Dienstag, 19. November 2019

Der Hochmut - Wurzel des "Bösen"


Die Demut präsentiert Spes (Hoffnung) den abgeschlagenen Kopf der Superbia
Psychomachia, British Library MS Cotton Cleopatra C. VIII, Canterbury, Christ Church (erste Hälfte 11. Jh., unbekannter Herkunft)

Immer wieder begegnet mir in diesen Novembertagen eine Stadt: Worms am Rhein.
Zuerst erfuhr ich, dass sich der ungarische Soldat Martin vor dem späteren Kaiser Julian in dieser Stadt zum Christentum bekannt hat.[1] Ich erinnerte in meinem Blogbeitrag daran, dass in Worms auch jener Reichstag Karls V. stattfand, bei dem Martin Luther als Ketzer verurteilt werden sollte. Dort sprach er die berühmten Worte: „Hier stehe ich: ich kann nicht anders. Gott helfe mir.“
Dann erfuhr ich, dass Friedrich II. im Wormser Dom seinen Sohn Heinrich, der seine Anweisungen nicht befolgt hatte, gedemütigt und gefangen gesetzt hat. Der Sohn war immerhin deutscher König.
Und gestern erinnerte mich Ernst Uehli an die Burgunder, die in Worms am Rhein einst die Hauptstadt ihres untergegangenen Reiches hatten.
Ich musste mich durch die ersten Kapitel des Buches „Die drei großen Staufer“ des Schweizer Anthroposophen und Historikers geradezu durchkämpfen. Sein Stil ist etwas langatmig und belehrend.
Andererseits zeigt er aber recht gut auf, was er unter „Nibelungenströmung“ versteht, die sich mit der Zeit in zwei Strömungen aufgeteilt hat, die des fränkischen Königtums und die des etwas verwilderten Vasallentums. Ersteres hat sich später mit dem römischen Impuls verbunden, als Papst Leo III. den fränkischen König Karl am Weihnachtsabend des Jahres 800 zum römischen Kaiser krönte – vermutlich gegen dessen Willen – , und so den blutsmäßigen Willensimpuls aus der alten Atlantis[2] mit dem römischen Machtimpuls verknüpft hat. Aus den Vasallen wurden später die Territorialfürsten, aber auch die Ministerialen und Ritter, die immer wieder versuchten, ihre Ansprüche vor Kaiser und König durchzusetzen.
Im Papsttum erstand dem „römischen Kaiser“ ein immer mächtiger werdender Widerpart. Eine entscheidende Rolle im Machtzuwachs des Papstes im sogenannten Investiturstreit spielte der Cluniazensermönch Hildebrand, der dann zum Papst (Gregor VII.) gewählt wurde. Er war es, der das Priester-Zölibat einführte, um damit die Bischöfe und Äbte aus der Vererbungslinie herauszunehmen und so über ihre Investitur leichter bestimmen zu können.
Leider vergisst Ernst Uehli ganz, zu erwähnen, was ich aus einem Vortrag Rudolf Steiners vom Mai 1912 in Norrköping ("Theosophische Moral") weiß: die nordischen Menschen, die von einer verborgenen Priesterschaft angeführt wurden, waren jene Atlantier, die durch magische Praktiken zum Untergang des Kontinents durch Wetterkatastrophen entscheidend beigetragen hatten. Sie mussten nun eine Zeit der Läuterung durchmachen und entwickelten sich im Laufe der Jahrtausende schließlich zu der nordischen Rasse, die durch ihren Starkmut und ihre (Nibelungen-) Treue ausgezeichnet war und schließlich mit dem „furor teutonicus“ das degenerierende römische Imperium zu Fall gebracht hat.
„In die nördlichen Gebiete Europas wurden nun aus dem untergehenden atlantischen Kontinent gerade jene Bevölkerungsteile geführt, welche an Leib und Seele verdorben waren. Die untersten der sieben atlantischen Kasten, diejenigen, welche nicht nach dem Osten (Tibet, Indien) gelangen durften, wurden in Kolonien im Norden Europas und Asiens angesiedelt. Es sind die Stämme, welche später von den Griechen als die wilden Skythen bezeichnet werden und die sich, weit verzweigt, bis nach Ostasien erstreckten. Antike Geographen bezeichneten Skandinavien als „Skythia Minor‘. Das Wort Skythen bezeichnet ‚Schützen‘, und noch im römischen Heere waren die Legionen der Schützen meist skythischer Herkunft. Die Schotten, die Tschuden (Bewohner Finnlands) und die Skandinavier tragen (nach Arnold Wadler) gleichfalls ihren Namen. In Skandinavien sollte nun die Stätte sein, wo in der reinen Ätherregion des Nordens die degenerierten atlantischen Geschlechter geläutert und wieder emporgehoben werden sollten. Denn gerade hier bestand eine gewisse Ähnlichkeit mit den Bedingungen der alten Atlantis: freie Lebenskräfte. Sie konnten nun in ganz besonderer Weise zur Entwicklung eines neuen Geschlechts benutzt werden. Skandinavien ist alter atlantischer Boden. Jordanes, der Geschichtsschreiber der Goten aus dem 5. Jahrhundert, hatte noch ein Wissen davon, dass alle späteren germanischen Stämme von Skandinavien ausgegangen sind. Die Goten zum Beispiel wurden schon ca. 1400 vor Christus, verjüngt und gesundet, nach dem heutigen Russland ausgesendet, wie er beschreibt. Ein Stamm nach dem anderen wurde so, nachdem die Umwandlung vollzogen war, als Kolonie ausgesandt. So sollen die Burgunder von Bornholm gekommen sein (…) Hier also, unter dem ‚hyperboräischen‘ Himmel, sollte die Lebenskraft gereinigt, das Böse in Gutes manichäisch umgeandelt werden. In jahrtausendelanger Abgeschiedenheit machten sie gleichsam von neuem Kindheitsstufen der Menschheitsentwicklung durch. Alle Weisheit wurde vor ihnen verborgen gehalten – sie sollten nicht versucht sein, sie wiederum, wie im atlantischen Dasein, zu missbrauchen. Nur die Ich-Kraft sollten sie entwickeln, nur sie auf das Irdische richten. Ihre erhabenen Führer blieben ihnen unbekannt, diese wirkten von verborgenen Stätten aus. Trotzdem wurde jede der kleinen Gemeinschaften aufs sorgfältigste gelenkt. Die priesterlichen Führer offenbarten sich jedoch nur den Leitern der Stämme.“ (Hans Mändl, Vom Geist des Nordens, Mellinger-Verlag, Stuttgart 1991, S 22f)
Leider haben die leitenden Köpfe des Dritten Reiches das Germanentum für ihre Zwecke missbraucht und aus dem „nordischen Menschen“ die überlegene Rasse gemacht, die sie „Arier“ nannten. Ich sehe darin natürlich eine Art Reaktion auf das Postulat des Judentums, das „auserwählte Volk“ zu sein. So kam es zum tragischen „Streit der Rassen“, zum Holocaust und schließlich zum Untergang der germanischen Kultur.
Wer heute noch von Germanen, Edda, Thor und Odin erzählt, setzt sich dem Verdacht aus, ein Anhänger der Nazi-Ideologie zu sein.
In diesem Zusammenhang sah ich gestern einen interessanten und berührenden Beitrag auf Arte, der den traurigen Fall einer Mutter berichtet, die bereits als Kind durch den Großvater, der ein überzeugter Nazi war, konditioniert worden war und schließlich einen Neonazi heiratete und mit ihm eine Tochter und einen behinderten Sohn bekam. In dem Film „Kleine Germanen – Eine Kindheit in der rechten Szene“ von Mohammad  Farokmanesch und Frank Geiger (Deutschland 2018)[3] wird indirekt aufgezeigt, wie ausgerechnet der behinderte Hermann dazu beiträgt, dass sich die Mutter Elsa schließlich aus der ideologischen Gefangenschaft der Neonazi-Gruppe lösen kann, die ihr Leben bestimmt. Tragisch ist dabei, dass Hermanns ältere Schwester Merrit, die den Druck des Vaters nicht mehr aushält, Selbstmord begeht.
In dem Film kommen unter anderem auch der rechte Publizist Götz Kubitschek (Antaios-Verlag, Schnellroda) und seine Partnerin, der Anführer der Identitären Bewegung und eine ehemalige NPD-Funktionärin zu Wort. Insgesamt erscheint mir der Bericht die Verhältnisse recht objektiv darzustellen.
Er macht auch verständlich, warum sich manche Menschen aus Ermangelung eines spirituellen Geschichtsbewusstseins zu solchen Ideologien hingezogen fühlen, die sie angeblich zum Teil einer Elite machen.
Aber dieses Streben, etwas „Besseres“ sein zu wollen, ist ja nicht nur bei den Neonazis verbreitet, sondern auch bei orthodoxen Israelis, die in den Arabern bis heute „Menschen zweiter Klasse“ sehen.
Wer sich selbst als von Gott „auserwählt“ betrachtet, begeht jene Sünde der „Superbia“ (Hochmut), die im Mittelalter die Wurzel alles Bösen war. Aber, wie geht man mit dem Bösen um?
Ich schrieb heute Morgen an meinen Freund Claude, der eben diese Frage stellte, folgende Zeilen:

„ja, ich glaube, wir haben uns über dieses Problem schon einmal ausgetauscht. Ich bin da ganz Deiner Meinung. Wir können sogar noch weiter gehen: jemand hat einmal gesagt: das Böse ist das Gute am falschen Platz. Also müssen wir dem Bösen (Negativem) helfen, wieder an den richtigen Platz zu finden. Leute wie Macron, Attali oder die Zionisten "brennen" für etwas, sie legen viel Energie darein, dass das "auserwählte Volk" einen eigenen Staat bekommt und ihn verteidigt. Es geht aber nicht um ein "Reich auf dieser Welt". Auserwählen kann man sich nicht selbst, sondern man wird es von Gott. Und dann hängt man es nicht an die große Glocke. Das wäre Hochmut (Superbia). Auch die Deutschen sind einmal diesem Hochmut verfallen, als sie glaubten, die "arische Rasse" stehe über allen anderen Menschen. Alles, was mit Rassen zusammenhängt, war einmal zeitgemäß. Jetzt aber geht es nicht mehr um Rassen, sondern um das Individuum. Und dabei ist es wichtig, dass man sich niemals über seinen "geringsten Bruder" erhebt (Matthäus 25,41).“



[2]  Das Wort „Nibelungen“ ist abgeleitet von jenem mythischen „Nifelheim“ (Nebelheim) aus der Edda; damit war der untergegangene Kontinent Atlantis gemeint, der laut Rudolf Steiner über lange Zeiten in Nebel gehüllt war, bis sich dieser kondensierte und in der sogenannten „Sintflut“ als Regen die Erde überschwemmte.
[3] https://www.arte.tv/de/videos/066288-000-A/kleine-germanen/ verfügbar bis zum 25. 11. 2019 in der Arte-Mediathek

