Samstag, 7. März 2020

Unterwelt und Oberwelt (Zweiter Teil)




Heute Morgen bin ich mit der Melodie einer Arie aufgewacht, die einstmals Raphaela so wunderschön gesungen hat: es ist die französische Fassung des Klagelieds des Orpheus aus der Oper „Orpheus und Eurydike“ von Christoph Willibald Gluck aus dem Jahre 1774 (Pariser Fassung)[1]: „J’ai perdu mon Eurydice“. Immer wieder erklingt in der Arie der Klageruf: „Rien n'egale mon chagrin!“
Die Arie ist ein reiner Ohrwurm, aber sie drückt das Gefühl sehr gut aus, das ich etwa eine Woche lang hatte: die Klage um meine Exfrau, die am Donnerstag Gottseidank aus dem Totenreich zurückgekehrt ist.
Gestern schaute ich mit Lena spontan die Adaption des antiken Mythos durch Jean Cocteau an, der in seinem 1950 in die Kinos gekommenen Film „Orphee“ aus dem Jahre 1949 einen modernen Dichter (gespielt von Jean Marais) zeigt, der sich in den Tod („Princesse La Mort“, gespielt von Maria Cesares) verliebt, der seine Liebe erwidert und ihm die Frau Euridice (gespielt von Maria Dea) raubt, damit er allein „ihm“ gehört. Im Französischen ist der Tod weiblich; deshalb wird er von einer edlen Dame dargestellt, die es auf den eitlen Dichter abgesehen hat.
Ganz überzeugt hat mich die filmische „Jenseitswanderung“, die der Künstler Jean Cocteau „als Gedankenspiel und Symbolinszenierung“ geschaffen hat, nicht, auch wenn es natürlich, rein intellektuell, reizvoll ist, all die Symbole, die in dem Film auftreten, zu deuten. Lena in ihrer gesunden Art konnte dem Film bis zum Ende nichts abgewinnen und sagte zum Schluss, als „La Mort“ und Merkur-Heurtebise „abgeführt“ werden, um vor eine höhere Instanz zu treten, deren Gesetze sie verletzt hatten, ganz trocken: „Der Tod wirft keine Schatten!“ Vielleicht hat sie ihn nur deshalb zu Ende angeschaut, weil auch die junge Juliette Creco, die wir 2016 in Paris bei einem Konzert erlebt haben, mitgespielt hat. Die Sängerin tritt in der Rolle einer feministischen Freundin von Eurydice auf, die Orphees Frau im Sinne Simone de Beauvoirs beeinflusst, damit sie mehr Selbstbewusstsein gegenüber dem dominierenden Poeten erlangt.[2]
In der Gestalt des „Orpheus“ malt Jean Cocteau (5.7.1889 – 11.10.1963) mit Sicherheit ein Selbstporträt, denn der auf vielen Gebieten tätige, bisexuelle Künstler war sehr von sich selbst überzeugt. So macht Orphee im Film einen Unterschied zwischen „Schriftsteller“ und „Dichter“ (Poet), wenn er sagt: „Dichten heißt, den Göttern nahe zu sein.“
Sicher war diese Aussage keine Banalität und ich denke, er meinte es ehrlich. Aber seine Jenseitsvorstellungen sind dennoch eher surrealistische Spielereien und haben nichts mit den Erlebnissen der menschlichen Seele nach dem Tode, wie sie in den Schilderungen von Rudolf Steiner deutlich werden, gemein. Die Toten wandeln in Cocteaus Film eher durch ein alptraumhaftes Spiegelkabinett, in dem vier böse Richter herrschen. Von der Lichtgestalt, die so viele vom Tode Zurückgekehrten beschreiben, findet sich in Cocteaus Film keine Spur.
Jean Cocteau kann man zunächst schwer einordnen. Einerseits wurde er in Frankreich als „Dichterfürst“ gefeiert, 1955 sogar in die „Academie Francaise“ aufgenommen. Andererseits nahmen ihm viele Franzosen die Freundschaft zu dem deutschen Bildhauer Arno Breker übel, der auch für das Hitler-Regime gearbeitet hat.
Auch von den Surrealisten wurde Jean Cocteau nicht hundertprozentig anerkannt. Andre Breton, der selbsternannte Führer dieser Gruppe, nannte ihn 1953 einen „notorischen falschen Dichter, einen Versmacher, der alles, was er berührt, entwertet statt aufwertet.“
In dem Buch „Der Heilige Gral und seine Erben“ von dem Autorentrio Henri Lincoln, Michael Baighent und Richard Leigh (1982) lese ich:
„Cocteau, der einer Familie angesehener Juristen und Politiker entstammte, verließ mit Fünfzehn sein Elternhaus und stürzte sich in die Subkultur von Marseille. Als Zwanzigjähriger hatte er sich in der Boheme etabliert und verkehrte mit Proust, Gide und Barres. Einer seiner Freunde war Victor Hugos Urenkel Jean, dessen spiritualistische und okkulte Vorlieben er teilte. Spätestens seit 1912 stand er in regem Kontakt mit Debussy, den er häufig, wenn auch unverbindlich in seinen Tagebüchern erwähnt. Im Jahre 1926 entwarf Cocteau das Bühnenbild für eine Aufführung der Oper „Pelleas et Melisande“, weil er, wie ein Zeitgenosse bemerkte, ‚der Versuchung nicht widerstehen konnte, seinen Namen für alle Zeiten mit dem Claude Debussys zu verbinden.‘“ (Taschenbuchausgabe, 11. Auflage 2005, S. 129)
Die drei Autoren machen ihn zu einem der Großmeister der geheimnisvollen Bruderschaft „Prieure de Sion“ und erläutern, dass alle Großmeister des Ordens mit Vornamen „Jean“ (Johannes) hießen, weil sie sich nicht in der Tradition des Apostels Petrus, sondern in der Tradition des „Jüngers, den der Herr liebhatte“ sahen.
Ich habe an anderer Stelle bereits festgestellt, dass ich diese Parallelorganisation der Templer für ein Konstrukt und den ganzen Zirkus um die sogenannten „Dokumente“ („Dossiers secrets“), die die Existenz eines solchen Ordens beweisen sollen, für eine Mystifikation halte. Dennoch finde ich es interessant, dass der Franzose, der sich in einem Zeitraum von 30 Jahren und in drei Filmen mit dem Mythos von Orpheus beschäftigt hat („Le Sang d’un Poete“, 1930, „Orphee“, 1949/50 und „Le Testament d’Orphee“, 1960) von dem Trio zum „Großmeister des Ordens“ erklärt wird.
Ich halte den Künstler, dessen Adaption des Barockmärchens „La Belle et la Bete“ von Madame Leprince de Beaumont in einer ersten Kinoversion im Jahre 1946 mir einst sehr viel bedeutet hat, eher für einen „Verführer“ und einen „in dunkle Gefilde verirrten“ Geistessucher, der durch seine Opiumsucht die sicher vorhandenen Anlagen korrumpiert hat. Er hat zwar auch einige Kapellen ausgemalt, so zum Beispiel diejenige von Milly La Foret südlich von Paris, in der er seine letzte Ruhestätte gefunden hat, aber sein Verhältnis zum Christusimpuls war offensichtlich eher ambivalent, wie ich folgender Schilderung aus dem oben erwähnten „Gralbuch“ entnehme:
„Gleich Sauniere verwandte Cocteau zum Beispiel bei seinen für Kirchenräume bestimmten Arbeiten mitunter eigenartige und vieldeutige Motive, von denen einige in der Kirche Notre Dame de France in London zu bewundern sind. Die 1865 erbaute Kirche wurde 1940 durch Bomben zerstört und nach dem Krieg von französischen Künstlern restauriert und neu ausgestaltet. 1959 schuf Cocteau für dieses Gotteshaus eine Reihe von Wandgemälden, darunter auch eine höchst sonderbare Darstellung der Kreuzigung Christi. Die Sonne ist schwarz, und in der rechten unteren Ecke steht eine düstere, grün getönte, nicht weiter erkennbare Gestalt. Ein römischer Soldat trägt einen Schild mit der heraldischen Darstellung eines Vogels (eine Anspielung auf Horus?). Unter den wehklagenden Frauen und den würfelnden Zenturionen befinden sich zwei im Stil des zwanzigsten Jahrhunderts gekleidete Männer, von denen einer Cocteau selber ist. Bemerkenswerterweise kehrt er dem Kreuz den Rücken zu. Am auffallendsten aber ist der Ausschnitt, den das Wandgemälde zeigt: Man sieht nur den unteren Teil des Kreuzes (bis zu den Knien des Gekreuzigten), ohne genau zu wissen, wer da ans Kreuz geschlagen wurde. Und zu Füßen des Unbekannten ist eine überdimensional große Rose am Kreuz befestigt. Kurzum: Das Gemälde ist eindeutig ein Sinnbild, und ein recht sonderbares zumal für die katholische Kirche.“ (S 130)



[1] Die italienische Fassung der Oper wurde 1762 in Wien aufgeführt.


