Samstag, 1. September 2018

Der Irrwahn der Zweizahl - Gedanken zur Einteilung der Menschen in "Rechte" und "Linke"


Seit den Vorfällen in Chemnitz (zu DDR-Zeiten: Karl-Marx-Stadt) ist es wieder vermehrt üblich geworden, Deutsche als „Nazis“ zu bezeichnen. 
Natürlich ist das Zeigen des Hitlergrußes unangebracht. Die strafbare Tat kann man aber auch als bewusste Provokation auffassen, wie sie Jugendliche lieben, um irgendwelche „Spießer“ zu schockieren.
Nun wird „zufällig“ gleichzeitig bekannt, dass vor knapp zwei  Monaten, am 10. Juli 2018, „eine Besuchergruppe aus dem Wahlkreis Bodensee der AfD-Bundestagsfraktionschefin Alice Weidel“ (Haller Tagblatt vom 01.09.2018), die zusammen mit einem Begleiter des Bundespresseamtes das Konzentrationslager Sachsenhausen besucht hatte, dem  Sprecher der Gedenkstätten-Stiftung Horst Seferenz während der Führung ein paar kritische Fragen zu den Verbrechen der Nazis gestellt hätten und deshalb aus dem „pädagogischen Programm“ ausgeschlossen und des Platzes verwiesen worden seien. Bei der AfD-Landtagsfraktion, so heißt es weiter in dem Tagblatt-Artikel, wisse man nicht, „Warum man so lange geschwiegen hat“. Der Vorfall sei sieben Wochen her, „so dass die Aussagen heute nicht mehr verifizierbar“ seien.
Das Lesepublikum erfährt also nichts Genaues, aber es assoziiert sogleich, je nach politischer Einstellung: Hier waren Geschichtsrevisionisten, ja vielleicht sogar Holocaustleugner am Werk, also „Nazis“. Seferenz räumte, laut Tagblatt, allerdings ein: „Dabei wurde nach unserer Wahrnehmung die Grenze zu strafbaren Äußerungen bewusst nicht überschritten.“
Das Wörtchen „bewusst“ zeigt an, dass die Besucher wie Wölfe im Schafspelz auftraten, also wie Nazis, die als kritische Bürger erscheinen wollten.
Solche unterbewussten Assoziationen werden gerne gestreut, wenn man nichts Genaues weiß. Diese Sichtweise wird auch über die zahlreichen Demonstranten in Chemnitz verbreitet, die sich mit offenkundigen Rechtsradikalen zum Protest gegen die Flüchtlingspolitik der Regierung eingefunden hatten. Seit Ex-Außenminister Sigmar Gabriel im Zusammenhang von ähnlichen Protesten in Dresden vom „Pack“ (Januar 2016) und Ex-Bundespräsident Gauck von „Dunkel-Deutschland“ (August 2015) gesprochen hat, sind alle, die nicht mit der Politik der Großen Koalition einverstanden sind und das im Gegensatz zur großen schweigenden Mehrheit bei solchen Demonstrationen auch zum Ausdruck bringen, rechts und werden als Wähler der „rechtspopulistischen“ AfD verdächtigt.
Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) hat nun sogar einen Vorstoß gemacht, die Partei vom Verfassungsschutz beobachten zu lassen. Er sagte laut Haller Tagblatt vom 01.09.2018 (Titelseite): „Diese Partei entwickelt sich in Richtung Rechtsextremismus. (…) Die Beteiligung der AfD an den Vorgängen in Chemnitz schafft neue Fakten.“
Welche Fakten Innenminister Strobl meint, wird nicht gesagt. Der Leser muss es sich selber denken.
Die Partei „Alternative für Deutschland“ ist im Jahre 2015 stark geworden, als Bundeskanzlerin Merkel ihre eigene Politik, unter anderem auch die Öffnung der Grenzen Deutschlands, als „alternativlos“ bezeichnete. Die neue Partei setzt sich für eine Schließung der Grenzen und eine strengere Asylpolitik ein. Von Anfang an hat sie davor gewarnt, dass beim unkontrollierten Grenzübertritt auch „Terroristen“ den Weg nach Deutschland finden würden. Das hat sich durch manche Ereignisse bewahrheitet. Andererseits muss man klar sehen, dass auch viele Flüchtlinge durch die Kriegserlebnisse in ihrer Heimat psychisch traumatisiert sind und bei Ablehnung ihres Asylantrages „ausrasten“.
Obwohl ich die AfD nicht gewählt habe, muss ich objektiv feststellen, dass sie in diesem Punkt leider recht behalten hat. Auch ich erwarte von der Regierung eine Revision ihrer Asylpolitik oder zumindest eine konsequentere Abschiebung von offensichtlichen Gefährdern oder Straftätern.
Wie man allerdings die „schwarzen Schafe“ aus der Menge herausfischen will, ist mir schleierhaft. In meinen Kursen waren zuletzt immer nur anständige Menschen. Allerdings gab es auch einige, die nicht durchgehalten haben und frühzeitig abgesprungen sind, insbesondere Asylbewerber aus Nigeria und Gambia[1]. Ich habe indirekt erfahren, dass gerade diese schon mehrmals durch Kaufhausdiebstähle oder Drogenhandel aufgefallen sind. Wie sie zu ihren modernen Markenkleidern und ihren Goldkettchen und Uhren gekommen sind, ist mir schleierhaft, zumal sie nicht einmal die 15 Euro hatten, um ihr Schulbuch zu bezahlen.
Wer solche Gedanken heute öffentlich äußert, wird von gewissen Personen schnell als Rassist ausgemacht. Dann ist es nur noch ein kleiner Schritt, ihn als „Nazi“ zu bezeichnen. Das Kains-Zeichen „Nazi“ hat in Deutschland eine existenzvernichtende Wirkung. Karrieren und sogar Freundschaften sind daran zerbrochen.
Seitdem eine Mehrheit von Wahlmännern – nicht eine Mehrheit von Wählern – am 9. November 2016 den Multimillionär Donald Trump zum neuen amerikanischen Präsidenten gewählt hat, ist die Welt in zwei Lager gespalten: in die Guten: das sind die Trump-Gegner, und in die Bösen: das sind die Trump-Anhänger. Man könnte auch sagen: in die „wahren Demokraten“ und in die „Rechtspopulisten“.
Die Demokraten stehen heute in der Regel links. Rechts stehen die Leute, die die Demokratie zerstören wollen.
So einfach ist das polare Weltbild der Gegenwart. Das kann man bis in jedes Detail erkennen: Wenn ich insbesondere den jüdischen Teil der Menschheit betrachte, dann stehen die liberalen Juden Amerikas, insbesondere Hollywoods, auf der Seite der Trump-Gegner, die zionistischen Hardliner Israels auf der Seite der Trump-Anhänger.
Rudolf Steiner spricht in einem Vortrag vom 21. November 1919 (GA 194, „Die Sendung Michaels“) vom „Irrwahn der Zweizahl“. Er behauptet, dass dieses Denken in Polaritäten der bevorstehenden Inkarnation Ahrimans den Weg bereite.
Er führt aus:
„Es ist ja eingezogen in dieses neuere Bewusstsein der Menschheit der Irrwahn der Zweizahl, und es ist hintangehalten worden die Wahrheit von der Dreizahl. (…) Das alles, was in diesem Irrwahn wirkt, das ist im Grunde Schöpfung der ahrimanischen Einflüsse, jener Einflüsse, die sich einstmals konzentrieren werden in der Inkarnation Ahrimans, von der ich Ihnen schon gesprochen habe.“
Egal, wohin man schaut: Seit Ende des Ersten Weltkrieges 1919 war die Welt zweigeteilt: in zwei Blöcke, den kommunistischen Ost- und den demokratischen Westblock. Die Grenze ging mitten durch Europa, später (1949) mitten durch Deutschland, ja mitten durch das Herz der Stadt Berlin.
Adolf Hitler versuchte in den 30er Jahren eine Art „Dritter Weg“. Aber er wendete sich gegen den michaelischen Geist[2] und diente eher den Widersachermächten. Es gab damals nur wenige, die wirklich die christlich-michaelische Mitte vertraten. Dazu rechne ich die Geschwister Sophie und Hans Scholl. Sie büßten ihren Einsatz mit dem Leben.
An der Berliner Mauer stießen zwei polare Gesellschaftssysteme aneinander. Deutschland, das eigentlich die Mission gehabt hätte, zwischen Ost und West zu vermitteln, war „ausgeschaltet“, weil hier jeder als „Nazi“ oder „Kommi“[3] verdächtigt werden konnte, der nicht die vorgegebene Politik der Siegermächte unterstützte. Adenauers „Westorientierung“ machte blind für die Mitte, die auch in der Kunst verloren gegangen war, wie Hans Sedlmayr, der bekannte Münchner Kunsthistoriker, in seinem Buch „Der Verlust der Mitte“ (1948) festgestellt hat.
Ich denke, nur wenn man ohne Sympathien oder Antipathien die Geschichte des 20. Jahrhunderts sachlich studiert, kann man zu Ergebnissen kommen, die  die plumpe und brandgefährliche Einteilung der Menschen in „Linke“ und „Rechte“ vermeidet.