Samstag, 16. November 2019

Hintermänner


Rasputin PA.jpg

Der Höhepunkt des Bielefelder Parteitages der Grünen war die Wahl des Duos Habeck/Baerbock zur neuen Doppelspitze der Partei. Robert Habeck, den manche schon als zukünftigen Bundeskanzler sehen, bekam etwas über 90% der Stimmen der Delegierten, Annalena Baerbock (38) sogar das Traumergebnis von 97,1%.[1]
Die Partei hat deutlich signalisiert, dass sie wieder „Regierungsverantwortung“ übernehmen möchte. Dabei kritisiert sie das vor wenigen Tagen von der Koalition verabschiedete „Klimapaket“ als vollkommen unzureichend. Falls die Partei bei den nächsten Bundestagswahlen tatsächlich als zweitstärkste Partei nach der CDU/CSU eine Koalition mit den „Schwarzen“ eingehen könnte, dann läge das ganz im Trend der Bewegung „Fridays for Future“ und vermutlich auch auf der Linie von Greta Thunberg. Gegen diese Bewegung und insbesondere gegen die junge Schwedin hetzen die Rechten, wie man zum Beispiel am Titelbild der neuesten Ausgabe des Magazins „Compact“ ablesen kann, das der gestern erwähnte Jürgen Elsässer zu verantworten hat.
Robert Habeck, der am 2. September 1969 in Lübeck geboren wurde, ist seit 1996 mit der Literaturwissenschaftlerin und Schriftstellerin Andrea Paluch verheiratet, mit der zusammen er Kinderbücher und Romane schreibt, die stark von skandinavischer und englischer Literatur beeinflusst sind, wie ich auf Wikipedia lese.[2] Der sympathische junge Mann, der an der Universität Freiburg Philosophie und Germanistik studiert hat und an der Universität Hamburg zum Doktor der Philosophie promoviert worden ist, müsste also einen Sinn für das, was in unserer Zeit notwendig ist, haben.
Auch Annalena Baerbock finde ich sehr sympathisch. Sie hätte ich vor knapp einem Jahr in Kirchberg erleben können, wo sie auf einer Veranstaltung von Rudolf Bühler einen Vortrag hielt. Die am 15. Dezember 1980 geborene Frau, die bereits zwei Töchter hat, ist auf einem Bauernhof aufgewachsen, hat an der Universität Hamburg Politikwissenschaft und öffentliches Recht und an der London School of Economics Völkerrecht studiert, dürfte also auch auf diesem Gebiet eine gewisse Kompetenz haben.
Das Paar strahlte gestern nach der Wahl vor Freude. Diesen Optimismus und dieses Strahlen möge ihm Gott für die „Nach-Merkel-Zeit“ erhalten.
Das Dumme in unserer Zeit, die so dringend den Optimismus für eine friedliche und „nachhaltige“ Zukunft benötigt, ist auf der anderen Seite das Gift, das ständig von gewissen Zirkeln gegen ihre Kritiker verspritzt wird. Diese Netzwerke werden vielleicht in Zukunft eher mit rechtsgerichteten Parteien gemeinsame Sache machen, die gegen die Elektromobilität einstehen und die bisherige Wachstumspolitik der Wirtschaft eher befürworten.
Das beste Beispiel für solche Leute ist der US-Präsident Donald Trump, der als Milliardär Politik als Geschäft sieht und sich bei seinen Entscheidungen nicht um die Natur und das Klima bekümmert. So will er vor allem amerikanisches Erdgas verkaufen, das durch die umweltschädliche Methode des großflächigen „Fracking“ gewonnen wird und torpediert – vermutlich im Auftrag der amerikanischen Ölindustrie – die russische Erdgaspipeline „Nordstream 2“, die kurz vor der Fertigstellung steht. Diese Einmischungspolitik US-amerikanischer Geostrategen in die Politik souveräner Staaten steht auch hinter der Forderung dieser Kreise, dass Deutschland seinen Beitrag zu den Verteidigungsausgaben (der NATO-gelenkten Bundeswehr) auf 2% des Bruttosozialprodukts erhöhen solle, was diese nun willfährig im Haushalt für das Jahr 2020 anstrebt.
Ich weiß nicht, inwieweit der amerikanische Präsident Donald Trump, der mehr aus dem Instinkt als aus dem Intellekt heraus zu handeln scheint, die amerikanische Politik selbstständig gestaltet. Ich vermute vielmehr gewisse Interessen hinter ihm, die ihm das Handeln „einflüstern“.
Da wäre zum Beispiel der wenig bekannte Multimilliardär Robert Mercer, der im Hintergrund die Fäden zieht, wie in der Sendung „Fake America great again“[3], die ich bereits zum zweiten Mal auf Arte gesehen habe, wegen seiner Verbindungen zu Cambridge Analytica, Breitbart News und anderen Firmen aufgezeigt wird.
Robert Mercer ist am 11. Juli 1946 geboren, hat Computertechnologie studiert, bei IBM als Entwickler gearbeitet und gilt als einer der Erfinder von elektronischen Sprachprogrammen wie „Google-Translater“. Er setzt sich auf diesem Gebiet mit seiner Hedgefonds-Firma „Renaissance Technologies“ für die Entwicklung der künstlichen Intelligenz ein. Er hat nachweislich den englischen Führer der UKIP (UK Independence Party) Nigel Farage in seiner Kampagne zum Austritt Großbritanniens aus der EU („Brexit“) unterstützt und wohl auch die Wahl Donald Trumps in seinem Sinne beeinflusst.
Man darf also in der Politik nicht auf die Leute schauen, die im Vordergrund agieren, sondern vielmehr auf jene „Hintermänner“, die sich wie Robert Mercer meistens bedeckt halten und von denen nur Weniges an die Öffentlichkeit gelangt. Es ist dadurch möglich, dass es immer wieder Menschen wie Edward Snowden, Julian Assange oder auch Christopher Wylie[4] gibt, die solche Hintergründe für eine kritische Öffentlichkeit sichtbar machen. Leider interessieren sich nur wenige dafür, beziehungsweise haben nur wenige wegen ihrer Tagesarbeit die Zeit, sich gründlich zu informieren. So können solche Whistleblower von den Regierungen weiter verfolgt und bedroht werden, wie der „Spiegel“ in seiner neuesten Titelgeschichte (Ausgabe 47 vom 16.11.2019) ausführt.
Ein anderer Film wurde gestern Abend auf Arte wiederholt, den ich bereits einmal gesehen hatte: „Rasputin – Mord am Zarenhof“ von Eva Gerbering (Deutschland 2016)[5].
Der Film verspricht im Fall des Gottesmannes aus Sibirien (geboren am 10. Januar 1869), der bedeutenden Einfluss auf die Zarin Alexandra Fedorowna Romanowa, eine gebürtige Prinzessin aus dem Hause Hessen-Darmstadt, erlangte, weil er es mit seinen geistigen Kräften schaffte, die Bluterkrankheit des einzigen Sohnes und Zarewitch zu heilen, neue Forschungsergebnisse vorzubringen: Der russische Historiker Boris Kolonizki und Olga Utotschkina, die derzeitige Leiterin des Jussopow-Palais in Sankt Petersburg, zeigen auf, dass nach dem Mord an Rasputin am 16. Dezember 1916 mehrere englische Diplomaten Sankt Petersburg fluchtartig verließen. Einer davon war Oswald Rayner, der später die englische Ausgabe der Memoiren von Felix Jussopow[6] lektoriert und übersetzt hat.[7] Der Geheimagent und enge Freund von Jussopows wohnte im Sankt Petersburger Hotel „Astoria“ und verließ Sankt Petersburg überraschend nach dem 16. September 1916.
Felix Jussopow[8], der mit einer Nichte von Zar Nikolaus II. verheiratet, aber eigentlich homosexuell war, galt am Anfang des Jahrhunderts als einer der reichsten Männer der Welt. Er veröffentlichte später im Pariser Exil seine Memoiren[9], in denen er auch seine Version von der Geschichte vom Mord an Rasputin erzählte, die aber nach der Aussage von Olga Utotschkina voller Unwahrheiten ist, weshalb auch die Tochter Rasputins dagegen geklagt hatte (siehe Anmerkung 9).
In dem Film „Rasputin – Mord am Zarenhof“ wird auch darauf hingewiesen, dass Großbritannien kein Interesse daran hatte, dass Russland mit dem Deutschen Reich einen Separatfrieden schließt, wie es Rasputin dem Zaren und seiner Frau empfohlen hatte. Das hätte noch vor dem Kriegseintritt Amerikas am 7. April 1917 den Krieg zugunsten der Mittelmächte erheblich beeinflussen können, denn dann wären die Truppen von der Ostfront an die Westfront verlegt worden und das Deutsche Reich hätte mit Sicherheit über die Entente-Mächte gesiegt. Der Mord an Rasputin am 16. Dezember 1916 war offenbar kriegsentscheidend und ganz im Sinne der alliierten Feinde Deutschlands, die von Großbritannien angeführt wurden.
Dieser Meinung ist auch Willy Wimmer in seinem Buch „Und immer wieder Versailles“, das diese Zusammenhänge aufzeigt. Er führt aus:
„Die Siegerhistorie sucht zu verschleiern, dass dieser Weltkrieg Österreich-Ungarn und dem kaiserlichen Deutschland aufgezwungen wurde. Ein Schweizer Historiker hat dazu einmal sinngemäß formuliert, dass die Geschichte auf Dauer nicht gefälscht werden könne. Ich finde, die europäische Zusammenarbeit darf nicht von dieser Siegerhistorie dominiert werden, so dass daraus Gift für die Zukunft entsteht. Dieses Gift wird heute außerhalb Deutschlands in übelster Weise formuliert, und wir Deutsche werden darauf eine adäquate, europabezogene, nachbarschaftliche Antwort finden müssen, denn die Zusammenarbeit in Europa ist inzwischen ein Wert an sich geworden. Schmerzlich vermissen viele Menschen in Deutschland eine Politik der guten Nachbarschaft gegenüber Russland und den Menschen in diesem großen Nachbarland. Das Ganze hat etwas mit den Ereignissen in Versailles zu tun. Sieht man es sich allerdings ganz nüchtern an, ohne Diskussionen über das Konferenzgeschehen an sich, dann findet man in den Abläufen unmittelbar zuvor Antworten auf heutige politische Fragen. Ich habe bereits darauf aufmerksam gemacht, was ich im Sommer 1988 von der Führungsspitze der CIA in Washington gehört habe – die Aufstellung der sowjetischen Streitkräfte in Mitteleuropa sei eine Konsequenz aus Napoleon und Hitler. Eigentlich ist noch eine dritte Komponente hinzuzufügen, die nicht im allgemeinen Bewusstsein präsent ist: die Bemühungen von britischer, amerikanischer und auch französischer Seite, um Russland unter allen Umständen im Krieg gegen Deutschland zu halten, damit die russischen Soldaten die amerikanischen, britischen und französischen Kriegsziele gegen Deutschland erledigen und um das Werk von Versailles zu vollenden. Ich spreche die angelsächsische Invasion nach der Revolution in Russland an, vor allem die militärischen Bewegungen unter dem Kommando des britischen Generals und späteren Feldmarschalls Ironside.[10] Beschäftige ich mich mit Versailles und den Konsequenzen für die heutige Zeit, dann muss ich drei Invasoren beachten: Napoleon, Ironside und Hitler. Diese internationale angelsächsische Okkupation weiter Teile Russlands hat eine Vorgeschichte, und zwar eine sehr spektakuläre, die auch heute noch Romanautoren interessiert: die Ermordung des Priesters Rasputin, dem eine besondere Nähe zu der aus Deutschland stammenden Zarin am Petershof nachgesagt wurde. Er hat sich nachweislich für einen Frieden mit Deutschland eingesetzt und wurde dann, wie bereits erwähnt, von einem britischen Geheimagenten erschossen, um nur ja alles zu unternehmen, damit Russland sich nicht auf einen Sonderfrieden mit dem kaiserlichen Deutschland und Österreich-Ungarn einlässt. Das muss man in diesem Kontext sehen, weil es auch sehr deutlich macht, wie die Interessenlage der Alliierten im Ersten Weltkrieg gegen Deutschland und gegen Russland gerichtet war, was sich dann auch auf den Zweiten Weltkrieg auswirkte.“ (S 196f)