Freitag, 6. März 2020

Oberwelt und Unterwelt (Erster Teil)



Michelangelo: Vertreibung aus dem Paradies, Sixtinische Kapelle, Rom

Nun habe ich in den vergangenen Tagen die sechs Berliner Vorträge Rudolf Steiners zum Fünften Evangelium (GA 148) wieder gelesen. Vieles war mir noch vertraut, und doch ist es immer wieder gut, die Einzelheiten zu erinnern.
Im letzten Vortrag vom 10. Februar 1914, den ich gestern las, spricht Rudolf Steiner von den drei „Vorstufen des Mysteriums von Golgatha“ in der geistigen Welt. In irdische Sprache übersetzt hat sich die Christus-Wesenheit bereits dreimal mit der noch unverkörperten Seele des nathanischen Jesus, den Rudolf Steiner an anderer Stelle auch „die Schwesterseele Adams“ nennt, verbunden: zum ersten Mal während der lemurischen Zeit, als es darum ging, den luziferischen Einfluss auf die zwölf Sinne des werdenden Menschenwesens auszugleichen. Damals hätten die Menschen ohne diesen Ausgleich Sinne entwickelt, die ihnen einerseits zu große Lust, andererseits zu großen Schmerz bereitet hätten, wenn sie sich in der Welt umgeschaut hätten.
Es war, das ergänze ich, die Zeit der überdimensionierten Reptilien, die man einerseits als Saurier bezeichnet, die andererseits in der Imagination als Drachen erscheinen.[1]
Der zweite Angriff auf die Evolution des werdenden Menschen fand zu Beginn der atlantischen Zeit statt, als Luzifer und Ahriman vereint die sogenannten „sieben Lebensorgane“ korrumpieren wollten, so dass die Menschen zwischen Gier und Ekel hin und her schwanken mussten. Damals verband sich das Christuswesen zum zweiten Mal mit dem nathanischen Jesus – abermals in der geistigen Welt – und milderte so den Einfluss der Widersachermächte.
Der dritte Angriff war ein Angriff Ahrimans auf die drei Seelenglieder Denken, Fühlen und Wollen. Er ereignete sich am Ende der atlantischen Zeit. Wieder brachte Christus das Opfer und verband sich zum Wohle der Menschheit mit der Seele des nathanischen Jesus. Ohne dieses Opfer würde der Mensch zwischen Hypochondrie und Wahnsinn hin und hergerissen sein. Durch das Opfer wurden die drei Seelenfähigkeiten harmonisiert.
Rudolf Steiner erklärt nun in dem Berliner Vortrag, dass in der griechischen Mythologie ein Abglanz dieses dritten Opfers zu finden sei:
„Die Griechen stellten dar den Christus, durchseelend den späteren nathanischen Jesusknaben, als ihren Apollo. (...) sie hatten jenen kastalischen Quell am Parnassos, an dem sich eröffnete aus der Erde heraus ein Schlund, aus dem Dämpfe aufstiegen. Diese Dämpfe umgaben schlangenartig den Berg, so dass man in diesen schlangenartig den Berg umgebenden Dämpfen selber ein Bild hatte der wild stürmenden menschlichen Leidenschaften, die Denken, Fühlen und Wollen in Unordnung bringen. Über dem Erdschlund, an der Stelle, wo diese schlangenartigen Dämpfe herauskamen, in denen der Python lebte, errichtete man jene Orakelstelle, welche der Pythia geweiht war. Die Pythia saß auf ihrem Dreifuß über diesem Erdschlund und wurde durch die heraufsteigenden Dämpfe in einen visionären Zustand gebracht, und was sie in diesem Zustande sprach, das fasste man auf als den Ausspruch des Apollo selber. Und die, welche Ratschlüsse haben wollten, schickten zur Pythia und ließen sich von Apollo durch den Mund der Pythia Rat erteilen.
Die Anschauung lag also bei den Griechen zugrunde, dass Apollo zurückführt auf eine wirkliche Wesenheit. Jetzt kennen wir diese Wesenheit. Es ist der von dem Christus durchseelte spätere nathanische Jesusknabe, Apollo bei den Griechen genannt. Er nimmt dem, was aus der Erde in der Seele der Pythia aufsteigt, seine luziferisch-ahrimanische Wirkung. Und weil in den Dämpfen das Opfer Apollos aufsteigt, so sind sie nicht mehr verwirrend, sondern weise ordnend Denken, Fühlen und Wollen für die Griechen.“ (S 196f)
Solche Mitteilungen finde ich atemberaubend schön. Hier erklingt echte Mysteriensprache, damals nur für einen kleinen Kreis von Menschen hörbar, die sich in der Berliner Loge der Theosophischen Gesellschaft versammelt hatten.
Jacques Offenbach und seine Librettisten hatten offenbar von dem Mysterienhintergrund der Sage keine Ahnung, als sie die Gesellschaftssatire „Orpheus in der Unterwelt“ entwarfen und komponierten.
Schon früh in der Barockzeit hatte die Sage des göttlichen Sängers die Komponisten angezogen; so war es Claudio Monteverdi, der seine „Favola in Musica“ am 24. Februar 1607 anlässlich des Geburtstages von Herzog Francesco IV. von Gonzaga in Mantua aufführen ließ. Das Musikstück gilt heute als erste Oper.

Auch das Datum ist interessant: es war im Jahre 1607, ein Jahr, das Rudolf Steiner explizit im fünften Berliner Vortrag zum Fünften Evangelium erwähnt, wo er ausführlich aus dem Werk „Harmonices Mundi“ von Johannes Kepler zitiert, das in diesem Jahr erschienen ist.
In dem vierten der Berliner Vorträge hat Rudolf Steiner von dem Gespräch zwischen Jesus von Nazareth und seiner Mutter erzählt, das unmittelbar vor der Jordantaufe stattfand. Damals geschah mit den beiden Persönlichkeiten etwas Außergewöhnliches, was nur durch den entwickelten Hellseher aus der „Akasha-Chronik“ erfahren werden kann. Weil Rudolf Steiner das konnte, haben wir heute diese einzigartigen Mitteilungen aus dem „Fünften Evangelium“, die für meinen Geschmack alles „übertreffen“, was Judith von Halle, Therese Neumann oder Anna Katharina Emmerich vom irdischen Leben des Jesus von Nazareth berichtet haben.
Das Außergewöhnliche war jener geradezu einmalige Austausch der Wesensglieder. Die salomonische Maria, die nun die „Stief- und Ziehmutter“ des Jesus war, ist nun von der Seele der nathanischen Mutter, die bereits vor 18 Jahren, als ihr Sohn 12 Jahre alt war, verstorben ist, durchdrungen worden. „Für den Jesus von Nazareth selbst aber ergab sich, dass mit seinen Worten gleichsam das Ich des Zarathustra fortgegangen war. Was sich jetzt auf den Weg machte zur Johannestaufe im Jordan, das war im Grunde genommen der nathanische Jesus, der die drei Hüllen in der Weise gestaltet hatte, wie es öfter besprochen worden ist, ohne das Ich des Zarathustra, aber mit den Wirkungen des Zarathustra-Ichs, so dass tatsächlich alles, was das Zarathustra-Ich in diese dreifache Hülle hineingießen konnte, in dieser dreifachen Hülle auch war.“ (Vierter Vortrag vom 6. Januar 1914, S 155f).
Nun erzählt Rudolf Steiner im fünften Vortrag vom 13. Januar 1914 von Johannes dem Täufer, der dazu prädestiniert war, dass nun das göttlich-geistige Christuswesen in der Taufe den Leib des Jesus von Nazareth ergreifen konnte. „Dies ist mein geliebter Sohn, den ich an diesem Tage empfangen habe.“ So erklingt die Stimme aus den Himmeln, als Johannes den Jesus in die Wasser des Jordans untertaucht. Die christliche Kirche feiert diesen – leider kaum noch verstandenen Akt – als Epiphanias. Das bedeutet: Erscheinung und meint die Erscheinung des Gottes in einem Menschen.
Johannes der Täufer, so erläutert Rudolf Steiner weiter, hatte noch ganz in der hebräischen Vererbungslinie gestanden, die auf Abraham zurückgeht.
Der hebräische Gott Jahwe ist einer der sieben Elohim, der sich insbesondere um die Schaffung des menschlichen Hauptes „kümmerte“. Rudolf Steiner führt weiter aus:
„Gleich zu Beginn der Genesis wird uns dargestellt, dass Jahwe den Menschen aus der Substanz der Erde macht. Adam heißt: der aus der Erde Gemachte, der Erdene. Und während die um das althebräische Volk herumlebenden Religionssysteme (...) überall darauf ausgehen, in demjenigen, was nicht eigentlich der Erde entstammt, sondern was von außen in die Erde hereinkommt, die Elemente zu sehen, in denen sie ihre Götter verehren, sieht das althebräische Altertum in demjenigen, was durch die Erde auf der Erde vor sich geht, die Elemente, in denen der Gott Jahve (...) verehrt werden soll. Zum Sternenhimmel, nach den Gestirnen und ihrem Gange schauen einzelne der umliegenden Völker auf. Sie haben das, was man eine Astralreligion nennt. Und andere Völker wieder beobachten Blitz und Donner und wie sich darin die Elemente äußern, und fragen sich dann: wie kündigen sich durch die Sprache von Blitz und Donner, von Wolkenbildungen und dergleichen die göttlich-geistigen Wesen an?
Man beachtet (...) heute viel zu wenig, dass es dem althebräischen Altertum eigen ist, sich ganz und gar mit der Erde, mit dem, was vom Inneren der Erde kommt, als zusammenhängend zu betrachten.“ (Fünfter Vortrag vom 13. Januar 1914, S 174f)
Jahve ist, so sagt Rudolf Steiner in diesem Vortrag, vor allem eine „Erdengottheit“, auch wenn er sie an anderer Stelle mit dem Mond in Verbindung bringt. Dann meint er jedoch den Mond als dasjenige Gestirn, das bei der Schaffung des Spiegelorgans des menschlichen Gehirns maßgeblich beteiligt war.
„Die exponierteste Religion unter den damaligen Völkern hatten die alten Juden. Und wie die Menschen heute nicht glauben können, dass man sozusagen nicht nach oben, sondern nach dem Erdmittelpunkt hinschauen kann, wenn man von dem Gotte redet, an den man sich zunächst als einen höchsten wendet, so empfanden dieses Streben nach oben auch die Juden; und sie empfanden dieses Streben nach oben insbesondere, wenn sie bei allen umliegenden Völkerschaften sahen: die beten an, was außerhalb der Erde seinen Ursprung hat.
Es war aber gerade der große Unterschied der jüdischen Geheimlehre gegenüber den außer dieser Geheimlehre Stehenden, dass sie den Menschen klarmachte: Aus der Erde gehen die Kräfte hervor, selbst bis zum Monde herauf, an die wir uns zu halten haben, und es ist eine Versuchung, sich an andere Kräfte zu halten; denn die anderen Kräfte sind konzentriert in dem, was das Schlangensymbolum ausdrückt.“ (S 176f)
Dieses Schlangensymbolum gilt natürlich auch für die Versuchung im Paradies. In der Schlange sehen die hellsichtigen Priester Luzifer am Werke. Vor diesem Verführer warnte Johannes der Täufer, als er den Juden den Ausdruck „Ihr Otterngezücht“ entgegen schleuderte. Nicht Kinder Abrahams, sondern Kinder der Schlange seien sie.
Rudolf Steiner geht auch auf die Gegend am Jordan ein, wo dann die Taufe stattfand:
„In den Gegenden, in denen der Täufer Johannes seine Worte sprach, waren alte Lehren vorhanden, welche man etwa in der folgenden Weise charakterisieren kann: Ja, im Beginne der Menschheitsentwickelung haben einmal aus dem Jahve-Ursprung heraus der Mensch und die höheren Tiere den Luftatem bekommen; aber durch die Tat des Luzifer ist der Luftatem schlecht geworden. Nur diejenigen Tiere sind gut geblieben, sind sozusagen im Stadium der ursprünglichen Entwicklung geblieben, die nicht den Luftatem haben: die Fische. – Da mochten denn manche hingekommen sein nach dem Jordan – wie es in manchen Gegenden die Juden heute noch tun – und zu einer gewissen Zeit des Jahres sich an das Gewässer hingestellt und ihre Kleider geschüttelt haben, weil sie glaubten, dadurch ihre Sünden den unschuldigen Fischen hinzuwerfen, die sie dann weiter zu tragen hätten.“ (S 179)
Seit der Jordantaufe leben in der menschlichen Seele “Inhalte, die von außerirdischen Regionen kommen, die nicht bloß vererbt sind. Alles, was man vorher hat wissen können: es ist bloß vererbt, es ist mit den physischen Verhältnissen von Generation zu Generation übergegangen. Und der Letzte, der es noch dazu gebracht hatte, höhere Fähigkeiten zu erwerben auf Grundlage dessen, was man vererben kann, das ist Johannes der Täufer. ‚Einer der größten von denjenigen, die vom Weibe geboren sind‘, so sagt der Christus Jesus von ihm.“ (S 184)
Nun zitiert Rudolf Steiner eine lange Passage aus dem 1607 erschienenen Buche „Harmonices Mundi“ von Johannes Kepler aus dem siebten Kapitel des vierten Buches. Er nennt diese Passage einen „durchchristeten Aufblick nach oben“. In Keplers Worten, die ich hier nicht zitieren kann, „klingt schon herauf, was neuerdings das Aufschauen zu den Sternen wiederum werden soll: es ist das neue Lesen in der Sternenschrift, wie wir es in unserer geisteswissenschaftlichen Weltanschauung versuchen.“ (Rudolf Steiner, S 188).
Was Rudolf Steiner zuerst vom 1. Oktober bis zum 6. Oktober 1913 in fünf Vorträgen in Oslo (damals Kristiania genannt) als „Das fünfte Evangelium“ verkündete, ist aus der „Sternenschrift“ heruntergeholte Weisheit.
Marie Steiner hat die fünf Osloer Vorträge kurz vor ihrem Tod in Druck gegeben, so dass sie im Jahre 1948 unter dem Titel „Aus der Akasha-Forschung. Das Fünfte Evangelium“ in Dornach erscheinen konnten. Diese Vorträge sind gewiss nur von einem kleinen Kreis von Menschen gelesen worden. Erst 1963 wurden dann die übrigen Vorträge zum Fünften Evangelium zusammen mit den Osloer Mitteilungen in der Gesamtausgabe veröffentlicht. Damit waren 50 Jahre seit 1913 vergangen, in denen ein größerer Teil der Menschheit reif geworden war, diese Geheimnisse zu erfahren, die das Verständnis des Christentums und des sogenannten „Mysteriums von Golgatha“ ungeheuer vertiefen können.