[1] Dabei war für den vom deutschen Steuerzahler über das Landratsamt finanzierten Kurs Anwesenheitspflicht. Aber auch hier wurde rein gar nichts unternommen, um die „geflüchteten“ Kursteilnehmer wieder „einzufangen“. Was sie in der Zeit, in der sie eigentlich im Deutschkurs hätten sein sollen, gemacht haben, weiß niemand. Der Leiter der kleinen Privatschule, für die ich arbeite, hat zwar einigen hinterher telefoniert, aber er hat wenig Erfolg gehabt. Er sagte mir einmal im Vertrauen: „Wenn ich überflüssiges Geld hätte, dann würde ich einen Privatdetektiv beauftragen, um zu erfahren, was die jungen Männer machen anstatt ihrer Pflicht nachzukommen“.
[2] Er ließ 1935  die Anthroposophische Gesellschaft und später die Waldorfschulen verbieten.
[3] Mir gefallen die unsachgemäßen Bezeichnungen nicht. Als historisch interessierter Mensch erwarte ich, dass in einer ernsthaften Diskussion über die Schattenseiten der Geschichte trotzdem die offiziellen Bezeichnungen benützt werden und nicht verkürzte „Schimpfwörter“: Die Nationalsozialisten waren Anhänger der „Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei“, abgekürzt NSDAP, die sowjetischen Kommunisten Mitglieder der „Kommunistischen Partei der Sowjetunion“ KPdSU. Auch wenn man, wie ich, mit der Politik der beiden Parteien keineswegs einverstanden ist, so sollte man doch fairerweise die historischen Namen verwenden.

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