[3] Den Film von Thomas Hutchon (Frankreich 2018) kann man auf der Arte-Mediathek noch bis zum 9. Februar 2010 abrufen https://www.arte.tv/de/videos/082806-000-A/fake-america-great-again/
[5] Bis zum 15.12.2019 in der Arte-Mediathek verfügbar: https://www.arte.tv/de/videos/060142-000-A/rasputin-mord-am-zarenhof/ Insbesondere die Passagen nach Minute 43:30
[6] “Rasputin, his malignant Influence and his Assassination”, London o.J.
[7] Der Mann war ein Mitglied des MI6 und lebte während des Ersten Weltkrieges in Sankt Petersburg. Siehe: https://en.wikipedia.org/wiki/Oswald_Rayner
[9] „La Fin de Raspoutine“, Plon 1927 (Deutsch : „Rasputins Ende, Erinnerungen, Pantheon, Berlin 1928) Die Tochter Rasputins, Maria, die ebenfalls im Pariser Exil lebte, klagte gegen die dort gemachten Aussagen. Siehe die französische Wikipediaseite zu Felix Jussopow: https://fr.wikipedia.org/wiki/F%C3%A9lix_Ioussoupov

Sündenfall, 2. Fortsetzung




Mir war, als ich gestern den Text über den Beginn des Jugoslawienkrieges schrieb, wobei ich eine lange Passage aus der „Pflichtlektüre“ „Und immer wieder Versailles“ von Willy Wimmer abtippte, nicht bewusst, dass exakt vor 20 Jahren, im November 1999 beim Bundesparteitag der Grünen in Bielefeld ein Farbbeutel mit roter Farbe den damaligen Außenminister Joschka Fischer am Hinterkopf getroffen hat, weil sich Mitglieder der Partei, die nicht nur aus der Umweltbewegung, sondern auch aus der Friedensbewegung hervorging, darüber erregten, dass sich die erste Rot-Grüne Koalition von den Amerikanern in den NATO-Krieg auf dem Balkan, also in den ersten Krieg auf europäischem Boden seit dem Zweiten Weltkrieg, hineinziehen ließ. Das war in der Tat der „Sündenfall“ der Grünen, einer Partei, für die ich einmal viel Sympathie und die ich mehrmals gewählt hatte.
Gestern begann – zwanzig Jahre nach dem „Sündenfall“ wieder ein Parteitag der Grünen in derselben Stadt und die Nachrichtensendung „heute“ blendete bei der Berichterstattung auch Bilder aus jenem Parteitag ein, eben jene Szene mit dem Farbbeutel, an die ich mich sehr gut erinnern kann.
Ich kann mich auch noch an die Begründung Joschka Fischers erinnern, der meinte, Deutschland habe nach Auschwitz eine Verpflichtung, sich gegen Völkermord einzusetzen, und wenn es sein muss, auch mit Waffengewalt. Er meinte mit dem Völkermord das Massaker von Srebrenica, bei dem im Juli 1995 angeblich 8000 Bosniaken von Serben hingerichtet worden sind, obwohl in der Schutzzone UNO-Blauhelme stationiert waren.
Auf der Wikipedia-Seite lese ich dazu:
„Lange Zeit wurde in vielen serbischen Medien das Massaker von Srebrenica geleugnet. Auch in westlichen Print- oder Onlinepublikationen wurde gelegentlich die Behauptung aufgestellt, die Ereignisse hätten gar nicht stattgefunden oder seien in den Medien falsch oder verzerrt dargestellt worden.
Im deutschsprachigen Raum relativierte vor allem Jürgen Elsässer in der Tageszeitung ‚Junge Welt‘ das Massaker, unter anderem durch Berufung auf serbische Kriegsopfer. Die Klassifizierung des Geschehens als Völkermord nennt Elsässer eine ‚Lüge‘ und einen ‚Mythos‘. Er behauptet, eine Reihe von muslimischen Toten seien im Sommer 1995 Opfer von Liquidationen geworden, die andere Muslime um Naser Oric verübt hätten. Dem Haager Kriegsverbrechertribunal wirft Elsässer unter Bezugnahme auf dessen Urteil gegen Oric vor, es urteile einseitig zuungunsten serbischer Angeklagter. Elsässer streitet vereinzelte Massaker nicht ab, betont jedoch, dass diese nicht gezielt und systematisch vorgenommen worden seien. Die Taten seien allein von ‚marodierenden serbischen Einheiten zu verantworten. Viele der Soldaten kamen aus der Region um Srebrenica und wollten den Tod von Angehörigen rächen, die zuvor bei moslemischen Überfällen getötet worden waren.‘ Die Beweise für die systematische Planung und Durchführung der Verbrechen sind jedoch in den Prozessen vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal aktenkundig.
Ähnlich relativierende, serbische Kriegsverbrechen und den Genozid in Srebrenica als ‚Rachemassaker‘ für vorausgegangene bosnische Kriegsverbrechen deutende Positionen finden sich auch in den Reiseberichten, Texten und Interviews des österreichischen Schriftstellers Peter Handke, begleitet von vehementer Kritik an der vermeintlich ‚einseitigen‘ journalistischen Berichterstattung. Die Opferrechtsorganisation ‚Mütter von Srebrenica‘ forderte die Schwedische Akademie auf, die Vergabe des Literatur-Nobelpreises 2019 an Peter Handke zu revidieren. Die Organisationsleiterin Munira Subasic wird in diesem Zusammenhang mit den Worten zitiert: ‚Es ist traurig, dass ein so wichtiger Preis dem Leugner des Genozids in Srebrenica verliehen wurde, wenn alle wissen, was in Srebrenica passiert ist. (…) Mit dieser Entscheidung wurden die Mütter von Srebrenica, die ihre Söhne, Männer und Brüder verloren haben, noch einmal verletzt und ins Herz getroffen.‘
Zu jenen, die den Begriff ‚Völkermord‘ ablehnen, gehört der ehemalige serbische Präsident Tomislav Nikolic. Milorad Dodik bestritt Anfang Juli 2015, dass ein Völkermord stattgefunden habe, nachdem er diesen und die Zahl von 8000 Opfern bereits im April 2010, vor seiner Wahl zum Präsidenten der Republik Srpska, in Zweifel gezogen hatte. 2015, zum 20. Jahrestag des Massakers forderte er, Srebrenica müsse auch zu einem Gedenkort für den ‚Völkermord an den Serben‘ erklärt werden. Der Begriff wird in einigen Fällen auch abgelehnt, weil nur männliche Personen dem Massaker zum Opfer gefallen seien, keinesfalls alle bosniakischen Flüchtlinge. Im Gerichtsurteil gegen Radislav Krstic wird allerdings betont, dass die systematischen Morde an der männlichen Bevölkerung einen katastrophalen Einfluss auf die stark patriarchalischen Familien der Bosniaken Srebrenicas hatten und damit diese ethnische Gruppe zerstörten, was den Tätern bewusst gewesen sei. Die Journalistin Diana Johnston leugnete den genozidalen Charakter des Massakers in ihrer ersten Publikation 2002 sowie 2015; die Begründung des ICTY sei weit hergeholt, behauptete sie.
Der Völkerrechtler William Schabas bewertete 2009 die Verbrechen in Srebrenica und während des gesamten Krieges in Bosnien eher als ethnische Säuberung, nicht als Genozid.
Häufig wird die Gesamtzahl der ermordeten Bosniaken relativiert. Die Zweifler betonen, die hohen offiziellen Opferzahlen hätten den Zweck, die serbische Seite zu dämonisieren und von Verbrechen gegen die Serben abzulenken, in der Region Srebrenica selbst oder zu anderen Gelegenheiten, wie etwa der ‚Operation Sturm‘. Statt von 7000 bis 8000 Opfern des Massakers von Srebrenica sei von einer deutlich niedrigeren Zahl auszugehen. Gestützt wird dies unter anderem mit der Behauptung, 1996 seien in Wählerverzeichnissen zu Wahlen in Bosnien-Herzegowina 3000 Vermisste und angeblich Tote wieder aufgetaucht. (…)
Zweifel an der etablierten Darstellung der Ereignisse werden auch vorgebracht, weil seit Juli 1995 Tausende von Leichen nicht gefunden bzw. exhumiert wurden. Von den Exhumierten wiederum sind bislang viele nicht identifiziert.“[1]
Das Thema vom „Völkermord in Srebrenica“ wird also durchaus kontrovers diskutiert. Es erscheint mir deutlich, dass die westliche Seite versucht, das Massaker im Nachhinein als Rechtfertigung für den völkerrechtswidrigen NATO-Krieg gegen die Serben zu instrumentalisieren. Die Serben sind bis heute mit Russland verbündet. Der NATO-Krieg war also eine Art Startsignal, um indirekt Russland zu warnen, das sich damals anschickte, mit dem im August 1999 zum Ministerpräsidenten gewählten ehemaligen KGB-Offizier Wladimir Putin von den Wirren der 90-er Jahre zu erholen.
Die serbische Geheimorganisation „Schwarze Hand“ hatte schon – im Auftrag dubioser Hintermänner – dafür gesorgt, dass es mit der Ermordung des österreichischen Thronfolgers und seiner Frau einen Anlass gab, den Ersten Weltkrieg auszulösen. Das Ende der Geschichte war, dass im Jahre 1919 durch den Zusatzfrieden von Trianon der Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn zerschlagen und zerstückelt wurde, eine Folge der fatalen Idee des „Selbstbestimmungsrechtes der Völker“ von US-Präsident Woodrow Wilson bzw. der hinter ihm stehenden Zirkel, die wohl genau wussten, was sie damit erreichen wollten. Den Krieg auf dem Balkan muss man auch in diesem Zusammenhang sehen.
Aber es fällt schwer, 100 Jahre Geschichte im Bewusstsein zu halten und es macht Mühe, die Dokumente zu studieren, insbesondere dann, wenn sie der „offiziellen Geschichtsschreibung“ widersprechen. So geht diese bis heute im Prinzip von der „Alleinschuld Deutschlands“ am Ausbruch des Ersten Weltkriegs aus oder verschweigt – wie Christopher Clark in seinem Buch „Die Schlafwandler“ – die Rolle des Britischen Empires und der Französischen Republik.
Genauso will man im Fall des Massakers von Srebrenica eine „Alleinschuld“ der Serben unter ihrem damaligen Präsidenten Milosevic „konstruieren“, denn das passt in die „langfristige Planung“ jener Netzwerke, die im Hintergrund die Politik gestalten und die Politiker nur als Marionetten benützen.
Ich selber habe das Vertrauen in unsere Politiker schon lange verloren. Was ich sage, klingt nach „Verschwörungstheorie“. Aber ich stelle nur Fragen und bezweifle seit langem Vieles, was offiziell verkündet wird, so zum Beispiel die offizielle Version vom Anschlag auf die WTC-Türme am 11. September 2001. Inzwischen gelten solche „Verschwörungstheorien“ bereits als „Hetze“ und als „rechtsextrem“.[2]
Das sind in meiner Sicht Schritte zu einem allgemeinen Denkverbot, das immer mehr durch Gesetze wie das „Netzwerkdurchsetzungsgesetz“, oder das bereits im Jahre 1993 beschlossene Gesetz gegen „Volksverhetzung“  (Strafgesetzbuch § 130) institutionalisiert werden muss. Dazu gehört natürlich insbesondere jede Kritik an Israels Besatzungspolitik.
Als die Sängerin Anna Loos am 9. November bei der Feier zum Mauerfall-Jubiläum, die im ZDF übertragen wurde, ein Video mit der Botschaft „Genug mit Besatzung“ in hebräischer Schrift zur besten Sendezeit einblendete, das wohl kaum jemand entziffern oder verstehen konnte, titelte die traditionell israelfreundliche Bildzeitung auf der ersten Seite ihrer Ausgabe vom 11. 11. In gewohnter rot-weißer Großschrift: „Anti-Israel-Hetze auf Mauerfall-Feier“. Es wird der Botschafter des Staates Israel, Jeremy Issacharoff zitiert:
„‚Am 9. November haben wir den Mauerfall gefeiert, aber auch würdevoll an die Progromnacht vor 81 Jahren erinnert, die auch symbolisch für die Schrecken des damals nahestehenden Holocaust steht‘ Es sei eine Schande, dass einige es für angebracht hielten, dieses Ereignis für politische Zwecke gegen Israel zu instrumentalisieren.“ (Bild vom 11.11.2019, S 2)



[2] In den Nachrichten wurde gestern von einem AfD-Stadtrat aus Halle berichtet, der aus dem Kulturausschuss der Stadt „entfernt“ wurde, weil von ihm ein angeblich „rechtsextremes“ Video aufgetaucht sei. In dem Videoausschnitt, der in „3SAT-Kulturzeit“ gezeigt wurde, tut er nichts anderes, als die offizielle Version der New-Yorker-Anschläge in Frage zu stellen. Ihm wird zum Vorwurf gemacht, dass er dabei auf die Tatsache hinweist, dass beim Einsturz der Türme kaum Juden umgekommen waren, weil sie die Gebäude rechtzeitig verlassen hätten. Das sei antisemitisch.