[1] Ich denke, hier handelt es sich um den in der Genesis beschriebenen „Sündenfall“, als die Schlange Luzifer die beiden ersten Menschen überredete, vom Baum der Erkenntnis zu essen.

Dienstag, 25. Februar 2020

Ost-West-Gegensätze und unser tägliches Brot


Vorwerk-Thermomix-TM6-COOKIDOO-und-XXL-Zubehoer-Varoma-NEU-OVP-TM-6-Kochbuecher

Interessant war für mich gestern Abend, zu erleben, wie in Katharina K., der Vorwerk-Beraterin, und meiner Russischlehrerin Natalia B., zwei ehemalige Bäckerinnen aufeinander trafen, die beide darin übereinstimmten, dass das, was wir heute als unser „tägliches Brot“ beim Bäcker kaufen, nicht mehr das gleiche gesunde Brot wie früher ist. Natalia hat in der Ukraine als Leiterin in einer Großbäckerei gearbeitet, und ich sah, als sie den Teig zu Baguettes formte, dass sie eine innige Beziehung zum Brotbacken hat. Katharina war früher Verkäuferin bei einer Haller Bäckerei.
Unser Wirtschaftssystem führt dazu, dass auch das traditionelle Bäckerhandwerk sich dem „Markt“ anpassen muss: große Auswahl, billige Zutaten als Backmischungen und kaum noch Handarbeit.
Das ist auch das einzige Problem, das ich mit dem Thermomix habe: es ist zu viel Maschinenarbeit. Solche intelligenten Maschinen bestimmen immer mehr den Rhythmus unseres Lebens. Das Ergebnis ist, dass wir das Gefühl bekommen, immer weniger Zeit zu haben, obwohl wir scheinbar Zeit gewinnen. Der Stress nimmt zu.
Vielleicht ist das durch die Maschinen getaktete Leben eine der Ursachen, warum so viele Menschen ausrasten. Wir entfernen uns nicht nur von der uns umgebenden Natur, sondern auch von unseren Mitmenschen.
Natürlich sind auch der Computer oder das Smartphone solche intelligenten Maschinen, die uns Lebensqualität versprechen, aber in Wirklichkeit vom Leben und vom Mitmenschen isolieren.
Gestern hatte ich ein längeres Gespräch mit Dorothea über die Vorfälle von Hanau und Volkmarsen. Wir waren uns einig, dass so etwas wie Angst die Menschen ergriffen hat, vielleicht auch verstärkt durch die scheinbar unaufhaltsame Ausbreitung des Chorona-Virus, die jetzt schon in den norditalienischen Provinzen Venetien und Lombardei dazu geführt hat, dass mehrere Städte gesperrt werden mussten.
Geistig gesehen war es für uns in gewisser Weise einleuchtend, dass dieses Virus ausgerechnet in China ausbrach, im Land der Mitte, in dem sich nach Aussagen der Geisteswissenschaft im 3. Jahrtausend vor Christus das geistige Wesen Luzifer als Mensch verkörpert hat.
China hat vor etwa 30 Jahren begonnen, die ganze Welt mit seinen Billigprodukten zu überschwemmen. Der kommunistische Kapitalismus ist in dieser Zeit zur zweitstärksten Wirtschaftsmacht der Welt aufgestiegen. Wie sehr die chinesische Wirtschaft die Weltmärkte beherrscht, sieht man nun an den Börsen, die wegen des Ausfalls der chinesischen Produktion durch die Chorona-Krise weltweit abstürzen. Irgendeine Macht hat sozusagen Sand ins Getriebe gestreut und bremst die Weltwirtschaft an einem sensiblen Punkt aus, wenn man die Provinz Wuhan mit ihren elf Millionen Einwohnern als „Punkt“ bezeichnen möchte.
Luzifer ist zuständig für die menschliche Erfindungsgabe, für Genialität und Kreativität. Es hat fast fünftausend Jahre gedauert, bis das „Land der Mitte“, in dem das Papier, das Porzellan und die Nudeln erfunden wurden, sich nach dem Tod des „großen Vorsitzenden“ der chinesischen KP für die Welt geöffnet hat und heute in allen Kontinenten „mitmischt“, während es bis dahin in sich selbst zu ruhen schien. Das ist ein historisches Ereignis erster Größe und korrespondiert mit der vom westlichen Silicon Valley ausgehenden Revolution im Bereich der intelligenten Maschinen, vor denen Elon Musk, einer ihrer Erfinder, vor ein paar Jahren ausdrücklich gewarnt hat. Diese intelligenten Maschinen führen zu der ungeheuren Beschleunigung unseres Lebens, die wir Menschen kaum noch verkraften können. Google, Amazon und die „sozialen Netzwerke“ beherrschen nicht nur den Handel und die Kommunikation, sondern auch die Köpfe von immer mehr Menschen.
Wir fühlen uns gefangen im weltweiten Netz einer gewaltigen Spinne, die uns die Lebenskraft aussaugen möchte. Parallel dazu verlieren immer mehr Menschen den Sinn in ihrem Leben, weil sie nichts anderes als die Weltanschauung des Materialismus kennen gelernt haben. In der Geisteswissenschaft wird das Wesen, das dahinter steht, Ahriman genannt.
Die schöne neue Welt der schillernden bezahlbaren Produkte aus dem Osten und die Orwellsche Welt der intelligenten Maschinen aus dem Westen sind im Begriff, sich die Hände zu reichen und unsere Politiker, die offensichtlich nicht die geringste Ahnung von geistigen Wesen haben, klammern sich an hilflose Schlagwörter: Antisemitismus und Rassismus.
Natürlich kann man auch hinter diesen beiden Begriffen das Wirken der genannten geistigen Wesen erleben.
Der Begriff „Antisemitismus“ hängt mit der Angst vor einer Übermacht bestimmter Mächte zusammen, die hinter den Kulissen der Geschichte die Menschen zu steuern scheinen. Es handelt sich dabei um eine weltweit agierende, kaum greifbare Macht, die aufgrund ihrer Intelligenz manchem als unheimlich erscheint. Symbol für diese Macht ist das Hexagramm oder der „Davidstern“. Die Macht dieser Gruppe hat nicht im Osten, sondern im Westen ihre Zentren, beherrscht das Silicon Valley, Hollywood und die Börsen von New York und London. Sie strebt nach dem totalen Überwachungsstaat im Sinne George Orwells Roman „1984“. Hinter dieser Macht verbirgt sich das geistige Wesen, das sich zu Beginn dieses dritten Jahrtausends für seine Inkarnation vorbereitet.
Der Begriff des "Rassismus" hängt eher mit der Angst zusammen, dass in der globalisierten Welt die bisher selbstständigen Völker von fremden Völkern überformt werden. Diese „Fremden“ kommen vor allem aus dem Osten, aus arabischen Ländern, aber auch aus Afrika. Der Rassismus wendet sich aber nicht nur gegen diese Volksgruppen, sondern seit kurzem auch gegen die Chinesen, die verdächtigt werden, das Chorona-Virus einzuschleppen.
Die Rassisten wehren sich also gegen die „schöne neue Welt“, die ihnen die Anhänger einer Multikultur schmackhaft machen wollen: alle Rassen im Konsum freundschaftlich miteinander vereint. Dieser geradezu paradiesische Zustand hat viel von einer Illusion, ist aber vielleicht doch das Ziel einer zukünftigen Gesellschaft, die im Augenblick aber noch viele überfordert. Das Symbol für dieses zukünftige Paradies des Wassermann-Zeitalters könnte das Yin- und Yang-Zeichen sein.
Mit dem „Thermomix“, der jetzt in meiner Küche und bereits in etwas über neun Prozent der deutschen Haushalte steht, hält ein phantastisches Gerät in meinem Leben Einzug, das im besten Fall für mein eigenes „tägliches Brot“, vielleicht aber auch überhaupt für gesunde Ernährung sorgt.
Die geistigen Mächte, die hinter den modernen Entwicklungen stehen und bei vielen Menschen Angst erzeugen, können, wenn sie durchschaut werden, durchaus auch in den Dienst des Menschen treten. Dazu ist aber eine Weltanschauung notwendig und Voraussetzung, die das Geistige in der Welt erkennt und anerkennt.

Montag, 24. Februar 2020

Weltschmerz




Nun war ich also mit Hamid aus meinem Kurs, dem vor drei Jahren in der Uni-Klinik Würzburg ein bösartiger Tumor aus dem Gehirn operiert worden war, und der sich seitdem nicht mehr so gut konzentrieren kann und vieles vergisst, in Würzburg. Wir brauchten etwa eine Stunde Zeit für die Fahrt. Um 8.00 Uhr parkte ich das Auto vor der Klinik, um 8.30 Uhr musste er ins MRT; anschließend musste er mit seinem Arzt sprechen. Um 11.00 Uhr war er fertig.
Ich wartete geduldig und las in verschiedenen ausgelegten Zeitschriften, unter anderen in einer Ausgabe der Mode-Zeitschrift „Elle“ vom November 2017. Thema dieses Heftes war die Farbe „blau“. Ein Artikel hat meine Aufmerksamkeit besonders auf sich gezogen. Er ist überschrieben: „Ach, Welt...“ und handelt vom „Weltschmerz“. Die Autorin oder der Autor sagt, dass dieses Wort, das als typisch deutsche Seelenstimmung sogar in andere Sprachen übernommen wurde[1] zum ersten Mal von dem Dichter Jean Paul benutzt wurde. Ein moderneres Wort für diese Stimmung kommt aus dem Englischen zurück: der „Blues“.
„Der Blues ist nicht bleiern wie die Depression, nicht schmerzhaft wie die Trauer. Man kann in diese Tristesse royale lustvoll abtauchen wie in ein warmes Bad. Aber wehe, man schaut durch diese mitternachtsblau getönte Brille und der Blick fällt auf eine Gruppe aufgekratzter Menschen, die sich für das siebte Selfie in Pose werfen. Schon fühlt man sich wie ein Alien. Denn das Glück ist in unserer spaßverliebten Gesellschaft die Leitkultur du jour. Wer nicht gut drauf ist, dem droht der soziale Tod.“
Weil ich noch Zeit hatte, bis ich um 15.00 Uhr für meine Nachhilfeschüler zurück in Crailsheim sein musste, schlug ich Hamid, der wegen der durch die OP verursachten Konzentrationsschwierigkeiten immer wieder in Depressionen versinkt und weint, weil er seiner Frau kein „richtiger Mann“ und seinem 11-jährigen Sohn, der sich so sehr ein Schwesterchen wünscht, kein „richtiger Vater“ sein kann, vor, ein wenig durch Würzburg zu laufen. Ich nahm ihn mit in die Hofkirche der Residenz, nachdem uns ein Blick auf Tiepolos berühmtes Fresko im Treppenhaus verwehrt worden war, um ihm den barocken Glanz der Marmorsäulen, der weißen Statuen und der Fresken zu zeigen. Er wollte als tief gläubiger Muslim die Kirche, die hier eigentlich mehr ein Museum ist, gar nicht betreten. Ich musste ihn geradezu dazu „überreden“. Ich verstand, dass es ihm unangenehm war, und führte ihn deshalb anschließend nicht durch den Würzburger Dom, sondern an ihm vorbei bis zur Mainbrücke mit ihren Heiligen- und Fürstenstatuen aus grauem Sandstein.
Hamid erklärte mir, dass er sich früher, als er noch in einer kleinen Stadt bei Skopie gewohnt hat, Kultursendungen gerne im Fernsehen angeschaut hat. An diesem Rosenmontag aber schien er kein sonderliches Interesse an europäischer Kultur zu haben, vielleicht, weil er ganz andere Sorgen hatte. Er folgte mir eher wie ein Diener, der seinem Herrn einen Gefallen tun will. Ich spürte nicht die geringste Begeisterung.
Natürlich fragte ich mich bei diesem kurzen Ausflug in die barocke Residenzstadt, wie weit die Integration unserer muslimischen Mitbürger überhaupt gehen kann. Ich hatte zum wiederholten Mal erlebt, dass die meisten Menschen vom Balkan oder den arabischen Ländern wenig Sinn für europäische Kultur haben: das Essen gefällt ihnen nicht, von deutscher Literatur wissen sie nichts, von deutscher Geschichte kennen sie gerade den Namen Hitler.
Das wurde mir besonders bewusst, als ich 2016 mit meinem ersten Kurs, in dem ich vorwiegend akademisch gebildete Syrer, Iraker und Iraner unterrichten durfte, zu einer „Wilhelm-Busch-Ausstellung“ nach Schwäbisch Hall fuhr, nachdem wir schon im Kurs die ersten Zeilen dieser „Lausbubengeschichte“ rezitiert hatten. Die Kursteilnehmer waren also vorbereitet. Dennoch spürte ich bei den wenigsten einen echten Zugang. Bei einer recht strenggläubigen Muslimin, die selber Lehrerin war und drei Kinder hat, erlebte ich sogar offene Ablehnung. Sie meinte, dass man solch ein Buch mit Kindern nicht lesen dürfe.
Ich bin – offen gesagt – kein großer Freund der Religion des Islam, auch wenn ich ihn selbstverständlich toleriere wie jede andere ehrliche religiöse Überzeugung. Schon allein das Frauenbild Mohameds gefällt mir nicht. Auch das Verbot des Baus christlicher Kirchen in den meisten muslimischen Ländern finde ich ungerecht.
Ich bin ein religiöser Mensch und würde mich als Christ bezeichnen. Niemals würde ich mich jedoch deshalb als eine Art besserer Mensch über andere erheben wollen. Für mich gilt der Satz Christi: „Was ihr einem der geringsten eurer Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“
Ich mag nicht, wenn sich Menschen abfällig über andere Menschen erheben und sei es auch nur über ihre Meinung oder ihren Glauben. Andererseits kann ich Kritik akzeptieren, denn ich hinterfrage meine Ansichten jeden Tag. Ich habe die Wahrheit nicht gepachtet.
Deshalb finde ich es so unverständlich, dass intelligente Menschen ständig andere abkanzeln, die ihre Meinung offen vertreten. Ich bin kein Anhänger der AfD, aber ich achte die Menschen- und Bürgerrechtsartikel unseres Grundgesetzes als Grundlage unserer Demokratie. Wenn diese jedoch ausgehebelt werden, weil sich einige darüber hinwegzusetzen meinen, weil sie „Kante“ zeigen wollen und Angst vor einer „faschistischen Machtergreifung“ haben, dann kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Wahl-, Meinungs- und Versammlungsfreiheit sind hohe demokratische Güter. Wenn nun einer von einem Teil der Deutschen auf demokratische Weise gewählten Partei in vielen Städten durch die sogenannten „Antifaschisten“ Versammlungsräume verweigert werden, so kann ich das nicht mehr akzeptieren. Wenn diejenigen, die sich für etwas Besseres halten, die Abgeordneten der AfD als „Brandstifter“ und „Rassisten“ klassifizieren, so führt das nur zu einer Spaltung in unserem Land, die nichts Gutes für die Zukunft verspricht.
Wer ständig die Worte „Antisemitismus“ und „Rassismus“ im Munde führt, könnte tatsächlich dazu beitragen, dass genau diese Dinge in einer Art „selffulfilling prophecy“ in naher Zukunft unser Land bestimmen werden. Nicht die vielen, die ihren Mund nicht aufmachen, weil sie inzwischen Angst haben, ihre Meinung offen zu sagen, sind die „Bösen“, sondern jene, die meinen, sie seien die „Besseren“, indem sie in ihrer Selbstüberschätzung demonstrativ verbal „Haltung“ gegen rechts zeigen. Diese sich selbst für die „Anständigen“ Haltenden degradieren in Wirklichkeit die „Würde“ all jener Menschen, die sie zum „rechten Pack“ zählen. Schon allein dieser Ausdruck ist genauso diskriminierend wie die Bezeichnung „Faschist“ für den AfD-Politiker Björn Höcke.
Immer noch steht für mich der Mensch über seiner politischen Anschauung. Jeder Mensch hat eine Würde, die „unantastbar“ ist. Wer in seiner ideologischen Verblendung Menschen, die er gar nicht persönlich kennt, zu Feinden der Demokratie abstempelt, der ist für mich der wahre Feind der Demokratie.
Wenn es Menschen gibt, bei denen der „Weltschmerz“ angesichts solcher Einstellungen unerträglich wird, dass sie ihren Gefühlen in einer Wahnsinnstat Luft verschaffen, dann ist das unendlich tragisch, aber vielleicht auch eine Folge jener ständigen Isolierung und Diffamierung, die die „Anständigen“ seit ein paar Jahren betreiben.
Wie unhaltbar die sofort parate Formel vom „Rassismus“ des Täters von Hanau ist, sieht man schon daran, dass er in seiner totalen Verzweiflung die eigene Mutter getötet hat, also den Menschen, der ihm das Leben geschenkt hat. Es ist so wahnsinnig, dass es unendlich weh tut. Wenn man von Rasse im Sinne von genetischem „Material“ sprechen möchte, das von einer Generation auf die andere übertragen wird, dann wird man als echter Rassist nicht seine Mutter töten. Wenn man sich als Mitglied einer "überlegenen" Rasse für wertvoller als andere Menschen hält, dann wird man sich auch nicht selbst töten.
Ich bleibe dabei: Die Tat von Hanau war die Wahnsinnstat eines einzelnen, der den „Blues“ nicht mehr aushielt.