Freitag, 15. November 2019

Der Sündenfall (Fortsetzung)



Nun habe ich das Buch „Und immer wieder Versailles“ von Willy Wimmer und Aleksander Sosnowski ausgelesen das in Form eines Gesprächs den Einfluss angelsächsischer Netzwerke seit Beginn des Ersten Weltkriegs bis heute auf die europäische Geschichte beschreibt.
Nach dem Lesen hat mich eine Art Wut ergriffen, denn wieder einmal musste ich aus berufener Hand hören, wie diese Zirkel an den Regierungen anderer Staaten vorbei ihre Machtpolitik konsequent verwirklichen. Offenkundiges Ziel dabei war es, zunächst Deutschland mit Krieg zu überziehen und es zu vernichten. Das viel wichtigere Ziel aber ist, um jeden Preis eine Verbindung zwischen Deutschland und Russland zu verhindern. Aufschlussreich sind dabei folgende Ausführungen zum Beginn des Jugoslawienkrieges:
„So war ganz interessant, dass sich nach der Konferenz von Rambouillet im Frühjahr 1999, die ja den Weg zum Krieg gegen Jugoslawien frei gemacht hat, der amerikanische Senator Bob Dole, der ehemalige Präsidentschaftskandidat, aufgemacht hatte, um auf dem Balkan die Unterstützung albanischer Kräfte für diesen Vertrag zu gewinnen, der nichts anderes bedeuten würde als den Verlust der jugoslawischen Souveränität. Bob Dole[1] war eine Schlüsselfigur in der amerikanischen Politik der 80-/90er-Jahre. Bei ihm liefen die Fäden für die Iran-Contra-Finanzierung[2] zusammen, und in seinem Wahlkreis leisteten wie gesagt albanische Kräfte offenbar einen wesentlichen Beitrag dazu, seine Wiederwahl zu sichern. (…) Andere haben ebenfalls tatkräftige Unterstützung für die sogenannte Befreiungsarmee[3] im Kosovo geleistet, nicht nur iranische und israelische Sonderkräfte. Das macht deutlich, wie die Dinge auseinandergelaufen sind. Von westlicher Seite wurden die kosovarischen Unabhängigkeitskräfte durch staatliche Institutionen wie die Nachrichtendienste unterstützt, auf der anderen Seite hat die regierungsamtliche Politik eine Menge unternommen, um es nicht zum Krieg kommen zu lassen – jedenfalls von deutscher Seite aus. (…) Das waren nicht nur der deutsche und  der amerikanische Nachrichtendienst, sondern auch britische, französische und israelische Kräfte haben im Kosovo aufs Engste kooperiert und dazu beigetragen, dass sich die Dinge so entwickeln, dass es letztlich am 24. März zum Ausbruch des Krieges kam. Wir dürfen nicht vergessen, dass selbst die Missionen der OSZE, die im Kosovo den Ausbruch von Kampfhandlungen eigentlich nach Möglichkeit verhindern sollten, durchsetzt waren von amerikanischen, britischen und auch deutschen Agenten. Als die OSZE-Mission zu gefährlich wurde, hatten sie die Aufgabe, an Ort und Stelle als Aufklärer für den kommenden NATO-Krieg zu verbleiben und Ziele zu markieren. So ist es dann auch geschehen. Das Interessante ist, dass von den kosovarischen Kräften um den berühmten Herrn Rugova nach Ausbruch des Krieges plötzlich Leute in Tel Aviv aufgetaucht sind. Zuvor war über westliche Medien kolportiert worden, diese Leute seien von den Serben erschossen worden. (…)Man muss das im Zusammenhang mit der serbischen Organisation Otpor[4] sehen, die mit amerikanischer Unterstützung – angeblich aus dem wissenschaftlichen Bereich – die Grundlage für die sogenannten ‚farbigen Revolutionen‘ zwischen der Ukraine und Teheran legte und die heute als weltweites Beratungsunternehmen für alle diejenigen unterwegs ist, die mit amerikanischer, britischer, möglicherweise auch anderer Unterstützung versuchen, legitime Regierungen aus dem Amt zu jagen. (…) Das ist immer im Zusammenhang mit amerikanischen Frontorganisationen zu sehen. Kürzlich konnte man in deutschen Zeitungen lesen, wer unter anderem der Finanzier dieser Organisationen war. Bei all diesen in Europa tätigen Frontorganisationen machen offenbar staatliche Einrichtungen gemeinsame Sache mit privaten Investoren. Das Interessante ist, dass sie, wenn es um Menschenrechte geht, immer nur bei uns in Europa sowie dem ganzen Gebiet der Russischen Föderation wirken und nicht auf dem Territorium der USA. (…) Bei der Konferenz in Bratislava nach Ende des Jugoslawienkrieges, organisiert von US-Außenministerium und der Denkfabrik Enterprise Institute, legte die US-Regierung ihr Konzept der künftigen europäischen Entwicklung gegenüber den Gesprächspartnern aus Mittel- und Osteuropa schon sehr frühzeitig und unter völliger Ignorierung der westeuropäischen Regierungen offen auf den Tisch. Unter der Führung von John Bolton, Richard Perle und dem US-Botschafter bei der NATO, Herrn Taft, wurde ebenso offen zugegeben, dass mit dem Krieg gegen die Bundesrepublik Jugoslawien das geltende Völkerrecht missachtet worden sei. Und dass, anders als die damalige Bundesregierung erklärt hatte, der Krieg im Kosovo ein Präzedenzfall werden solle, auf den sich alle Staaten bei einem etwaigen gleichgerichteten Vorgehen gegen andere berufen könnten. Das heißt, die Nachkriegsordnung nach den Nürnberger Prozessen wurde bewusst durch die USA mit dem Krieg gegen Jugoslawien zerstört. Sie sollte nicht mehr funktionieren. Als Teilnehmer dieser Konferenz schrieb ich seinerzeit dem damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder einen Brief mit zehn bis zwölf Punkten und machte am Ende deutlich, dass all das, was bei dieser Konferenz vorgetragen wurde, eine Öffnung für künftige Kriege seitens der Vereinigten Staaten in Europa bedeuten würde. Und das ist auch so eingetroffen, wie im Übrigen auch die Ankündigung von John Bolton, Europa zwischen den baltischen Staaten und Odessa zu teilen. Damit wurde sichergestellt, dass westlich dieser neuen Grenzlinie der amerikanische Einfluss gewaltig anstieg, die Übernahme der amerikanischen Rechtsordnung eingeschlossen. An einem Partner östlich dieser Grenze hatte man kein Interesse, weder an der Russischen Föderation noch anderen. Seither bildet das Territorium zwischen der russischen Westgrenze und dem Atlantik den europäischen Brückenkopf der USA, und man kann darüber nachdenken, ob Deutschland in dieser Gemengelage bereits den Status von Puerto Rico hat oder nicht. Damit erleben wir eine Neuauflage amerikanischer Planungen, die es seit Ende des Ersten Weltkriegs gibt (…) (S 163ff)



[1] Bob Dole wurde am 22. Juli 1923 in Russell in Kansas geboren, wo sein Vater ein kleines Milch-Geschäft (creamery) betrieb. Er wurde als Republikaner für den Staat Kansas sowohl ins Repräsentantenhaus, als auch in den Senat gewählt und hat zweimal für die Präsidentschaft kandidiert. Er verlor 1980 gegen Ronald Reagan und 1996 gegen Bill Clinton. Trotz seiner Niederlagen wurde er als „senate majority leader“ ein recht populärer Politiker und trat ab 1986 in Fernsehspots auf, in denen er zum Beispiel Viagra oder Pepsi Cola (zusammen mit Britney Spears) bewarb. Von 1998 – 2002 war er Präsident des Federal City Council in Washington, einer einflussreichen Lobby-Organisation, die sich im Kongress für die Ausweitung der US-amerikanischen Wirtschaft einsetzte. Wikipedia schreibt: “The group’s media avoidance policy has been characterized in various ways. ‘The Economist’ described it in 1988 as a ‘select and shadowy gathering of some of the city’s top business and professional people’, ‘operating on the old-boy-network. In 1997, reporter Bradford McKee called the organization ‘secretive’ and ‘a shadow chamber of commerce and phantom government.” https://en.wikipedia.org/wiki/Federal_City_Council
[2] Dabei ging es um geheime amerikanische Waffenlieferungen während der Reagan-Regierung an den Iran in den Jahren 1981 – 1986. Die Lieferungen erfolgten zum Teil über Israel. Die Einkünfte wurden zum Kampf einer der „Contras“ gegen die Sandinisten in Nicaragua eingesetzt. Wikipedia schreibt: „Die USA wurden vom Internationalen Gerichtshof in Den Haag wegen militärischer und paramilitärischer Aktivitäten in und gegen Nicaragua schuldig gesprochen. In einer Resolution forderte die UN-Generalversammlung die USA auf, das Gerichtsurteil anzuerkennen. Nur die USA, Israel und El Salvador stimmten gegen die Resolution.“ https://de.wikipedia.org/wiki/Iran-Contra-Aff%C3%A4re

Donnerstag, 14. November 2019

Der "Sündenfall" - wie die deutsche Politik seit 1999 die eigene Verfassung bricht



Als ich vorhin nachschaute, wie viele Leser ich inzwischen auf meinem Blog „Kommentare zum Zeitgeschehen“ habe, konnte ich feststellen, dass mein Eintrag vom 4. Oktober 2019 über „Die spirituellen Hintergründe des Mauerfalls“[1] inzwischen die meisten Klicks hat, nämlich exakt 100. Das freut mich natürlich, auch wenn ich mich keinen Illusionen darüber hingebe, dass meine Gedanken dazu von irgendwelchen Leuten gelesen werden, die am politischen Geschehen unmittelbar beteiligt sind.
Einer dieser Menschen ist Willy Wimmer, dessen neuestes Buch „Und immer wieder Versailles – Ein Jahrhundert im Brennglas“ (Verlag Zeitgeist, Höhr-Grenzhausen Mai 2019) ich eben mit zunehmendem Interesse lese. Die Tatsache, dass er viele Politiker aus eigener Anschauung, ja aus Gesprächen in seiner Funktion als ehemaliger Staatssekretär im Verteidigungsministerium kennt und dadurch authentisch berichten kann, gibt mir Vertrauen in seine fachliche Kompetenz. Außerdem ist er ein Mensch, der in großen Zusammenhängen denkt, was ich bei den meisten Politikern leider vermisse, und was daher meinem Eindruck nach eher eine Ausnahme ist. Ein anderer Ausnahmepolitiker war der kürzlich verstorbene Haller Ehrenbürger Erhard Eppler, dem ich schon mehrere Kommentare auf meinem Blog gewidmet habe.
Willy Wimmer, Jahrgang 1943, schreibt zu den Hintergründen der deutschen Wiedervereinigung, die vor 30 Jahren mit dem Mauerfall möglich wurde:
„Ende September 1989 kam ich mit dem Sicherheitsberater von Generalsekretär Gorbatschow, mit Marschall Achromejew, im Kreml zusammen. Er sprach von der deutschen Wiedervereinigung und fragte mich, ob ich denn nicht wisse, was beim Besuch von Gorbatschow im Juni 1989 zwischen ihm und Helmut Kohl besprochen worden war. Natürlich hatte mich der Bundeskanzler in diese Dinge nicht eingeweiht. Aber für mich und meine Begleitung war damals klar, zurück in Bonn können wir sagen: Wir bekommen die Einheit. Damals lehnte sich in Westdeutschland, abgesehen von Helmut Kohl und vielleicht noch Willy Brandt und Egon Bahr, niemand aus dem Fenster, was den Gedanken an die Wiedervereinigung anging, jedenfalls nicht öffentlich. In Moskau aber, Ende September, Anfang Oktober 1989 sprachen alle in der deutschen Botschaft von der Wiedervereinigung. Ich habe mich, abgesehen von der nächsten Kabinettssitzung, nicht getraut, in Bonn darüber zu berichten, weil ich dachte, das glaubt mir doch keiner. Folgende Überlegungen stellte ich damals an, wie es denn mit Deutschland weitergehen sollte. Für mich war das wie ein immanenter, schnell ablaufender Film, und in Anbetracht meiner Verantwortung als Mitglied des Kabinetts wollte ich dazu einen Beitrag leisten in Übereinstimmung mit meinem politischen und historischen Verständnis von Europa. Genau deshalb hatte ich dem Bundeskanzler vorgeschlagen, Deutschland solle in der NATO bleiben, wir stationieren nur deutsche Truppen[2] auf dem Territorium der noch bestehenden DDR, und unter keinen Umständen unternehmen wir etwas östlich der Oder[3]. Weil das Gebiet zwischen der sowjetischen Westgrenze und der Oder in meinem Verständnis das sensibelste in Europa war, und das seit dem Ersten Weltkrieg. Daher konnte man da nur mit kluger Politik des Ausgleichs, der Verständigung und ökonomischer Unterstützung[4] tätig werden, ohne die Geister der Vergangenheit hervorzurufen. In meinem Buch ‚Die Akte Moskau‘ habe ich darüber geschrieben und die entsprechenden Dokumente abgedruckt. Es ist ja alles nachzulesen. Das war die Entwicklung damals. Heute aber erleben wir einen eklatanten Verstoß gegen das, was in den Verträgen zur deutschen Wiedervereinigung, im 2plus4-Vertrag drinsteht, es verstößt gegen die eigene deutsche Verfassung und offenbart unsere anscheinend nicht zu unterdrückende Neigung, uns weltweit an völkerrechtswidrigen Kriegen im Auftrag der Vereinigten Staaten[5] zu beteiligen. Und dann erwartet man vom einzelnen Bürger Rechtsverständnis? Und Einhaltung geltender Gesetze? Wenn doch staatlicherseits – von der Verfassung bis zum Soldatengesetz – alles missachtet wird, was in diesem Feld festgelegt worden ist, und zwar, bis wir wieder am Boden liegen. Das macht die Tragik unseres Landes aus.“ (S 129f)



[2] Hervorhebung von mir
[3] Hervorhebung von mir. Der deutsche Schicksalsfluss Oder ist mir dadurch vertraut, dass sowohl mein Vater als auch meine Mutter ihre Kindheit und Jugend unmittelbar an diesem Fluss verbracht haben, mein Vater in dem Städtchen Dyherrnfurt (heute Polnisch: Brzeg Dolny) und meine Mutter in Breslau (Polnisch: Wroclaw). Mein Großvater Dr. Waldemar Rumbaur, der lange Zeit stellvertretender Bundesvorsitzender der „Landsmannschaft Schlesien“ war und in dieser Funktion viele Beiträge in unterschiedlichen Zeitungen veröffentlicht hat, die sich mit der „Oder-Neiße-Grenze“ und dem Potsdamer Abkommen der vier Siegermächte beschäftigen, war einer jener Menschen, die zu den berühmten Politikern jener Zeit (Bundeskanzler Adenauer, Willy Brandt und vielen anderen) persönlichen Kontakt hatte.
[4] Wie feinsinnig Willy Wimmer die Worte wählt, kann einem beim (zweiten) Lesen deutlich werden: Die Trias der Begriffe deutet auf die drei Ideale der Französischen Revolution hin, die Rudolf Steiner aufgreift und in seinen „Kernpunkten zur sozialen Frage“ (1917) an ihren wirklichkeitsgemäßen Platz rückt. Im Wort „politischer Ausgleich“ leuchtet das Ideal der „Gleichheit“ im „Politischen Leben“, im Begriff der "Verständigung" das Ideal der Freiheit im Geistesleben, ohne die keine wahre Verständigung möglich ist, und im Begriff „ökonomische Unterstützung“ das Ideal der Brüderlichkeit im Wirtschaftsleben auf.
[5] Willy Wimmer weist in dem Buch nach, dass es seit der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg das Ziel gewisser angelsächsischer Zirkel war, Deutschland als Konkurrenten auf den Weltmärkten auszuschalten, ja gegebenenfalls ganz zu vernichten. Dafür wurden von ihnen zwei Weltkriege mit Millionen von Toten in die Wege geleitet und das „Monstrum“ Hitler an die Macht gehievt. Das Buch gibt einen neuen Blick auf die Geschichte frei, der mir schon durch die „Zeitgeschichtlichen Betrachtungen“ Rudolf Steiners nicht ganz unbekannt war, aber bei den meisten Menschen wohl immer noch nicht üblich ist, auch wenn sie unseren Politikern und Historikern kaum noch vertrauen, wie ich immer wieder in Gesprächen mit ganz einfachen Menschen – also nicht etwa mit Intellektuellen oder Akademikern – feststellen kann.

Dienstag, 12. November 2019

Sankt Martin als Vorbild für eine zukünftige Gesellschaft der Brüderlichkeit



Auf Arte kam am Sonntag, den 10. November, ein Porträt des Heiligen Martin, das versucht hat, das Leben des Heiligen anhand der Vita des Sulpicius Severus und von Spielszenen zu veranschaulichen.[1] Immer wieder erfahre ich durch solche Sendungen Neues.
Bei diesem Porträt erfuhr ich zum Beispiel, welche Rolle die Stadt Trier auch im Leben des Heiligen Martin von Tours spielte. Hier residierten einst der Kaiser Konstantin und seine Mutter Helena, die beide so wichtig für das frühe Christentum waren. Auch eine zweite wichtige historische Gestalt begegnet mir in dem Porträt: Julian, der später zum Kaiser Julian Apostata wurde, für den ich mich zu interessieren begann, als ich bei Emil Bock  ("Rudolf-Steiner-Studien") gelesen hatte, dass dieser „Abtrünnige“ in einem nächsten Leben Herzeloyde, die Mutter Parzivals geworden ist. Martin gehört also in einen karmischen Zusammenhang, der eng mit dem großen Sonnen-Eingeweihten Manu verbunden ist, der ja in Parzival wiedererschien. Rudolf Steiner nennt den später als Astronom Tyho de Brahe wiedergeborenen Kaiser Julian einmal einen engen „Ratgeber der Menschheit“.
Die Mantelteilung am Stadttor von Amiens ist jenes Ereignis im Leben des heiligen Martin, das bis heute sein wahres Wesen offenbart und an vielen Orten Deutschlands und Österreichs nachgespielt wird. Berührend ist, wie ihm der nackte Bettler, mit dem er seinen Mantel geteilt hat, in der darauffolgenden Nacht (im Traum?) erscheint und ihm offenbart, wer er in Wirklichkeit war: Christus.
Das erinnert mich an die Erscheinung des geheimnisvollen „Alten“ im Leben von Udo Wieczorek, die auch Wolfgang Gädeke in seinem Vortrag geschildert hat.
Die katholische Kirche gedenkt dieses Heiligen, der als erster nicht den Märtyrertod, sondern hochbetagt in seinem Kloster gestorben ist, am 11. November mit einem Text aus Matthäus, in dem es am Ende heißt:

„Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ (Matt. 25, 41)