[1]  Ich denke dabei auch an ein anderes Wort, dass zumindest in den englischsprachigen Ländern bekannt ist, nämlich an das Wort „german angst“.

Samstag, 22. Februar 2020

Vor 77 Jahren wurde im Tode ein neues Menschengeschlecht geboren - zum Tod von Sophie und Hans Scholl und von Christoph Probst



Theodor Haecker von Richard Seewald

Lena liegt mit Fieber im Bett, schon den ganzen Tag. Sie kommt einfach nicht heraus aus dem Kranksein.
Ich habe aber die Tatsache genutzt, dass wir heute Nachmittag nicht einkaufen mussten und bin nach Forchtenberg gefahren, um an der „Denkarbeit Weiße Rose“ teilzunehmen, die die unermüdlichen Rosenliebhaber Renate  und Hans-Jürgen Deck an diesem 77. Todestag der zwei Geschwister Sophie und Johannes Scholl und ihres Freundes Christoph Probst, vorschlugen. Ich kann nur immer wieder dankbar sein, wenn ich erleben darf, was diese beiden Persönlichkeiten für das positive Gedächtnis an die drei Märtyrer der NS-Zeit und des menschenverachtenden Regimes beitragen. Am 22. Februar 1943 endeten die jungen Leben unter der Guillotine des NS-Regimes.
Das Motto, dass Renate und Hans-Jürgen ihrem mehrteiligen Gang durch das Gedenkjahr voranstellen, lautet: „Die weiße Rose ist die Überwindung des Unerklärlichen“ – ein Satz, über den auch ich noch nachdenken muss.
Um 14.00 Uhr begann der Rundgang, an dem zunächst etwa fünfundzwanzig, mir zum Teil schon bekannte Menschen teilnahmen, beim barocken Teehaus jenseits des durch den ergiebigen Regen der letzten Tage angeschwollenen Kochers in den Kocherwiesen, umgeben von einem kleinen, noch recht kahlen Gärtlein.
Mein erster Eindruck: ein wahres Zwergenhaus.
Da ich eine Umleitung benutzen musste, traf ich eine Viertelstunde zu spät ein und konnte nur noch die allerletzten Worte, die Renate sprach, hören. So liefen wir gemeinsam über den Kocher zum Würzburger Tor, dem früheren Wirkensort von Renate und Hans-Jürgen. Vor der Stadtmauer versammelten wir uns kurz in einem Gärtchen, in dem für die nächsten Jahre bis zum 100. Geburtstag von Sophie Scholl im Jahre 2021 ein Rosengarten eingerichtet werden soll. Hans-Jürgen liest eine kurze Geschichte von Manfred Kyber vor, den die Scholls auch sehr gern lasen: „Ein großes Ereignis“ aus den „Tiergeschichten“.
Die dritte Station war das Rathaus, wo wir uns im Sitzungssaal versammelten, und einem sehr einfühlsamen Vortrag von Bernhard Woll aus Eberbach an der Jagst über den christlichen Philosophen Theodor Haecker lauschten, der am 4. Juni 1879 in eben diesem Eberbach-Mulfingen geboren wurde und einer der geistigen Lehrer der Mitglieder der Weißen Rose, und insbesondere auch von Sophie und Hans Scholl, war. Herr Woll hatte verschiedene Werke des bedeutenden Mannes dabei, die leider heute nicht mehr aufgelegt werden und deswegen nur noch antiquarisch zu haben sind, zum Beispiel „Vergil, Vater des Abendlandes (Leipzig 1931), „Schöpfer und Schöpfung“ (Leipzig 1934) und die „Tag- und Nachtbücher 1935 - 1945“ (München Kempten 1947), seine Tagebücher, die nur knapp der Konfiszierung (und Vernichtung) durch die Gestapo entkommen sind, wie Herr Woll anschaulich berichtete. Der Vortragende las auch die eindrucksvolle, knappe Charakterisierung Theodor Haeckers durch Sophie Scholls vor, die sie am 7. Februar 1943, zwei Wochen vor ihrer Hinrichtung, in einem Brief an ihren Verlobten Fritz Hartnagel aufschrieb:
„Seine Worte fallen langsam wie Tropfen, die man schon vorher sich ansammeln sieht, und die in diese Erwartung hinein mit ganz besonderem Gewicht fallen. Er hat ein sehr stilles Gesicht, einen Blick, als sähe er nach innen. Es hat mich noch niemand so mit seinem Antlitz überzeugt.“[1]
In seinen „Tag-und Nachtbüchern schrieb Theodor Haecker 1941 ein „Notat an die Deutschen“:
„Euer Ruhm ist ohne Glanz. Er leuchtet nicht. Man spricht von euch, weil ihr die besten Maschinen habt – und seid. In diesem Staunen der Welt ist kein Funke der Liebe. Und nur Liebe gibt Glanz. Ihr haltet euch für auserwählt, weil ihr die besten Maschinen, Kriegsmaschinen baut und sie am besten bedient. Ihr seid grotesk und ‚un‘-menschlich. Eine andere Rasse! Ihr Freunde, nicht diese Menschen! Lasset uns andere schaffen ... Aber wie? Christlich ist nur ein Weg: Umkehr, tätige Reue.“
Es leuchtet unmittelbar ein, dass solche Sätze den damaligen Machthabern nicht gefielen und dass die Wohnung Theodor Haeckers in München mehrmals durchsucht wurde, wobei die Häscher des Systems alles auf den Kopf stellten. Wie gefährlich Worte sind, kann man unter anderem an diesem Mann ablesen, der vor kleinem Kreis las oder sprach und es schaffte, während der dunklen Jahre bei einem befreundeten Verleger einige hell leuchtende Bücher zu veröffentlichen.
Renate Deck erzählte anschließend, wie sie an einem Januar-Tag im Jahr 2005 mit dem Zug im größten Schneetreiben nach München fuhr, um der Premiere des Films „Sophie Scholl – Die letzten Tage“ von Marc Rothemund[2] beizuwohnen. Auf dem Rückweg, der sie über Nürnberg und Ansbach, die beiden Kaspar-Hauser-Städte, führte, lernte sie bei den verschiedenen durch das Schneetreiben erzwungenen Verspätungen einen Mann kennen, der in einem Lokal in Mistlau an der Jagst mit seinem besten Freund verabredet war. Es stellte sich heraus, dass dieser „beste Freund“ ein Sohn des Bruders von Fritz Hartnagel war.
Renate las abschließend eine Passage aus einem aus der Feder von Theodor Haecker stammenden Bericht über die Hinrichtung des Lordkanzlers Thomas Morus unter dem englischen König Heinrich VIII. vor, was wie eine Vorausdeutung auf die Hinrichtung des jungen Dreigestirns war. Es wurde eine Parallele zwischen dem tyrannischen Heinrich und Hitler angedeutet. Thomas Morus blieb bis zum Schluss „königstreu“, die Geschwister Scholl waren es bis zu dem Tag, als Hans auf dem Weg an die Ostfront sah, wie die Nazis die Juden behandelten. Damals wurden sie von Anhängern zu erbitterten Gegnern des Regimes, was ihnen schließlich das Leben kostete.
Die vierte Station unseres Rundgangs war die evangelische Michaelskirche, in der Sophie Scholl am 10. Juli 1921 getauft worden ist. Man muss eine steile Treppe hoch steigen, um zu der Kirche, die auf mittlerer Höhe des Kochertalhanges, an dem das Städtlein Forchtenberg gelegen ist, zu gelangen. Eine Gedenktafel erinnert an den letzten Traum, den Sophie Scholl ihrer Gefängniswärterin erzählte. Sie sah sich im Traum in einem langen weißen Kleid einen steilen Weg hinaufsteigen. Dabei trug sie ein Kind. Einmal drohte sie das Kind zu verlieren, aber es gelang ihr, es rechtzeitig zu retten. Das Kind, so interpretierte Sophie Scholl den Traum selber, seien die Ideen der Weißen Rose, die ja maßgeblich von zwei Denkern beeinflusst waren: Von dem vorhin genannten Theodor Haecker und von dem Kirchenvater Augustinus, dessen Büchlein „Die Bekenntnisse“ Sophie Scholl immer bei sich trug.
Pfarrer Bernhard Glück führt uns in der Kirche in das Leben und Denken des auch für Martin Luther wichtigen Kirchenvaters ein. Ein Zitat, das vor allem Hans (Johannes) Scholl gefallen haben dürfte, der gerne schrieb, gefällt auch mir:
„Durch das Schreiben komme ich vorwärts und im Vorwärtskommen schreibe ich.“
Renate Deck beendet den Nachmittag mit einem wunderbaren Bild. Sie erinnert an das Märchen von Schneewittchen, das hinter den sieben Bergen bei den sieben Zwergen vor ihrer bösen Stiefmutter Schutz suchte und fand, bis diese es dennoch schaffte, sie zu vergiften. Das Bild vom Schneewittchen im gläsernen Sarg mag auch auf die drei Märtyrer und insbesondere auf Sophie Scholl hindeuten, deren mutiges Eintreten für ein neues Menschengeschlecht eines Tages Früchte tragen wird.
Die doppelte Nennung der Zahl „sieben“ in dem Märchen weist auf den heutigen Tag, denn es ist genau 77 Jahre her, seitdem das Schicksal der drei mutigen jungen Menschen besiegelt wurde und sie dadurch die Ehre Deutschlands retteten, indem sie zeigten, dass die Deutschen nicht nur Kriegsmaschinen bedienen können: Es ist seliger gehasst zu werden als zu hassen.
Vielleicht sind die etwa 14 Zuhörer, die bis zum Abschluss ausgeharrt haben, die Vorläufer dieses neuen Menschengeschlechts.
Renate und Hans-Jürgen Deck sind es mit Sicherheit.