Gestern Nachmittag erfuhr ich durch eine SWR2-Sendung etwas mehr über den Termin des 11. November, den Tag des Heiligen Martin: Der Tag war im mittelalterlichen Arbeitsjahr ein wichtiger Termin, denn an diesem Tag wurden die Knechte und Bediensteten entlassen. Sie feierten das Ende des Arbeitsjahres ausgiebig mit dem ausgezahlten Lohn. In diesem Zusammenhang mussten viele Gänse ihr Leben lassen, denn sie waren schuld daran, dass Martin, der sich in einem Gänsestall versteckt hatte, zum Bischof von Tours ernannt wurde, was er gar nicht wollte. Sie haben den asketischen Gründer des ersten Zönobiten-Klosters in Europa (in Marmoutiers bei Tours) „verraten“.
Mit dem 11. November begann im Mittelalter auch eine vierzigtägige Fastenzeit vor Weihnachten, die heute völlig vergessen ist. Dafür erinnern sich die Menschen in den Karnevalshochburgen Düsseldorf und Köln noch heute lebhaft daran, dass am 11. 11. um 11.11 Uhr die „Fünfte Jahreszeit“, die närrische Zeit, beginnt, ja, sie erinnern sich nicht nur daran, sondern sie feiern den Beginn lautstark und ausgelassen. Es ist also genau umgekehrt wie bei der zweiten vierzigtägigen Fastenzeit, die in der Nacht von Fastnachtdienstag auf Aschermittwoch beginnt und bis Ostersonntag dauert. Eigentlich müsste, kirchlich gesehen, der 11. November eine Art Fastnacht sein, nach der die eigentliche Fastenzeit einsetzt. Vom 12. November, also von heute an, würde diese bis Weihnachten dauern, dem Fest, an dem man wieder üppig speisen darf, eine Art christliches „Zuckerfest“, wenn man an die vielen in der Adventszeit gebackenen Weihnachtsplätzchen und Lebkuchenherzen denkt, die so sehr zu Deutschland gehören, dass sogar der junge Michael Gorbatschow dieses Gebäck in positiver Weise mit den Deutschen verband, wie er in einem Interview mit Regisseur Werner Herzog erzählte.
Dem Geschehen um den 11. November liegt auch – wie ich gestern ebenfalls erfuhr – eine gewisse Zahlensymbolik zugrunde. Die elf ist die Zahl des Narren. Sie ist um eins höher als die zehn, die mit den zehn Geboten, und um eins niedriger als die 12, die mit den zwölf Aposteln verbunden ist.
In diese „Lücke“ sprang im Mittelalter der „Schalk“ ein, wie Mephisto in Goethes „Faust“ genannt wird, also der Narr. Erst durch die Aufklärung bekam der Narr eine positive Funktion innerhalb der Gesellschaft.
Im Mittelalter durfte sich der Hofnarr zwar bereits (versteckte) Kritik am Herrscher erlauben, aber erst mit der Französischen Revolution wurden die gesellschaftlichen Verhältnisse wie im Karneval von den Füßen auf den Kopf gestellt: Die Könige wurden abgesetzt, ja sogar enthauptet, und die Bürger übernahmen die Regierung.
Das war der Beginn der demokratischen Gesellschaft, auch wenn die neu gegründete Französische Republik im nachfolgenden „Terreur“ zunächst einmal durch eine blutige Phase verlaufen musste. Die Guillotine stellte die gesellschaftliche Gleichheit her, denn im Tode sind alle Menschen gleich. In der Russischen Revolution wollte man noch einen Schritt weiter gehen. Nun sollten die Arbeiter und Bauern, also der vierte Stand (das Proletariat) regieren. Die erzwungene Brüderlichkeit kostete Millionen Menschen das Leben. Mit der Mont-Pelerin-Gesellschaft, Milton Friedmann und seinen Chicagoer Studenten kam nach dem Zweiten Weltkrieg der Wirtschaftsliberalismus auf, der unter US-Präsident Ronald Reagan an der Wallstreet und unter der britischen Premierministerin Margret Thatcher in der City of London erste Triumphe feierte. Die Kluft zwischen Reich und Arm ging immer weiter auseinander. Das dritte Ideal der Französischen Revolution, die Freiheit, war im Wirtschaftsleben an der falschen Stelle, so wie die Brüderlichkeit in den kommunistischen Staaten als staatliche Verordnung im Rechtsleben, und die von der Aufklärung geforderte Gleichheit der Menschen im Geistesleben an der falschen Stelle waren.
Seit der Aufklärung leben wir also in einer „närrischen“ Gesellschaft, die nicht der zehn und nicht der 12, sondern der elf verpflichtet ist, also Mephistopheles.
Der in Sabaria (heute Szombathelyi oder Steinamanger)[2], also wie Rudolf Steiner im Grenzgebiet zwischen dem späteren Ungarn und Österreich geborene Martin von Tours war Soldat. In dieser Funktion sollte er im Jahre 358 unter Julian von Trier aus gegen die Germanen bei Worms ziehen. Das war nicht lange nach dem Ereignis von Amiens, Martin war gerade 18 Jahre alt geworden und noch nicht zum Christentum übergetreten. Erst als er in der späteren Stadt Worms, die durch Martin Luthers „Hier stehe ich und kann nicht anders!“ berühmt geworden ist, vor Kaiser Julian getreten war, um mit dem römischen Heer zu kämpfen, schaute er ihm in die Augen und sprach: „Bisher habe ich dir gedient, jetzt diene ich Christus!“ Martin war also der erste Kriegsdienstverweigerer. Das stimmt nicht ganz: er soll bereit gewesen sein, ohne Waffen mitzuziehen. Da geschah das Wunder: die Schlacht fand gar nicht statt, weil die Germanen Friedensverhandlungen anboten.
Es ist eine Ironie der Geschichte und ein weiterer Beleg für die Narrheit unserer Politiker, dass ausgerecht einen Tag nach Sankt Martin, am 12. November 1955, Deutschland mit der Bundeswehr wieder eine Armee bekam – damals gegen den Willen vieler engagierter Bürger und Politiker wie zum Beispiel Gustav Heinemann und Erhard Eppler. Adenauer ließ die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik im kleinen Kreis in einem Zisterzienserkloster in der Eifel (Himmerod) vorbereiten und setzte sie schließlich auf Betreiben der USA durch.
Nun finden heute, am 12. November nach sechs Jahren Pause in sechs Städten wieder öffentliche Gelöbnisse statt, die durch die neue Verteidigungsministerin angeordnet wurden. Es ist nicht nur ein symbolträchtiger Tag, sondern auch ein symbolträchtiger Ort, wenn die zentralen Gelöbnisse in Berlin zwischen dem Bundestag (Legislative) und dem Kanzleramt (Exekutive) stattfinden, den Symbolen der bundesrepublikanischen Demokratie.
Es tut weh, das im Chor aus völlig unmusikalischen Soldatenstimmen geradezu geschriene „Gelöbnis“ anzuhören. Dieses Schreien verheißt im Zusammenhang mit den von Annegret Kramp-Karrenbauer angekündigten Ausweitungen der Aufgaben der Bundeswehr im Sinne von Ex-Bundespräsident Joachim Gauck nichts Gutes. Wenn ich die beiden Namen auf mich wirken lasse, dann höre ich in den Seelentiefen zwei andere alte Namen: „Krampus“, die Schreckgestalt im Gefolge des Heiligen Nikolaus, und „Gauckler“, ein anderes Wort für Narr.
Der heilige Martin hat sich entschieden, das Soldatentum in einer Zeit aufzugeben, als Ritterlichkeit und Kampf noch eine andere Qualität hatten als heute. Er hat sich gegen den Kampf und für die Nächstenliebe entschieden, ja, man kann sagen, für die Brüderlichkeit im Sinne Christi, wie es bei Matthäus 25, 41 (siehe oben) gemeint war.
In der Mathematik der Brüderlichkeit bedeutet teilen nicht halbieren, sondern verdoppeln. Dadurch, dass der Krieger Martin seinen Mantel geteilt hat, wurden zwei Menschen gewärmt.
Die Botschaft der Martinsfeiern könnte also, richtig verstanden, in den Kindern die Tugend der Brüderlichkeit vertiefen. Leider wird diese in unserem neoliberalen Wirtschaftssystem von vielen Familien nur noch als folkloristisches Accessoire, nicht aber als Ideal für eine zukünftige Gesellschaft erlebt.
So könnte der heilige Martin, der Nationalheilige Frankreichs, zum Vorbild einer zukünftigen Gesellschaft der Brüderlichkeit werden, die in der sechsten nachatlantischen Kulturepoche in den östlichen Völkern die Gesellschaft des Egoismus ablösen wird.

Bild: Simone Martini, Sankt Martin vor Kaiser Julian

Samstag, 9. November 2019

Woher die Liebe kommt - Gedanken zu einem erstaunlichen Buch über Reinkarnation und Karma