Freitag, 21. Februar 2020

Versuch, die Schreckenstat von Hanau zu verstehen

A screengrab showing gunman Tobias Rathjen.

Seitdem Bundeskanzlerin Angela Merkel, der wir schon die „alternativlose“ Bankenrettung verdanken und die kürzlich die demokratisch unvereinbare Ministerpräsidentenwahl von Thüringen als „unverzeihlich“ rückgängig machen ließ, im September 2015 veranlasste, dass über eine Million Flüchtlinge aus den von Amerika bombardierten „Schurkenstaaten“ illegal nach Deutschland einreisen durften, indem sie optimistisch meinte, „wir schaffen das“, gibt es in unserer „demokratischen“ Republik immer mehr Menschen, die mit ihrer Politik nicht (mehr) einverstanden sind und zum Beispiel eine „Alternative für Deutschland“ wollen.
Diese Leute werden seit Chemnitz systematisch als Rechtsextreme klassifiziert, ohne dass irgendjemand einmal eine klare Definition dieses Begriffes gibt. Es reicht, „Nazi“ zu rufen, und schon wissen alle, was gemein(t) ist. Man wehrt sich gegen die „braune Flut“ und fühlt sich auf der richtigen Seite. Inzwischen wurden von den Medien zwei weitere Schlagwörter ins kollektive Bewusstsein gehämmert, die den Begriff „rechtsextrem“ scheinbar genauer umschreiben: „Antisemitismus“ und „Rassismus“. So einfach ist das Weltbild der „guten Demokraten“ gestrickt, die unsere Bundesrepublik verteidigen. Presse und Politiker zeigen sie beim Demonstrieren „gegen rechts“ und beim Reden gegen das „Gift“ des rechten Hasses.
Früher hat man einmal von „Wutbürgern“ gesprochen. Inzwischen ist aus der Wut „Hass“ geworden, und die Tatsachen scheinen diesen „Anständigen“ (Lars Klingbeil, SPD) recht zu geben: Seit Halle und Hanau steht fest: der „Feind“ steht rechts und er ist antisemitisch und rassistisch. Wehe, man sucht den Feind wo anders. Dann ist man ein wirrer Verschwörungstheoretiker. Schon wenn man von der allgemein geduldeten Meinung abweicht, ist man ein „Brandstifter“ und mitverantwortlich, wenn in Deutschland in Kürze die Nazis die Macht übernehmen.
Die Tatsachen gehen im Mediengewitter unter und werden systematisch ausgeblendet: sowohl der Einzeltäter in Halle, als auch der Einzeltäter in Hanau waren arme, psychisch kranke Menschen, die unter der unerträglichen Diskriminierung litten, die ihr unbeholfenes „Denken“ als „rechts“ stigmatisierte. Sie konnten mit niemand darüber sprechen, ihr „falsches“ Denken staute sich in ihren Seelen auf, bis  es sich durch einen Gewaltakt Luft verschaffte. In ihrem tieferen Bewusstsein richtete es sich gegen zwei Gruppen von Menschen, die sich in ihren wirren Gedanken als die Hauptschuldigen an der Misere, in die ihre Heimat seit 2015 geraten war, herauszukristallisieren schienen: gegen Juden und Moslems.
Tragisch ist dabei, dass sie für ihre Gewaltakte ausgerechnet zwei Städte auswählten, die bisher mit ganz anderen Geistern deutscher Kultur verbunden waren: Halle mit dem Pietismus des August Hermann Francke, Hanau mit den Gebrüdern Grimm.

Nun habe ich die heutige Ausgabe der Bildzeitung gelesen, die ich ja nun seit ein paar Wochen regelmäßig bekomme und tatsächlich auch lese – was für mich eine ganz neue Erfahrung ist, denn auch ich hatte bisher die üblichen Vorurteile gegen dieses „rechte Hetzblatt“ – und etwas mehr über den Täter von Hanau erfahren: Er hatte drei Tage vor seiner Gewalttat, die sich hauptsächlich gegen Türken richtete, am 17. Februar, seinen 43. Geburtstag. Er wohnte im ausgebauten Kellerzimmer seiner Eltern in einem Viertel in Hanau-Kesselstadt. Sein Vater (73) war Betriebswirt und hat noch im Jahr 2011 als Ortsrat für Bündnis 90/die Grünen kandidiert. Seine Mutter (72), die Tobias Rathjen kurz vor seinem finalen Suizid mit in den Tod riss, war Hausfrau. Tobias hat Abitur gemacht, danach eine Ausbildung zum Bankkaufmann absolviert und schließlich noch ein BWL-Studium abgeschlossen, um dann als gutbezahlter Banker in einer bayerischen Versicherungsgesellschaft zu arbeiten. Auch Fußball spielte er regelmäßig, saß also nicht in seiner Freizeit nur vor dem Computer wie die „klassischen“ Amokläufer.
Vor zwei Jahren trennte er sich im Streit von seinem Arbeitgeber.
Freunde beschreiben ihn als sehr selbstbewusst und als „einen harten Hund“, der auch schon drei Tage nach einer Operation schon wieder arbeitete. Er hielt sich selbst für überdurchschnittlich intelligent, ja für ein Genie. Und hier beginnen seine Wahnvorstellungen. Er glaubte, seine genialen Ideen würden von einer Geheimorganisation, die die Welt beherrscht, angezapft und zum Beispiel in Hollywood-Filmserien umgesetzt.
Tobias war ein regelmäßiger Filmseher und fühlte sich seit seiner Geburt als überwacht.
Mit dieser schizophrenen Wahnidee und einer Seele, die von einer Sekunde auf die andere von „lieb“ auf „aggressiv“ wechseln konnte, wie es Freunde beschreiben, gelangte er immer mehr zu seinen extremen Ansichten, die er in einem 24-seitigen wirren Manifest, das er kurz vor der Tat ins Internet stellte, formulierte. Diese Ansichten sind so abartig, dass man nicht behaupten kann, dass sie aus einem intelligenten Kopf geboren wurden, sondern sie können nur aus einem kranken Gehirn stammen. Aber was ist ein „krankes Gehirn“?
Tobias Rathjen weist in seinem Manifest selbst indirekt auf ein besonderes Ereignis hin, wenn er schreibt: „Mein Leben lässt sich in zwei Abschnitte gliedern. Einmal in die Zeit, in der ich hin und wieder gelegentlich daran dachte, ob es sein könnte, dass ich überwacht werde und in die Zeit, ab der ich die volle Gewissheit darüber gewonnen habe, dass dem so ist.“
Vielleicht fiel dieser Zeitpunkt in das Jahr 2018, als er seine Arbeit verlor. Irgendetwas ist damals mit Tobias Rathjen passiert. Ich vermute, dass der „fremde Geist“, der ihm seit Jahren wie eine zweite Person zur Seite stand, vollends die Macht über ihn übernommen hat.
Aber das ist bisher reine Spekulation, für mich aber durchaus eine mögliche Erklärung für die schreckliche Tat.


Eben fällt mir ein, dass ich zwar mein Mitgefühl gegenüber dem Täter, jedoch nicht mein Mitgefühl gegenüber den Opfern ausgedrückt habe. Auch wenn ich mit jedem gewaltsam aus dem Leben Gerissenen mitleide, egal ob es im Frieden oder im Krieg Ermordete sind, so will ich dennoch ausdrücklich auch mit tiefer Trauer der Opfer gedenken, die am Mittwochabend zur falschen Zeit am falschen Ort waren. Beurteilen kann ich es nicht, denn ich kann nicht in das Schicksalsgeschehen hineinschauen, das in diesen so unvermittelt aus dem Leben gerissenen Menschen waltete. Ich weiß nur, dass es unter dem Aspekt „sub specie aeternitate“, also unter dem Aspekt einer geistigen Sichtweise, keine sinnlosen Zufälle gibt. Alles, was uns hier auf Erden als „zufällig“ erscheint, hat irgendwo einen tieferen Sinn. Zumindest glaube ich daran, auch wenn ich genauso erschüttert bin durch die Tat eines irregeleiteten Einzelnen, der mit einer mörderischen Waffe in der Hand für elf Menschen Schicksal „gespielt“ hat, darunter für seine eigene Mutter. Diese Taten werden ihn nach dem Tod verfolgen und dort wird er weinen ohne Ende, vielleicht sogar brennen.
Die Opfer aber möchte ich genauso ins Jenseits begleiten, zumal sie genau aus den Ländern stammen, aus denen auch viele Teilnehmer meiner Sprachkurse kommen: zwei aus der Türkei, je eines aus Bulgarien und aus Rumänien, eines aus Bosnien-Herzegowina und eines aus Afghanistan. Drei der Opfer hatten eine deutsche Staatsangehörigkeit.

Mittwoch, 19. Februar 2020

Information und Desinformation


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Eben sah ich einen ZDF-Bericht[1] mit dem Titel „Jagd auf den Diktator“ über den Einsatz der NATO in Libyen im Jahr 2011. Dieser Bericht macht klar, dass dieser Einsatz gewollt war und dass im Vorfeld eine ganze Propaganda-Maschine aktiviert wurde, um den Machthaber zu dämonisieren. Ein Kongressabgeordneter (Denis Kucinich) erklärt in der Dokumentation, dass die „Ausschaltung“ der drei arabischen Diktatoren Sadam Hussein, Muammar Al Gadhafi und Bashar Al Sadat schon „viele Jahre“ beschlossene Sache war (Minute 22:50).

Danach habe ich einen interessanten Beitrag zum Thema „Idlib“ auf Facebook gefunden:

‎Hans Christian Wächter an Friedenswerkstatt Hamburg

Frieden in Sichtweite: Syrische Truppen bedrängen letzte Terroristen in Idlib – Türkei schickt Hilfe für Al-Kaida in Syrien und Libyen ++

 