Schwäbisch Hall, der 08. November 2019 (Freitag, 5.39 Uhr)
Vorgestern fand ich das Buch „Seelenvermächtnis“ von Udo Wieczorek[1] in meinem Briefkasten. Ich hatte es gleich nach dem Vortrag von Wolfgang Gädeke beim Gmeiner-Verlag[2] bestellt. Es brauchte eine Woche, bis es im Konradweg ankam. Gestern habe ich begonnen, es zu lesen und bin nun bei Seite 126 in dem Kapitel „Die Träume sind keine Fantasie“. Die Ausgabe, die ich dabei in Händen hielt, war bereits die 6. Auflage und ist im Jahre 2018 erschienen, also hundert Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkrieges.
Durch die spannende Erzählung des Autors, der seinen Träumen nachgeht und herausfindet, dass er bereits einmal gelebt hat, werden meine Gedanken zurückgeführt in den Ersten Weltkrieg, also in die Zeit, in der so viele Menschen sterben mussten, wie ich erst am vergangenen Dienstag wieder in der Arte-Dokumentation über die Schlacht um Verdun „erleben“ konnte. Diese vollkommen sinnlose Schlacht in einem monatelangen, zermürbenden Stellungskrieg zwischen französischen und deutschen Soldaten fand 1916 statt. Die Schlacht, die Udo Wieczorek schildert, fand bereits ein Jahr zuvor, im Jahr 1915 in Südtirol statt. Dabei kämpften italienische und österreichische Soldaten in den Dolomiten miteinander.
Innerhalb weniger Tage muss ich also zwei Schlachten innerlich miterleben, die noch zu Lebzeiten meiner Großeltern stattfanden. Was hat das zu bedeuten?
In der Dokumentation über Verdun werden unter anderem auch Briefe des Malers Franz Marc zitiert, der ja als junger Mann am 4. März 1916 vor Verdun fiel. Ausdrücklich wird dabei darauf hingewiesen, dass der „Erfinder“ der „Blauen Pferde“ ein Freund von Wassilij Kandinsky war. Auf der Spur dieser beiden bahnbrechenden Künstler war ich im Sommer 2015, also in dem Jahr, als das Buch von Udo Wieczorek unter dem Titel „Nachthall“ genau 100 Jahre nach den geschilderten Ereignissen zum ersten Mal im Gmeiner-Verlag veröffentlicht wurde und als ich zum ersten (und letzten) Mal auf dem Seminar zur Biografie-Arbeit mit Matthias Hesse im „Blauen Land“ weilte. Damals hatte ich Lena kurz zuvor kennen gelernt, nun aber eine innige Seelenverwandtschaft mit einer anderen Frau erlebt, die etwas älter war als ich: mit Annette S.. Wir haben zusammen das „Russische Haus“ in Murnau besucht und waren auch im Franz-Marc-Museum in Kochel.
Das ist aber nicht die einzige Übereinstimmung, die mir beim Lesen des Buches aufgefallen ist: Sowohl den Schauplatz der Schlacht um Verdun, als auch den Schauplatz der Schlacht in Südtirol kannte ich aus eigener Anschauung. Auf unserer Fahrt nach Santiago de Compostella machten wir im Sommer 1975 auch in Verdun halt und schauten uns die vollkommen zerstörte Landschaft und das Ossuarium von Douaumont an, in dem die Knochen der Gefallenen aufbewahrt wurden. Damals standen ein südafrikanischer Jude, eine katholische Französin und ein protestantischer Deutscher sprach- und wortlos vor dem monumentalen Denkmal, umgeben von unzähligen weißen Kreuzen. Wenige Jahre später entstand das berühmte Foto, mit dem auch die Dokumentation über die Schlacht einsetzt: Staatspräsident Francois Mitterand gibt am 22. September 1984 seinem Gast Helmut Kohl spontan die Hand[3]. Dieser Augenblick der Versöhnung zwischen den beiden Völkern war eine Geste, die sich ähnlich wie der spontane Kniefall Willy Brandts in Warschau, tief in mein Gedächtnis eingeschrieben hat.
Aber auch auf dem Schauplatz der Schlacht um Südtirol war ich, und zwar im Sommer 2011 mit meiner damaligen 8. Klasse während des 10-tägigen Schullandheim-Aufenthaltes im Arntal. Ich kann mich noch gut an den Gang über die Hochfläche des „Monte Piano“ erinnern, von dem aus wir einen fantastischen Blick auf die „Drei Zinnen“ hatten. Zwischen den beiden „Besuchen“ lagen also 36 Jahre und doch gehören sie mit ihren eindrucksvollen Kulissen zu zwei Schlüssel-Erlebnissen meines Lebens, auch wenn sie danach wieder im Unterbewusstsein versunken sind, überlagert von anderen schmerzlichen Erlebnissen wie zum Beispiel die Trennung von Andrea im Jahr 2013. Im Prolog des Buches „Seelenvermächtnis“ wird das Jahr 2013 als das „Jahr der Wahrheit“ bezeichnet. Auch für mich war es das.
Dieser Ausdruck berührt mich, denn in diesem Jahr hatte ich auch das Gefühl, dass es tatsächlich Wahrheit war, was ich spätestens seit 1992 als Reinkarnationserlebnis mit mir herumtrug: „Ich bin der wiedergeborene N.N.“.
In den spannenden Schilderungen von Udo Wieczorek geht es um nichts anderes: Er rekonstruiert anhand von Träumen und Deja-Vu-Erlebnissen bis in die Details ein früheres Leben. Das war bei mir ganz anders. Aber etwas, was Udo Wieczorek schildert, ist mir auch aus jener Zeit vertraut, insbesondere aus den Zeiten, als ich langsam „psychotisch“ wurde: alles, was ich erlebte, schien eindeutig von einer höheren Macht gelenkt zu werden.
Dieser „Automatismus“ war mir, als er im Oktober 1992 im Park von Schönbrunn zum ersten Mal bei mir auftrat und drei Tage anhielt, unheimlich. Ich habe ihn dann noch zwei weitere Male erlebt: in der Michaelizeit des Jahres 1997 und in der Michaelizeit des Jahres 2005. Ich war wie „fremdgesteuert“. Deswegen verstehe ich die Erlebnisse, die Udo Wieczorek am 22. Und 23. Juli 1994 in den Dolomiten hat, wohin ihn seine Ehefrau Daniela bei seiner ersten Reise begleitet, so gut.
Ohne Karte lässt sich der Ulmer, der in diesem Leben noch nie in Südtirol gewesen war, von einer Art „innerer Stimme“ führen und findet doch genau, was er sucht. Besonders eindrucksvoll ist in diesem Zusammenhang die Schilderung vom 22. Juli 1994:[4] Im Kapitel „Gipfelzauber“ lese ich Sätze wie diese:
„Obwohl das Wetter traumhaft ist, stößt mich diese felsige Flanke mit ihren eingelagerten Schuttkarren mit einem Mal ab wie ein gegenpoliger Magnet. Weshalb aber habe ich diese Tour dann vorgeschlagen? Warum war sie mir gestern noch so wichtig gewesen? Habe ich Angst vor einer neuerlichen Begegnung mit der Vergangenheit? Ich horche in mich hinein, will dem unbestimmbaren Gefühl folgen. Aber ich verliere die Spur, tappe im Dunkeln an diesem strahlenden Morgen.
Die (Rotwand-) Bahn hat uns ins Grün einer atemberaubenden Bergkulisse ausgespuckt. Ich denke an das immerwährende Erlebnis, wenn ich in meinen Träumen plötzlich hier bin, auf dieser Hochebene, die hinter den stolzen Lärchen liegt. Ebenso ausgeworfen; nur in eine andere Zeit. Dann warte ich auf die übliche Rückblende…“ (S 105)
„In den direkt am Grat verlaufenden Wegpassagen gehe ich unterbewusst schneller. Und als Daniela an einem dieser herrlichen Aussichtspunkte anhält, um ein Foto zu machen, stellen sich mir unweigerlich die Nackenhaare auf. Mir ist klar, dass ich instinktiv einem tiefsitzenden Verhaltensmuster folge. Einem Habitus, der einst überlebenswichtig war; den ich nicht ausschalten kann. Nicht hier an diesem Berg. Ich würde Daniela am liebsten hinter die schützenden Felsen ziehen, obwohl ich weiß, wie idiotisch das wäre. Meine innere Stimme ist laut geworden. Ich kann sie nicht überhören. Sie sagt: Lauf endlich weiter! Ich höre Projektile pfeifen; höre sie dumpf in den mageren Boden schlagen. Ich sehe hinauf zum Gipfel, nehme die enorme Distanz wahr und flehe mich bis zum nächsten Postenstand. Stück für Stück hinauf. Meter für Meter am Leben bleiben und dem Herrn dafür danken. Wie ein ewiger Kreuzweg, der kein Ende nehmen will. Für Kaiser, Gott und…“ (S 106f)
„Der Krieg ist selbst nach 80 Jahren noch allgegenwärtig. Zumindest für denjenigen, der die Spuren der Geschichte lesen kann. Für mich ist es keine Frage des Wollens. Ich kann mich seiner knöchernen Präsenz nicht entziehen, weil ich ihn fühle; weil er in mir steckt. Tief vergraben unter einem Berg von Erinnerungen, die nie meine eigenen hätten sein dürfen.“ (S 107)
„Je weiter wir dem Gipfel entgegen steigen, desto unbehaglicher wird mir zumute. Das Gefühl, welches in mir wächst, will mich zerreißen. Wie automatisch vergleiche ich es mit jenen Eindrücken vor ein paar Tagen in dieser Schlucht im Innerfeldtal. Aber es ist anders, intensiver – mächtiger. Habe ich Angst?
Ja. Diesmal habe ich Angst. Vor was auch immer. Und dennoch gehe ich weiter, flüchte hinauf, in die falsche Richtung, wie mir mein Unterbewusstsein souffliert; mitten durch den Hagel dieser unscharfen Bilder, die aus den Tagen stammen, in denen die Berge bluteten.“ (S 108)
„Ich sehe auf das modrige Holz der Unterstände, erkenne zwischen den Balken und Brettern Keramikscherben, Dachpappe, Blechreste und ein Brillengestell. Es ist glaslos, leer. (…) Ich schließe die Augen, will nicht mehr sehen, was sich hinter den Fragmenten verbirgt. Aber das Bild bleibt, schonungslos. Ebenso wie dieses gedankliche Paradoxon, nicht zu wissen, was es hier für mich zu tun gibt, und gleichzeitig sicher zu sein, dass ich hier genau richtig bin.“ (S 108)
„Es ist mein anfangs leerer Blick ins Tal, auf die Häuser des Ortsteils Moos, der mir eine eigenartige Sicherheit verschafft. Die Aussicht ist nahezu identisch mit jener vom Gipfel im Traum. Es war zweifellos die Rotwand, auf die ich einst mit Josele geklettert war. Und eben in einem der letzten Häuser, der Ortschaft, die ich damals schon so stark wahrgenommen hatte, liegt unser Quartier und der alte Stadel mit der geschnitzten Rose. Ohne irgendeine Absicht wandere ich auf meinen alten Spuren. Wer aber führt mich?“ (S 109)
Ich mag die Sprache dieser Schilderungen. Sie ist so konkret und so präzis. Und doch gibt die ganze Schilderung gleichzeitig den Blick frei auf eine darunter liegende geistige Ebene. Wenn Udo Wieczorek sagt „Ich schließe die Augen“, nachdem er eine glaslose Brille auf dem Feld entdeckt hat, dann muss ich sofort an das griechische Wort für diese Augenbewegung denken: myein. Von diesem Wort stammen die Wörter „Myste“, „Mystik“ und „Mysterium“.
Die geistige, oder sagen wir: mystische Ebene kommt in den verschiedensten Formulierungen zum Ausdruck: Schon die Überschrift spricht von einem „Zauber“. „Ich horche in mich hinein“, „ich will dem unbestimmten Gefühl folgen“ sind nicht die einzigen Sätze, die auf diese Ebene hinweisen. Es gibt noch viele weitere, die ich hier nicht wiederholen möchte.
Bemerkenswert sind auch die Assoziationen „ewige(r) Kreuzweg“, und  „blutende Berge“. Mein inneres Ohr hört da natürlich sofort das heraus, was hinter dem ganzen Geschehen des ersten Weltkrieges steht: der Gang der Soldaten, die damals wie Franz Marc ihr Leben für einen sinnlosen Kampf der Völker opferten, entspricht menschheitlich dem Opfer-Gang Christi nach Golgatha. Die geschnitzte Rose im Stadel dagegen nimmt das Motiv der „Auferstehung“ vorweg. Diese Rose war das Erkennungszeichen. Im vorangegangenen Kapitel „Ein unscheinbares Ornament“ (18. Juli 1994, 19.30 Uhr) hatte Udo Wieczorek berichtet. Er spielt im Ortsteil Moos:
„Ich halte mit einem Mal an, sehe, wie Daniela weitergeht. Dann fällt plötzlich wieder dieser Vorhang in mir. Daniela ist wie ausradiert aus dem schwarz-weißen Bild.
Ich sehe ein altes Geländer, eine unbefestigte Straße, Giebel und Fassaden, die nicht mehr existieren. Und das Mädchen mit den Zöpfen. Diesmal sind ihre Haare nach hinten geflochten. Ich sehe sie zum ersten Mal aus der Distanz, wie sie vor einer verwitterten Holzwand eines Stadels lehnt. Sie trägt einen langen Rock und eine Bluse, die an den Ärmeln eng gefasst ist. Um den spitzenbesetzten Kragen hängt eine Kette mit einem ovalen Anhänger. Ihr Lächeln ist nicht das eines Mädchens. Es ist das einer jungen Frau – und es ist warm und einnehmend. Dann wird es wieder farbig in meiner Welt. Der Rückblick ist vorüber, wirft mich wieder in das Jetzt zurück.
Ich starre auf den Stadel. Er ist das einzige Element, das es sowohl im Davor als auch im Jetzt gibt. Verwittert, gezeichnet, aber existent. Mein Geist hat sich festgefressen – wieder einmal. Auf einer ganz bestimmten Stelle. Es ist dasselbe Schnitzwerk, das auch in den Träumen vorkam.
Daniela steht zehn Meter entfernt von mir, hebt fragend die Arme.
Ich will nicht rufen, zeige nur verhalten auf die alte Bretterwand und das kleine Ornament auf ihr. Daniela kommt zurück, nimmt mich fest an der Hand, als wolle sie mich im Diesseits halten. Spricht sie mit mir?
‚Eine eingeschnitzte Rose. Sie ist … wunderschön.‘ Ihre Stimme zittert unmerklich, als sie fragt:
‚Wer hat sie wohl dort …‘
‚Ich!‘ bricht es rau aus mir hervor. ‚Für sie.‘“ (S 100)