Der seit 2011 andauernde Konflikt in Syrien hätte längst beendet und durch einen politischen Prozess fortgesetzt werden können. Doch einige der Akteure, die diesen Krieg schon von Anfang an angefacht haben, tun derzeit alles, damit ein Frieden so lange wie möglich hinauszögert wird.
Neben den USA, Großbritannien, Frankreich, Saudi Arabien und Katar, machen vor allem Israel und die Türkei negativ auf sich aufmerksam. Während Israel weiterhin völkerrechtswidrige Luftschläge auf Syrien unternimmt und dabei unbeteiligte Zivilmaschinen als Deckung für die eigenen angreifenden Kampfjets in eklatanter Weise missbraucht, fährt die Türkei die Unterstützung für verschiedene Terrorgruppen massiv hoch.
Es steht außer Zweifel, dass in der syrischen Provinz Idlib verschiedene – mit Al-Kaida und ISIS verbundene – Terrorgruppen herrschen. Diese von westlichen Staaten und Medien verharmlosend als „Oppositionelle“ oder „Freiheitskämpfer“ bezeichneten Verbrecher terrorisieren nicht nur die Zivilbevölkerung, sie halten diese auch als Geiseln gefangen und missbrauchen sie als menschliche Schutzschilde. Humanitäre Hilfsgüter werden von den Terroristen abgefangen und Fluchtkorridore werden blockiert oder gezielt beschossen. Aus Idlib heraus greifen diese Al-Kaida-Terroristen auch immer wieder die zivile und militärische Infrastruktur in den angrenzenden – bereits befriedeten Regionen an.
Die Türkei konnte oder wollte die Vereinbarungen von Astana und Sotschi nicht erfüllen. Als „Schutzmacht der Terroristen“ verpflichtete sich Ankara unter anderem die Autobahn-Verbindung-M5 von Kämpfern mitsamt ihrer schweren Kriegswaffen zu räumen und diesen Prozess und die Einhaltung der Waffenruhe mit eigenen Beobachtungsposten zu gewährleisten. Außerdem sollte die Türkei die radikalen Islamisten von den weniger radikalen Kämpfern trennen – wenn es diese überhaupt gibt.
Allerdings geschah daraufhin exakt das Gegenteil, von dem, was abgemacht wurde. Die Terroristen nutzten von da an die türkischen Militärbasen als Ausgangspunkte ihrer Angriffe auf zivile und militärische Ziele in Syrien. Und immer dann, wenn die syrische Armee auf diese Angriffe antwortete, zeigte sich Ankara erbost. Jede Offensive der syrischen Armee endete dann schließlich damit, dass Ankara bei Moskau eine neue Waffenruhe und einen weiteren Zeitaufschub für die Umsetzung der Vereinbarungen von Astana und Sotschi forderte – und auch erreichte. Bis Mitte Januar 2020 funktionierte die Hinhaltetaktik der Türken.
Dann platzte den Verantwortlichen in Damaskus und Moskau der Kragen. Die Streitkräfte Syriens und Russlands begannen eine Offensive gegen die von der Türkei unterstützten Al-Kaida-Terroristen. Dieses Mal stieß die Türkei mit ihrer routinemäßigen Forderung nach einer weiteren Waffenruhe und einem Zeitaufschub für die Vereinbarungen beim Kreml auf taube Ohren. Daraufhin geschahen interessante Dinge!
Die Türkei war plötzlich in Panikmodus und öffnete mehrere neue Fronten aus den von ihr 2017 eroberten Städten wie al-Bab auf die syrische Armee. Sieben syrische und vier russische Militärangehörige wurden dabei hinterhältig getötet. Die rote Linie wurde überschritten. Die russische Antwort kam prompt: Luftschläge auf Al-Kaida-Terroristen in al-Bab – bis diese Front sofort wieder begraben wurde. Und erstmals gab es Luftschläge gegen das türkische Militär in Syrien – mit Toten auf türkischer Seite. Die Türkei versuchte die schnelle Offensive der syrischen Armee in Idlib mit allen Mitteln zu stoppen. Ankara schickte noch mehr Truppen an die Front, um Al-Kaida aktiv zu unterstützen. Die gemeinsamen Angriffe der türkischen Armee und Al-Kaida beantworteten die Streitkräfte Syriens und Russlands mit noch härteren Schlägen – und wieder mit Verlusten auf türkischer Seite.
Es war nur eine Frage der Zeit, bis türkische Soldaten – die für Erdogan und Al-Kaida ihren Kopf hinhalten – bei Vergeltungsschlägen sterben mussten. Weil Russland den gesamten Luftraum beherrschte, schickte die Türkei in ihrer Verzweiflung immer mehr Bodentruppen in die Kampfzone. Die türkischen Drohungen gegen Russland, auch notfalls Kampfjets abzuschießen, wirkten dumm und unüberlegt. Nun patrouillieren russische Su-35 Kampfjets an der Grenze zur Türkei. Sollte die Türkei etwas Ähnliches wie 2015 versuchen, wird die Antwort dieses Mal verheerend für Erdogan ausgehen.
Und obwohl nahezu alle ethnischen und religiösen Minderheiten Syriens die türkische Invasion ablehnen, die Christen beispielsweise fest hinter Präsident Assad stehen, unterstützen westliche Regierungen und Medien mehr oder weniger offen den völkerrechtswidrigen Vorstoß des NATO-Partners Türkei. Es sind dieselben westlichen Regierungen und Medien, welche die Kurden gegen Assad benutzt und schließlich fallen gelassen haben. Jedes Land außerhalb der NATO hätte der Westen für ein solches völkerrechtswidriges Vorgehen bereits sanktioniert oder mit Krieg bedroht. Aber die Heuchelei und Doppelmoral des Westens kennt keine Grenzen.
Die Türkei hat mit ihrer offenen Unterstützung für Al-Kaida und ISIS-Terroristen allerdings einen immensen Image-Schaden erlitten. Hinzu kommen die Bilder von eigenen Soldaten, die in Särgen heimkehren. Und Bilder von brennenden türkischen Militärkonvois und zerfetzten Panzern zerstörten auch das Bild der „unbesiegbaren Türkei“. Der Stolz der Türken ist angekratzt und der Traum vom neo-osmanischen Reich scheint sich in Luft aufzulösen. Da halfen auch die beweislosen Propagandalügen nichts, wo angeblich die Türkei bei Vergeltungsschlägen hunderte oder gar tausende syrische Soldaten „neutralisierte“. Die Erdogan-Medien müssen solche Erfolgsmeldungen erfinden, um die eigene Bevölkerung zu beruhigen. Auch das russische Militär registrierte keinen einzigen Vergeltungsschlag der Türkei auf Syrien und es gab auch keine Luftraumverletzung. Allerdings lieferte die Türkei moderne tragbaren Luftabwehrraketen an die Terroristen, womit sie innerhalb weniger Tage zwei syrische Hubschrauber abschießen konnten. Al-Kaida wird dank der türkischen Zuwendungen in Zukunft in der Lage sein, überall auf der Welt auch zivile Flugzeuge bei Starts und Landungen abzuschießen. Ein Albtraum wird wahr und die internationale Gemeinschaft schaut tatenlos zu!
Mit seiner harten Herangehensweise wollte Erdogan wahrscheinlich nur eine Drohkulisse aufbauen, um die Russen abermals zum Einlenken zu bewegen – oder zu erpressen. Bisher erfolglos! Die syrische Armee marschiert mit Hilfe russischer Luftunterstützung unbeirrt weiter und befreite innerhalb weniger Tage mehrere strategisch wichtiger Städte, Dörfer und die komplette Autobahn M5 – welche die beiden wichtigsten Städte des Landes verbindet [Damaskus – Aleppo]. Darüber hinaus wurden mindestens 7 türkische Beobachtungsposten durch die syrische Armee umzingelt – hunderte türkische Soldaten sitzen nun in der Falle – und müssen bei weiteren Provokationen durch Erdogan um ihre Leben fürchten.
Denn unverhohlene Drohungen aus Ankara gegen Syrien nehmen von Tag zu Tag zu. Die türkische Regierung fordert bis Ende Februar den Rückzug der syrischen Armee aus der syrischen Provinz Idlib und die Rückgabe der Städte an Al-Kaida. Sollte das nicht geschehen, so droht die Türkei mit einem Alleingang gegen ganz Syrien – ohne Rücksicht auf Russland.
Könnte sich Erdogan dieses Mal überschätzt haben? Immerhin ist die türkische Lira seit dieser Eskalation im freien Fall. Innenpolitisch steht die türkische Regierung massiv unter Druck. Die erfahrenen Generäle und Kampfpiloten sitzen seit dem Putschversuch hinter Gittern. Und der unüberlegte Einmarsch in Idlib bewirkte zudem, dass die kurdische YPG mit der syrischen Armee eine neue Front eröffnen konnte, um die Terroristen westlich von Aleppo einzukesseln. Die nächste Etappe wäre die Rückeroberung von Afrin. Eine solche Demütigung würde Erdogan politisch nicht überleben.
Man darf also gespannt sein, ob die Türkei ihren aggressiven und völkerrechtswidrigen Kurs gegen Syrien beibehält. Die USA sehen derweil ihre Chance, die prekäre Situation für sich zu nutzen, indem man die Türkei und Russland gegeneinander weiter aufwiegelt.
Und die wichtigste Frage: Wie wird Russland auf die andauernden Provokationen reagieren? Wird der Kreml wieder irgendwann klein beigeben, um die Türkei nicht als „Partner gegen den Westen“ zu verlieren? Oder wird Moskau den Preis für die Türkei so weit in die Höhe treiben, bis Erdogan nachgibt? Auf letzteres deutet die erstmalige Verlegung von mindestens 3 russischen strategischen Langstreckenbombern vom Typ Tupolev Tu-160 nach Latakia hin. Und die syrische Armee bringt erstmals nach Jahren die gefürchteten thermobarischen Mehrfachraketenwerfer vom Typ TOS-1A Buratino an die Frontlinien.
Erdogan riskiert das Leben von knapp 10.000 türkischen Soldaten, um Al-Kaida-Terroristen vor der Vernichtung zu bewahren. Anstatt dem Nachbarland zum Frieden zu verhelfen, damit auch die Flüchtlinge zurückkehren können, träumt Erdogan von einer neuen osmanischen Macht im Nahen Osten. Viele Türken in der Türkei blicken mit großer Sorge auf die kommenden Ereignisse und lehnen den Kurs Erdogans strikt ab. Die Türken im Ausland unterstützen hingegen Erdogans Vorgehen – weil sie selbst davon nicht unmittelbar betroffen sind und sich keine Gedanken über mögliche Konsequenzen machen müssen.
Auf der anderen Seite könnte die Türkei Giftgasangriffe inszenieren – dessen Schuld man abermals Syrien anhängt – womit die internationale Gemeinschaft auf den Plan gerufen wird, um Al-Kaida vor der Vernichtung zu retten.
Erdogan ist übrigens nicht nur der Präsident der Türkei, sondern auch ein bekennendes Mitglied der Muslimbruderschaft – die Mutterorganisation von Al-Kaida und ISIS. Unterstützt wird die von den Briten gegründete „Bewegung“ vorwiegend von der Türkei und Katar. In Syrien, Ägypten, den Vereinigten Arabischen Emiraten und in vielen anderen Staaten gelten die Muslimbrüder als terroristische Vereinigung.
Die Fronten in Syrien ähneln inzwischen denen von Libyen. Nach der Ermordung von Gaddafi hat die UN in Tripolis über die Köpfe der libyschen Bevölkerung hinweg eine Regierung installiert und anerkannt, von denen sich westliche Staaten Zugriff auf die großen Bodenschätze des Landes erhofften. Gestützt wird die „Regierung in Tripolis“ fast ausschließlich durch Terrorgruppen mit Verbindungen zu Al-Kaida und der Muslimbruderschaft. Größte Unterstützer der Terroristen in Libyen sind wieder – wie in Syrien – die Türkei und Katar. Sie kontrollieren in Libyen nur die Hauptstadt Tripolis und Misrata. Der Rest des Landes von Libyen wird von der Gegenregierung in Tobruk mit eigenem Parlament kontrolliert. Dieses Parlament bevollmächtigte den General Haftar, mit der libyschen Armee das Land von den Terroristen zu säubern – also Tripolis und Misrata zu befreien. Unterstützt wird die libysche Armee von Haftar durch Ägypten, Russland und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die libysche Armee wird die Offensive auf die von der Türkei unterstützten Terroristen in Tripolis bald wieder aufnehmen. Sollte die Türkei auch in Libyen aktiv eingreifen, bekommt sie es hier mit der ägyptischen Armee zu tun. Kairo hat ein großes Interesse daran, Libyen zu befrieden und den Terrorismus im Keim ersticken zu lassen.
Um doch noch die Oberhand zu gewinnen, schickt die Türkei Kriegswaffen, Soldaten und sogar Terroristen aus Syrien nach Libyen. Sollte Erdogan damit Erfolg haben, könnte die Türkei neben Syrien, nun auch mit Libyen einen weiteren Hebel bekommen, um mit der Flüchtlingskrise die EU zu erpressen. Darüber hinaus will die Türkei mithilfe der „Regierung in Tripolis“ einen Zusammenschluss mehrerer Staaten verhindern, die Erdgas aus dem östlichen Mittelmeer nach Europa exportieren wollen. Die Türkei steht wegen der Politik von Erdogan international ziemlich isoliert dar und könnte wegen Idlib und Tripolis auch Russland als Partner verlieren.
via @Hinter.d.Kulissen rot

Eben erst habe ich den obigen Beitrag, den ich gestern aus Zeitmangel einfach nur kopiert hatte, gelesen. Ich habe das deutliche Gefühl, dass hier Leute schreiben, die tatsächlich hinter die Kulissen schauen.
Im „heute-Journal“ hat gestern Abend Klaus Kleber wieder Bilder gezeigt, die ganz eindeutig als Anklage gegen Russland und Syrien dienen sollten: weinende Kinder in bombardierten Häusern oder frierende Kinder in provisorischen Zeltlagern. Es wird alles getan, um Russland und Syrien als Bösewichte hinzustellen, die nicht einmal davor zurückschrecken, dass Kinder betroffen sind. Kein Wort von den Rebellen, die die Bevölkerung, also auch die Kinder, als Geisel benutzen mit dem Ziel, Stimmung zu machen gegen das Land, das nach langen Verhandlungen (Sotschi und Astarna) nun handeln muss, um die letzte verbliebene Provinz von den „Rebellen“ zurückzuerobern.
Dass Israel immer wieder Passagierflugzeuge als Schutzschild benutzt, um illegal syrische Stützpunkte zu bombardieren, wird in den offiziellen Medien kaum erwähnt. Israel darf man ja nicht kritisieren.
Ich tue es trotzdem.
Die Informationspolitik unserer Medien ist eine einzige Katastrophe – von Streben nach Wahrheit keine Spur.
Man könnte sich jetzt angewidert zurückziehen und der Welt ihren Lauf lassen; aber dafür ist mir die Welt zu schade. Immer noch habe ich Mitleid mit all den Menschen, die durch die große Politik sterben und leiden müssen. Und dabei sehe ich deutlich, wer in Wirklichkeit dieses Sterben und Leiden verursacht: Es gibt nur einen Staat, der Interesse an der Destabilisierung von Ländern wie Syrien und Libyen haben konnte und kann: Israel.
Nicht das Erdöl ist der eigentliche Grund für die Kriege, Putsche und Terroraktionen gegen reguläre Regierungen, sondern die Angst Israels vor den arabischen Völkern, die den auf ihrem Gebiet errichteten Apartheitsstaat ablehnen.