Und an dieser Stelle kommen mir nun meine eigenen „Erlebnisse“ aus dem Jahre 1986 wieder ins Gedächtnis. Ich hatte gerade den Film „Opfer“ von Andrej Tarkowski gesehen. Da fand ich auf einem Komposthaufen ein vertrocknetes Rosenstöckchen. Ich nahm es mit und begann, es jeden Tag um die gleiche Zeit zu gießen, so wie es Alexander (Erland Josephson) im Film mit dem Baum am Strand machte. Ich war überzeugt, dass ich das tote Holz damit eines Tages wieder zum Leben erwecken konnte. Aber es gelang nicht.
Immerhin war ich danach durchdrungen von dem Gefühl, Christian Rosenkreuz oder der Graf von Saint Germain wirkten durch mich hindurch und veranlassten mich, durch Paris zu gehen, ja sogar trotz meines Schwindelgefühls bis hinauf ins höchste Stockwerk des Eifelturms zu fahren, um die Stadt und ihre Achsen zu „segnen“.
Soll ich diese „verrückten“ Dinge überhaupt ernst nehmen? Haben sie mich nicht, wie ein Kollege später sagte, ins „mystische Delirium“ geleitet?
Die nüchternen Schilderungen der Erlebnisse, die ich gestern im Buch von Udo Wieczorek las, erinnern mich an meine eigenen damaligen Erlebnisse und vieles steigt wieder in mir hoch.
Dass ich nun offenbar einen neuen Zugang zu karmischen Erlebnissen habe, von denen Rudolf Steiner vorausgesagt hat, dass sie ab dem 20. Jahrhundert vermehrt auftreten würden, verdanke ich auch Daniele, die mich am 31. August in gewisser Weise „ernüchtert“ hat. Das Buch von Udo Wieczorek, das ich nun (8.55 Uhr)[5] weiterlesen werde, hilft mir dabei.
15.11 Uhr:
Nun habe ich den Teil des Buches, den Udo Wieczorek verfasst hat, ausgelesen und bin nun beim Teil, den der Journalist und Krimi-Autor Manfred Bomm geschrieben hat, also ab Seite 255.
Leider kann ich jetzt nicht weiterlesen, da ich mich jetzt auf meinen Unterricht mit den russischen Frauen vorbereiten muss, der um 17.00 Uhr beginnt.
Ich möchte nur noch den Gedanken erwähnen, der in mir während oder besser unmittelbar am Ende der Lektüre auftauchte. Es ist eigentlich weniger ein Gedanke, als vielmehr eine Frage. Sie lautet so: „Könnte es sein, dass sich die Gefallenen aus dem ersten Weltkrieg nun wieder inkarniert haben und sich – wie Udo Wieczorek – an ihre früheren Leben erinnern?“
Mit dieser Vermutung endet der Ulmer in der Tat seine eigene Niederschrift, wenn er schreibt:
„Vielleicht gibt es mehr Menschen da draußen, denen Ähnliches widerfahren ist, als mich meine Vernunft glauben macht. Wenn es sie gibt, dann sind diese Zeilen ihnen gewidmet. In diesem Buch soll der Trost liegen, nicht allein zu sein. In ihm sollen die Zuversicht und der Mut liegen, dem zu folgen, was tief in unserer Seele wohnt.“ (S253)
Als ich gerade nach Lena schaute, mit der ich jetzt Tee trinken und den Unterricht vorbereiten möchte, sah ich auf der Treppe ein Päckchen liegen. Wie erstaunt war ich, als ich den Absender las: Hans-Jürgen Schleicher. Er hat mir zwei Veröffentlichungen aus seiner Feder geschickt: „Einträge Erkenntnisse, gemischt“ und „Undine. Eine Novelle“
Schwäbisch Hall, der 09. November 2019 (Samstag, 6.09 Uhr)
Es kommt selten vor, dass ich ein Buch von 370 Seiten innerhalb von zwei Tagen aus-, also wirklich bis zur letzten Seite lese. Bei dem Buch „Seelenvermächtnis“ von Udo Wieczorek und Manfred Bomm war es so. Ich habe es gestern noch zu Ende gelesen.
Das Buch ist wirklich eine Art Vermächtnis.
Auch wenn der Autor offenbar nichts von Anthroposophie weiß, so bestätigt er doch – wie bereits erwähnt – die Voraussagen Rudolf Steiners aus dem Jahre 1910, dass es ab dem Jahr 1933 immer mehr Menschen geben wird, in denen ein natürliches Hellsehen erwacht und die zurückschauen können in ein früheres Erdenleben, insbesondere dann, wenn sie Schuld auf sich geladen haben.
In dem Buch „Seelenvermächtnis“ wird nur einmal das Wort „Karma“ (von Udo Wieczorek) und einmal das Wort „Reinkarnation“ (von Manfred Bomm) erwähnt. Beide Begriffe fallen erst relativ spät. Es kommt den Autoren offenbar nicht auf Wörter an; was sie beschreiben, ist jedoch genau das: die Tatsache von Reinkarnation und Karma anhand eines mitteleuropäischen Schicksals. Alles erscheint vollkommen stimmig. Auch deshalb liest sich das Buch wie ein Krimi und ich konnte es nicht mehr aus der Hand legen.
Die Geschichte des jungen Soldaten Vinzente Rossi aus San Nicolo di Centa bei Trient, der am 17. August 1915 am Monte Piano seinen schweren Verwundungen erlegen ist, wird nach und nach rekonstruiert. Es ist das Besondere dabei, dass der Autor Udo Wieczorek immer wieder bestimmte Träume hatte, die sich auf Orte und Menschen bezogen, die er in diesem Leben nie gesehen hatte.
Ab 1994 begann er dann, mit seiner damaligen Freundin und späteren Frau Daniela, in Südtirol auf Spurensuche zu gehen. Dabei halfen ihm sogenannte „Rückblenden“: Er wusste immer – auch ohne Karte und Wegweiser – genau, wohin er zu gehen hatte, um an die Stellen zu gelangen, wo Vincente einst gekämpft hatte. Das Erstaunlichste dabei ist, dass Udo Wieczorek am 13. August 1997 im Mauerwerk eines halbverfallenen Unterstandes beim Seikofel an der Rotwand einen Brief von Vinzente findet, den dieser am 13. August 1915 geschrieben hatte, und am 14. August einen weiteren, den sein Freund „Josele“ im Wurzelwerk einer dreistämmigen Tanne versteckt hatte. Diese zwei erstaunlichen Dokumente warteten offenbar in ihren Verstecken so lange, bis sie Udo und Daniela beinahe auf den Tag genau 82 Jahre später fanden. Sie sind für den Autor und seine Leser schließlich der endgültige Beweis dafür, dass in Udo Wieczorek die Seele von Vinzente Rossi wiederverkörpert war.
Erstaunlich ist, mit welcher „schlafwandlerischen“ Sicherheit das „Schicksal“ Udo und Daniela an die Orte führte, an denen der Autor in seinem früheren Leben aufgewachsen , verwundet und gestorben war.
In dem Buch wird nicht spekuliert. Alles ist stimmig und geistig folgerichtig, auch wenn es der rationale Verstand nicht erklären kann.
Udo Wieczorek gibt wenig von seinem Privatleben preis. Er hat offenbar nicht das geringste Geltungsbedürfnis. Er schildert nur sachlich seine inneren und äußeren Erlebnisse und wie er sie zunächst zu einem Roman verarbeitete, den er im Selbstverlag veröffentlicht hat, und dann 2015 mit Hilfe des erfahrenen Krimiautors Manfred Bomm, der seinen Kommissar Häberle inzwischen (2019) schon zum zwanzigsten Mal im Raum Ulm – Stuttgart auf „Verbrecherjagd“ geschickt hat, in einem kleinen Verlag in erweiterter Fassung noch einmal herausgebracht hat.
Ich empfinde es als angenehm, dass der Autor keinen Neurologen oder Psychologen zur Beratung herangezogen hat, obwohl er immer wieder schweißgebadet aus seinen Träumen erwachte und auch ansonsten bisweilen mitten am Tag bei seinen intensiven „Schauungen“ das Bewusstsein verlor.
Udo Wieczorek hat am 2. November 1993 auch ein Nahtodeserlebnis gehabt, das er in dem Buch (S 59ff) schildert. Er ist am 25. Oktober 1993 nach einem Waldlauf mit einem Blinddarmdurchbruch in die Klinik Seefeld am Ammersee[6] eingeliefert worden und musste dort nach der zweiten Operation reanimiert werden.
Udo hat aber nicht nur seinen Tod in diesem Leben erlebt, sondern auch seinen Tod im vorherigen Leben als „Vinz“. Jedes Mal hatte er dabei die klassischen Erlebnisse, die mir durch George Ritchie („Rückkehr von morgen“) vertraut sind: deutliche Bilder von Erlebnissen außerhalb des Leibes, das Gleiten in einen tunnelähnlichen Lichtraum, das Schauen der Gesichter verstorbener Angehöriger und schließlich das Erleben jenes Gesichtes, das die Seele mit seinem milden Lächeln empfängt und ihr den Frieden bereitet, den sie gesucht hat.
Darum geht es Udo Wieczorek vor allem: der Seele seines Freundes „Josele“, den er als junger Soldat im Krieg „versehentlich“ getötet hat, weil er ihn für einen Feind hielt, und seiner eigenen endlich den Frieden zu schenken, den die beiden Seelen durch die Schuld, die sie im vergangenen Leben auf sich geladen hatten, nicht finden konnten. Das ist auch das Motiv für die Veröffentlichung der Geschichte, nicht irgendeine „Sensationslust“, und das macht das Buch auch ehrlich und authentisch, obwohl es schier Unglaubliches erzählt. Da ist zum Beispiel die Geschichte von dem alten Mann zu erwähnen, der zweimal wie eine Art Schicksalsführer in das Leben von Udo und Daniela tritt. Dieser „alte Mann“, der wie aus dem Nichts gekommen war und wieder im Nichts verschwand, war der Anlass, dass Wolfgang Gädeke in seinem Vortrag vom 29. Oktober das Buch überhaupt erwähnte, woraufhin mein Interesse erwacht war.
Etwas hat mich an diesem Abend also angesprochen, das ich noch nicht erklären kann.
Bei der Lektüre fielen mir einige Ereignisse auf, die einen inneren Bezug zu meinem eigenen Schicksal haben, obwohl ich nie solche intensiven Träume wie Udo Wieczorek hatte und auch nicht über das „Zweite Gesicht“ verfüge. Meine geistigen Erlebnisse sind viel ruhiger und unspektakulärer. Obwohl ich es vorhatte, so könnte ich sie bisher auch nicht in einem Buch verarbeiten, das auf Interesse stoßen würde. Sie sind zu intim mit meinem Leben und den Menschen, die mir nahe stehen, verbunden.
Udo Wieczorek spekuliert nicht, sondern beschreibt lediglich, was er erlebt.
Als Leser aber erwarte ich unterbewusst, dass ich auch etwas über die anderen Menschen erfahre, die wie Daniela Wieczorek und Manfred Bomm mit ihm karmisch verbunden sind. Beide sind ab 1995 (Daniela) beziehungsweise ab 2013 (Manfred) in seine Geschichte verwoben, indem sie gemeinsam an die Orte des Geschehens in Südtirol reisen und Nachforschungen anstellen.
Es drängt sich mir beim Lesen unmittelbar die Ahnung auf, dass Manfred identisch sein könnte mit „Josele“ und Daniela mit Marie, dem Mädchen mit den Zöpfen, in das sowohl Josele als auch Vinzente einst verliebt waren. Dieses Mädchen, dem Vinzente, der Tischler von Beruf war, eine Rose in die Holzwand eines Stadels in der Ortschaft Moos bei Sexten im Pustatal geschnitzt hatte, die von Udo und Daniela 82 Jahre später wiedergefunden wird, trägt in einem Traum Udos  den Namen Marie oder Magdalena. Er nennt sie an einer Stelle einfach „Lena“ (S 274f).
Auch ein Lokalhistoriker mit Namen Rudolf Holzer kommt in dem Buch am Ende vor, der, neben dem Franziskanermönch  Siegfried Volgger, entscheidend dazu beiträgt, dass die beiden „Forscher“ im Jahr 2013 die Personen aus Udos Träumen als tatsächliche Menschen, die am Beginn des 20. Jahrhunderts gelebt hatten und gestorben waren, identifizieren können.
Wenn ich mich richtig erinnere, habe ich Rudolf Holzer bei unserem Aufenthalt in Südtirol selbst erleben dürfen, als er uns einen Vortrag über die Geschichte der Gegend hielt. Ich muss es durch meinen Aufzeichnungen aus jenem Jahr noch verifizieren; aber ich bin fast sicher.
9.18 Uhr:
Der Brief, den mir Hans-Jürgen in Begleitung der Büchersendung geschrieben hat, ist auf den 7. November datiert, also auf den Tag, an dem ich begonnen habe, das Buch „Seelenvermächtnis“ zu lesen.
Warum erwähne ich das?
Sowohl Udo Wieczorek, der als Finanzbeamter arbeitet und nebenher schreibt, als auch Hans-Jürgen, unser Trauzeuge, stammen aus der Stadt Ulm. Hans-Jürgen war dort Waldorfschüler und hat, wie ich weiß, wichtige Impulse von seinem Kunstgeschichtslehrer Gottfried Richter bekommen, von dem ich zwei Bücher („Ideen zur Kunstgeschichte“ und „Romanisches Burgund“) besitze. Ob die Familie Schleicher, die mit der Ulmer Firma „Oscorna“ verbunden ist, und die Familie von Udo Wieczorek sich kennen, weiß ich nicht. Aber zumindest das Aufwachsen in der Donaustadt ist ein gemeinsames Schicksal.
Wie erstaunt war ich, als ich gestern das erste Kapitel – eine Art Prolog – von Hans-Jürgens Novelle „Udine“ las. Es beginnt so:
„In letzter Zeit hatte er angefangen sich mit seinen Träumen zu beschäftigen. Im Grunde nichts Ungewöhnliches: Viele seiner Bekannten, und hierbei vor allem Frauen, erzählten von ihren Ausflügen in diese irrationale Bilderzone. Oft mit einem merkwürdigen Unterton: Als ob sie ein Mysterium verraten würden.
Der Anlass dafür war ein mehrmals wiederkehrender Traum, der ihn nicht wieder losließ. Genauer: die Bruchstücke ein- und desselben Traumes.“



[2] In diesem Verlag veröffentlicht auch meine Bekannte Wildis Streng ihre genialen Hohenlohe-Krimis.
[4] An diesem Tag wurde Lena 26 Jahre alt. Es war ihr erster Geburtstag in Deutschland. Sie wohnte mit Jakob E. und ihren Schwiegereltern  in Rechenberg; sie haben aber den Geburtstag nicht groß gefeiert. Lena war mit ihrem ersten Sohn schwanger. 
[5] Ich hatte meinen Tagebucheintrag um 6.50 unterbrochen, um mit Lena zu frühstücken und sie dann nach Rosengarten-Uttenhofen zur Arbeit  zu bringen. Hieß die Gegend in den Dolomiten, die Gegenstand der im Buch geschilderten Ereignisse ist, nicht auch „Rosengarten“?
[6] Also dort, wo ich mit Lena zweimal bei Charlotte und Jaki zu Besuch war.